Replik zu einem klimapolitischen Leserbrief und meine Antwort auf Proteste gegen dessen Veröffentlichung

6. 05. 2021 | An dieser Stelle habe ich kürzlich das Buch von Helge Peukert zu Maßnahmen gegen die Klimakatastrophe vorgestellt. Die Zuschrift eines Lesers, der den Einfluss des menschlichen CO2-Ausstoßes auf das Klima bezweifelt, habe ich wenig später unkommentiert publiziert. Das hat mir Kritik und den Verdacht eingetragen, ich sei ein „Klimaleugner“.

Mich irritiert das. Was ist geschehen? Als Betreiber einer von Menschen unterschiedlichster politischer Richtungen und Überzeugungen viel gelesenen Plattform gab ich Helge Peukert gern Gelegenheit, sein aktuelles Buch zu einem wichtigen und polarisierenden Thema vorzustellen. Danach müssen wir sofort klimaneutral werden und auf Wachstum verzichten, um die Klimakatastrophe noch abzuwenden.

Gemäß meiner erklärten Politik, jeden in respektvollem Ton gehaltenen Leserbrief, der als solcher gekennzeichnet ist, zu publizieren, veröffentlichte ich kommentarlos einen eingehenden Leserbrief von Rolf Bergmeier, der eine dezidiert andere Meinung vertritt, nämlich dass die Rolle des menschengemachten CO2 beim Klimawandel nicht entscheidend sei.

Daraufhin wurde ich verdächtigt, selbst ein „Klimaleugner“ zu sein. Mir wurde vorgeworfen, den fachlichen Hintergrund des Leserbriefschreibers nicht recherchiert zu haben. Mir wurde wohlmeinend zugetragen, dass ich mit so etwas viele Leser aus dem linken und grünen Lager vor den Kopf stoßen würde und endgültig zu verlieren drohe.

Andere schickten Repliken auf den Leserbrief, die ich wegen ihres gar nicht respektvollen Tons nicht veröffentlicht habe. Einen aggressiv-gehässigen Ton, wie er in Online-Diskussionsforen leider Gang und Gäbe ist, möchte ich auf meiner Webseite nicht haben.

Helge Peukert hatte ich über den Leserbrief in Kenntnis gesetzt und ihn gefragt, ob er antworten möchte. Er lehnte ab, was ich voll respektiere. Nicht jeder muss sich dabei aufreiben, mit hartnäckigen Fundamentalkritikern in Diskussion zu treten. Meine Entscheidung, selbst nicht Stellung zu nehmen, war rein pragmatisch. Ich muss eine Abgabefrist für ein eigenes Buch einhalten und habe sehr wenig Zeit. Ob ich allerdings zu einer fundierten Stellungnahme in der Lage gewesen wäre, steht auf einem anderen Blatt, da ich kein Naturwissenschaftler bin und mich mit Klimamodellen nicht näher befasst habe.

Was ich nicht respektiere, ist eine Haltung, wonach es schon verwerflich ist, manche Diskussionsbeiträge ohne ausdrückliche Distanzierung zu veröffentlichen. Dass sich ein Webseitenbetreiber Leserbriefe nicht zu eigen macht, ist selbstverständlich genug, dass man das nicht jedes Mal betonen muss, nur um bloß nicht auf ein gesinnungspolizeiliches Radar zu geraten.

Ich freue mich über jeden Leser und jede Leserin dieses Blogs. Über diejenigen, die meine Gesinnung und meine politische Meinung nicht teilen, freue ich mich doppelt. Eulen nach Athen zu tragen ist weniger ergiebig als Andersdenkenden, die bereit sind, zuzuhören, die eigene Sichtweise nahezubringen.

Hochgradig irritierend finde ich es, wenn schlampige, denk- und schreibfaule Begriffe wie „Klimaleugner“ gebraucht werden, die die Abwesenheit jeglicher Bereitschaft signalisieren, Andersdenkenden zuzuhören und Dritten das moralische Recht absprechen, es zu tun.

