EU-Programm STAMINA will durch Belauschen sozialer Medien und Biosensoren Pandemiemanagement verbessern

7. 05. 2021 | Die EU fördert ein Programm namens STAMINA, das unter anderem durch automatisierte Überwachung sozialer Medien und Wearables, also Biosensoren am Körper, künftige Pandemien früher erkennen und die staatliche Reaktion darauf verbessern soll.

Schon mit der Bezeichnung ihres Subventions- und Informationsprogramm für „Faktenchecker“ mit dem Namen Soma, wie die Volksbefriedungsdroge in „Schöne neue Welt“, hat die EU-Kommission Sinn für unerschrockene Ironie bewiesen. So wundert man sich nicht mehr, dass sie als Logo für ihr bis 2022 laufendes STAMINA-Programm einen Globus mit Atemschutzmaske gewählt hat, die den Himmel über weiten Teilen Afrikas und Asiens verdunkelt.

Stamina bedeutet Durchhaltevermögen oder Widerstandsfähigkeit. Das Projekt listet als verwendete Instrumente auf (meine Übersetzung):

  • Echtzeit-Analyse des Internets und der sozialen Medien
  • Wearables (Biosensoren am Körper) und tragbare Diagnosegeräte
  • Vorhersagemodelle
  • Ein Frühwarnsystem
  • Ein Werkzeug für das Krisenmanagement
  • Ein Werkzeug für das Pandemietraining
  • Eine zentrales Operations-Schaubild (common operation picture)

In der Mitteilung zum Start des Projekts auf dessen Webseite wird die Analyse der sozialen Medien folgendermaßen begründet:

Die Analyse des Internets und der sozialen Medien in Echtzeit werden helfen, gesellschaftliche Gefühle und Reaktionen zu erfassen und die Wahrnehmung von und das Vertrauen der Öffentlichkeit in offizielle Gesundheitsinstitutionen und Behörden zu steigern.

Über die Sensoren heißt es:

Smarte (am Körper) tragbare diagnostische Geräte werden für das Aussieben und die Beobachtung in der ersten Reihe genutzt (first-line screening and monitoring).

Das Wort „smart“ meint in solchen Zusammenhängen meist die Verbindung mit einer zentralen Datenbank, wo die Daten per Algorithmus analysiert werden. Alle Informationen sollen an eine gemeinsame Operationsplattform gesendet werden.

Was genau die STAMINA-Experten an den sozialen Medien interessiert, ist in einem Blogbeitrag auf der Webseite näher beschrieben. Es ist die Beurteilung des Impfrisikos durch die Bevölkerung, welche durch Falschinformationen und fehlendes Wissen beeinträchtigt werden könne:

Ein Lauschwerkzeug für die sozialen Medien kann Regierungen und Organisationen darin unterstützen, die Wahrnehmung und das Verhalten der Bevölkerung gegenüber Impfstoffen zu untersuchen.“

Das helfe den Regierungen ihre Kampagnen anzupassen und Maßnahmen zu ergreifen, um die Öffentlichkeit ausreichend zu informieren.

Außerdem geht es um pandemische Fehlinformation. Es gebe in Pandemien regelmäßig sehr viel negative und irreführende Informationen, die sich schneller verbreiteten als positive und richtige. Das Lauschwerkszeug könne helfen, Falschinformation, die trendet, schnell wahrzunehmen und zu kontern.

Generell soll das Lauschwerkzeug helfen, „die richtige Kampagne zur richtigen Zeit zu wählen“, mit den richtigen Zielen und Materialien.

Dann wird es etwas gruselig. Man will die psychosozialen Probleme verstehen, die die Menschen während einer Pandemie haben:

Ein Lauschwerkzeug für die sozialen Medien kann dabei helfen Aussagen zu untersuchen, die mit Symptomen des geistigen Gesundheitszustands zu tun haben und solchen, die Unterstützung ausdrücken.“

Laut dem Blogbeitrag soll das helfen zu verstehen, wie die Menschen während einer Pandemie zurechtkommen, und festzustellen, wenn Beeinträchtigugnen der geistigen Gesundheit zunehmen und korrigierend einzugreifen. Es bleibt der mehr oder weniger misstrauischen Fantasie überlassen, was mit korrigierend eingreifen alles gemeint sein könnte. In Anbetracht der intensiven Bemühungen, künstliche Intelligenz für die Verhinderung von Verbrechen zu nutzen, fällt mir da einiges ein.

In Florida hat ein Forscherteam gerade einen großen Zuschuss vom Justizministerium bekommen, um Biosensoren zu testen, die Bewährungshelfern Signale geben, um welche ihrer Schützlinge sie sich kümmern sollten, weil diese wieder auf die schiefe Bahn geraten könnten.In Singapur wird die ganze Bevölkerung genötigt, für so gut wie jede Aktivität in der Öffentlichkeit eine Kontaktverfolgungsapp oder ersatzweise ein Wearable zu tragen. Die Regierung hat jüngst klargestellt, dass die Informationen daraus auch für kriminalistische Zwecke verwendet werden. In den USA gehören Biosensoren in manchen Einheiten des Militärs bereits zur Uniform, um damit den geistigen und körperlichen Gesundheitszustand der Soldaten zu überwachen. An solchen Vorbildern scheint man sich zu orientieren.

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