Tagesschau entlockt BfR Neuinterpretation seiner Vitamin-D-Kehrtwende, damit es so aussehen kann, als sei der Tagesschau-Faktenchecker nicht bloßgestellt

17 05. 2021 | Die Tagesschau macht sich bemerkenswert viel Mühe, die Entblößung eines ihrer obrigkeitshörigen Faktenchecks zu übertünchen. Nachdem aufgefallen war, dass sie unter Berufung auf das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) geschrieben hatte, Vitamin D könne doch gegen Covid-19 helfen, was der Tagesschau-Faktenchecker zuvor als „Deisinformation“ gebrandmarkt hatte, fragte sie noch einmal beim BfR nach und ließ sich die „Kehrtwende“ weginterpretieren.

Das Ergebnis ist ein neuer Beitrag mit dem Titel „Debatte um Vitamin D: Doch keine Kehrtwende des BfR„. Zuvor war der Beitrag „Kehrtwende des BfR: Vitamin D doch nützlich bei Covid-19“ gelöscht worden, nachdem ich berichtet hatte, dass er den Faktencheck von Wulf Rohwedder „Desinformation: Vitamin D schützt nicht vor Covid-19-Erkrankung“ ziemlich blöd dastehen lässt.

Wie die Tagesschau die eigenen Faktenchecker bloßstellt

Tagesschau.de hatte das BfR zitiert mit: „Es gibt Hinweise darauf, dass ein unzureichender Vitamin D-Serumspiegel mit einem erhöhten Risiko für akute Atemwegsinfekte einhergeht. Dazu gehört auch die Covid-19-Erkrankung.“

Snapshot des gelöschten Tagesschau-Artikels im Wayback-Archiv (mit Dank an Dirk Rebotzke):
http://web.archive.org/web/20210515231720/https://www.tagesschau.de/inland/vitamin-d-corona-101.html

Nachdem ich den peinlichen Widerspruch zum Faktencheck von Rohwedder auf norberthaering.de publik gemacht hatte, löschte man den Beitrag flugs und fragte beim BfR nach, ob man dessen Aussage zu Vitamin D nicht vielleicht falsch interpretiert haben könnte. Das Ergebnis:

Jetzt erklärte die Behörde jedoch gegenüber tagesschau.de, dass diese Interpretation falsch ist: In der zitierten Mitteilung habe das BfR darauf hingewiesen, dass es mit einer unzureichenden Vitamin-D-Versorgung ein erhöhtes Risiko für Atemwegsinfekte wie Covid-19 gebe. Bisher wurde jedoch nicht gezeigt, dass die Einnahme von Vitamin D über den ernährungsphysiologischen Bedarf hinaus mit zusätzlichen Gesundheitseffekten einhergehe.

Es geht dann weiter mit spitzfindigen Bemerkungen, die es so scheinen lassen sollen, als habe sich an der Einschätzung des BfR nichts geändert. Aber es bleibt bei aller Wortakrobatik dabei, dass das BfR die Vermutung ausgesprochen hat, dass bei Menschen mit niedrigem Vitamin-D-Serumspiegel Vitamin D gegen Covid-19 helfen könnte. Die Warnungen davor, sich deshalb nicht wild selbst mit übertriebenen Mengen Vitamin D zu behandeln, tun dem keinerlei Abbruch. Schließlich hat ja die große Mehrheit der deutschen Bevölkerung im Winter einen zu niedrigen Vitamin-D-Spiegel.

Es wäre sehr lustig, wenn es nicht so traurig wäre. Die ARD nimmt lieber in Kauf, dass die Bevölkerung schlecht über eine einfache Möglichkeit unterrichtet wird, eine Ansteckung mit dem Corona-Virus weniger wahrscheinlich zu machen, oder eine Erkrankung möglicherweise abzumildern, als zuzugeben, dass Ihr Faktenchecker in seinem dogmatischen Eifer über das Ziel hinausgeschossen hat.

Ein Beitrag zum Nutzen von Vitamin D gegen Covid, ähnlich dem gelöschten der Tagesschau ist unter anderem bei der Frankfurt Rundschau aufrufbar:

Vitamin-D-Mangel ein Corona-Risiko – Künstliche Zufuhr drosselt Covid-19-Verlauf

Mein Dank geht an Pierre Lutomski für den Hinweis auf den neuen Artikel der Tagesschau