Warum nehmen diejenigen, die sich die Mühe machen, mich mit solchen Vorwürfen zu bearbeiten, nicht lieber die hervorragende Gelegenheit war, den für die Thesen des Leserbriefs empfänglichen Menschen mal schnell durch eigene Argumente oder Verlinkung klar zu machen, warum diese Thesen falsch sind. Eine Haltung, wonach diese Menschen zu blöd seien, als dass es sich lohnen würde, ihnen die eigenen, klar überlegenen Argumente mitzuteilen, fände ich überheblich und nicht zielführend.

Wie gesagt, niemand muss sich die Mühe machen, wenn er die Erfolgsaussichten relativ zur Anstrengung für zu gering hält. Aber wer es nicht tun will, sollte sich auch die Mühe sparen, diejenigen anzugreifen, die eine Diskussionsplattform bieten.

Hier nun eine Gegenrede auf den Leserbrief Bergmeiers von Peter Weilbacher, der sich die Mühe gemacht hat.

Lieber Herr Häring,
(…) Ich bin nicht sicher, warum mich das so aufgeregt hat, während ich mich über andere Dinge eher amüsieren kann. Vielleicht weil ich das auf Ihrer sonst so vernünftigen Seite nicht erwartet hatte. Oder zumindest mit einer Anmerkung Ihrerseits. Stattdessen werten Sie den Text auf, indem Sie den Verfasser als Buchautor zum Thema darstellen. Vielleicht hätten Sie auch/eher dazu schreiben sollen, dass er Historiker und Altphilologe ist (so glaube ich zumindest nach einer Websuche)… Ja, es gibt viele Leute, die zweifeln. Auch mich irritiert der Alarmismus, den mache Klimaaktivisten verbreiten. Wie z.B. die Kolumnen von Stefan Rahmstorf bei SPON zeigen, geht das ja auch anders.

Trotzdem ist die Wirkungsweise von CO2 in der Atmosphäre doch seit Langem verstanden. Den Zusammenhang von CO2-Konzentration und Erwärmung kann man ja auch in Laborexperimenten zeigen. Sogar Schüler können das in simplifizierten Aufbauten nachvollziehen (ich finde gerade https://www.sonnentaler.net/aktivitaeten/meteorologie/klima/klima-planet-ich/ue3/co2.html).
Ich weiß nicht, warum Leute wie Herr Bergmeier immer wieder meinen, das negieren zu müssen. Wenn Klimamodelle (mehrere, unabhängig programmiert, usw.) mit vorindustriellem CO2-Gehalt keine Erwärmung zeigen, mit industriell erhöhtem (=aktuell gemessenem) CO2-Anteil aber doch, und sich alle anderen Parameter nicht geändert haben, bleibt nicht mehr so viel anderes übrig, was das erklären kann.

Von Herrn Bergmeiers Text geht leider kein Erkenntnisgewinn hervor, außer dass man Texte vom Umweltministerium und anderen offiziellen Quellen aus dem Zusammenhang reißen und neu interpretieren kann, sodass es Leute ohne Vorbildung glauben. Wenn man das dann noch mit Dingen wie „ohne weitere Belege“ garniert, sieht das auch noch wie legitime Kritik aus. Leider fehlen mir im Text auch die Links, um direkt nachvollziehen zu können, woher die Zahlen stammen, und was er da falsch verstanden hat.

Gleich zu Anfang fällt mir auf, dass bei Herrn Bergmeier der Wert des durch Menschen freigesetzten CO2 falsch ist. Der vorindustrielle Wert ist etwa 300 ppm, momentan haben wir mehr als 400 ppm (siehe https://cdatac.de/index.php/co2-conc/c0/ oder https://wiki.bildungsserver.de/klimawandel/index.php/Kohlendioxid-Konzentration).
Also ist 0,01% anthropogen und nicht 0,001%. Und auch wenn man die relativen Werte ganz klein rechnen kann — und klar ist es ein Spurengas, das sind ja alle atmosphärischen Gase außer den drei häufigsten — in dem man das als Prozent statt ppm schreibt, bleibt doch unweigerlich der Effekt von CO2 als Treibhausgas auch bei geringen Mengen erhalten. Endgültig unglaubwürdig wird Herr Bergmeier, wenn er impliziert, jemand wollte den Menschen das Atmen verbieten.

Grüße von
Peter Weilbacher.

Eine Replik von Bergmeier und weitere Zuschriften zu dem Leserbrief finden sich hier.