Schöner Leserbrief zu manipulativem Zeitungsbericht über Bargeldnutzung

10. 05. 2020 | Die Rheinische Post meinte am 4. Mai, es sei geboten und in Ordnung, aus Anlass einer kommerziellen PR-Zwecken dienenden Umfrage des Zahlungsdienstleisters Klarna einen als Bericht getarnten Meinungsartikel mit der Überschrift „Die Deutschen tun sich schwer mit dem Abschied vom Bargeld“ zu bringen. Ein Leser hat dazu einen schönen Leserbrief geschrieben. Dies als Anregung für Leserinnen und Leser, die fragen, was man tun kann.

Sehr geehrte Damen und Herren,

In einem Beitrag wird über die in Deutschland geringe Bereitschaft berichtet, elektronisch zu zahlen. Dabei werden die deutschen als „Kreditkartenmuffel“ bezeichnet. Ein solch bewertender Ausdruck hat in einer Berichterstattung nichts zu suchen – wenn dann gehört er in einen Meinungsbeitrag. Die Verwendung dieses Ausdrucks zeichnet die Tendenz des Beitrags vor: Es wird nämlich nicht gefragt, warum in Deutschland weiterhin gerne mit Bargeld gezahlt wird? Stattdessen wird Schweden als leuchtendes Beispiel dargestellt: Dort spielt Bargeld kaum noch eine Rolle. Dabei wird die Sicherheit als wesentliches Argument angeführt. Es geht dabei um die Sicherheit vor Raubüberfällen. Die Sicherheit vor Datenmissbrauch kommt in dem Beitrag dagegen gar nicht vor. Die dürfte aber bei der Verwendung von Bargeld eine Rolle spielen! Bargeld ist der letzte Weg, sich bei allen Kaufvorgängen nicht zum gläsernen Bürger zu machen. Wer darüber hinaus in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen der elektronischen Zahlungsanbieter wirklich durchliest, an wen alles diese die gewonnenen Daten weiterleiten dürfen – der wird Datenschutz und Freiheit noch einmal neu durchdenken. Schade, dass die Rheinische Post einen so einseitigen und tendenziösen Beitrag bringt.

Carl-Dietrich Sander, Kaarst