Zur Erinnerung: Lauterbach, dem Schikane Ungeimpfter nicht weit genug geht, die Staubsaugerbeutel und die UEFA

11. 08. 2021 | SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach geht der am 11. August beschlossene Ausschluss geringverdienender Ungeimpfter vom öffentlichen Leben nicht weit genug. Alle Ungeimpften sollen von bestimmten Veranstaltungen ausgeschlossen werden. Daher zur Erinnerung, womit er sein seuchenpolitisches Renommee erarbeitet hat.
Zum Ergebnis der gestrigen Ministerpräsidentenkonferenz äußerte sich Lauterbach so:

Ich hätte es besser gefunden, Großereignisse mit Hunderten Menschen in Clubs oder Hallen auf Genesene und Geimpfte zu begrenzen. Denn es sind potenzielle Superspreader-Events.“

Mit der Testpflicht in Innenräumen ab einer Inzidenz von 35 könne man aber „sehr gut arbeiten“. „Ich hätte die Grenze noch unter einer Inzidenz von 35 gesetzt“, sagte Lauterbach.

Noch am 14.7. hat sich Lauterbach gegenüber T-Online  entschieden gegen kostenpflichtige Tests ausgesprochen:

„Kostenpflichtige Corona-Tests für Ungeimpfte sind grundfalsch. Das wäre der erste Schritt zu einer Impflicht durch die Hintertür, die es auf keinen Fall geben darf.“

Per Twitter ergänzte er dieses Zitat mit der Erklärung:

„Wenn Ungeimpfte teure Tests zahlen müssen, die sie 2-3 mal pro Woche zahlen müssen, würden wir Ärmere zur Impfung zwingen. Das wäre unfair. Wir müssen sie überzeugen.

Als Sahra Wagenknecht am 4. August mit fast den gleichen Worten die Pläne für kostenpflichtige Tests als „Impfpflicht durch die Hintertür“ bezeichnete, erwiderte Lauterbach auf Tiwtter: „Sollen denn die Geimpften die Tests für die Ungeimpften zahlen? Oder soll nicht mehr getestet werden und wir tun so, als ob Covid weg wäre?“


Ein charakterloser Umfaller erster Güte, wie er perfekt in die serielle Umfallerpartei SPD passt oder eine klinisch relevante Störung des Bewusstseins?

Lauterbach gilt in der SPD und den Medien als Koryphäe in Sachen Corona. Er empfahl im April 2020 in einer Talkshow den Menschen, sich Atemschutzmasken aus Staubsaugerbeuteln zu basteln, was sich – wenig überraschend – als unwirksam und ungesund herausstellte. In einer anderen Talkshow nannte er ohne solide Basis eine Quote von sieben Prozent der Kinder, die als Covid-Patienten Long-Covid entwickeln. in einer anderen Talkshow gab Lauterbach das Alter der Intensivpatienten mit Covid frei erfunden mit 47 bis 48 Jahren an und schloss daraus, dass sehr viele Kinder durch Covid ihre Eltern verlören. Da mussten sich die BR-Faktenfüchse ziemlich anstrengen, das kleine Körnchen Wahrheit und Plausibilität in dieser als Statistik verkauften Erfindung herauszuschälen und aufzupolieren. (Es seien tatsächlich viele Berufstätige unter den Intensivpatienten.)

Am relevantesten für Lauterbachs aktuelle Einlassungen, dass man zu Großereignissen keine Ungeimpften mehr zulassen dürfe, auch keine Getesteten, ist Lauterbachs jüngster Fehlgriff. Anfang Juli ging er wegen der Spiele der Fußball-Europameisterschaft in London auf Twitter in die Vollen, bei denen Geimpfte und negativ Getestete in großer Zahl ins Stadtion durften. Er schrieb:

Es haben sich sicherlich Hunderte infiziert und diese infizieren jetzt wiederum Tausende. Die UEFA ist für den Tod von vielen Menschen verantwortlich.“

Am 16. Juli bezeichnete er das, „was in UK an Lockerungen geplant ist“, auf Twitter als „Schwachsinn“ und sagte Hunderttausende zusätzliche Schwerkranke und Tote voraus. Trotz dieser Großveranstaltungen und trotz oder wegen der Aufhebung aller Corona-Maßnahmen in England ist die Inzidenz dort seither deutlich gesunken. Auch die Europameisterschaftsspiele in München mit vielen Zuschauern haben Untersuchungen zufolge nicht zu zusätzlichen Infektionen geführt.

Nie verlegen um einen schrillen Kassandraruf schrieb Lauterbach am 23. März, als Dänemarks Regierung ankündigte ab Mai zur Normalität zurückzukehren:

Dänemark macht einen spektakulären Fehler, vor dem ich nur warnen kann. Wenn alle Impfbereiten Ü50 eine Erstimpfung haben lässt man Covid Durchseuchung zu. Risikogruppen geimpft, Rest kann sich infizieren. Das hat fatale Folgen, nicht nur für Jüngere. Viele ungeimpfte Ältere würden erkranken. Wären in Deutschland zB 20% der Ü50 nicht geimpft, und jeder 2te steckte sich an, würden über 60.000 Menschen bei Durchseuchung sterben. Aber auch bei den Jüngeren sind viele mit Risikofaktoren vom Covid Tod bedroht. Dazu kommt noch: Viele Jüngere erleiden mit #LongCovid Schäden, die sie vielleicht den Rest ihres Lebens begleiten. Für das #MECFS, eine die Lebensqualität stark einschränkende Störung des Denkens, Merkens und der Konzentrationsfähigkeit, haben wir bisher keine Therapie. Es gilt als unheilbar.“

Lauterbachs Warnungen und Prognosen bestätigten sich auch hier in keiner Weise. Es kam nach den sehr weitgehenden Lockerungen Ende Mai nicht zu einem signifikanten Anstieg der Todesfälle und der Krankenhauseinweisungen. Der Tagesspiegel schrieb Ende Juli:

In der vergangenen Woche gab es in Dänemark keinen einzigen Covid-19-Toten. Auch lässt sich in den Daten des dänischen Gesundheitsministerium bisher kein signifikanter Anstieg bei den Klinikeinlieferungen erkennen. Stand Mittwoch gab es demnach landesweit 64 Covid-19-Patienten, zehn davon liegen auf Intensivstationen, die Hälfte wird beatmet.“

Mit seinen Behauptungen zu Long-Covid bei Jüngeren/Kindern lehnt sich Lauterbach sehr weit aus dem Fenster. Das RKI schreibt dazu: „Die Symptomatik und das Auftreten von Long-COVID sind bei Kindern noch nicht eindeutig geklärt. Bekannt sind anhaltende Erschöpfungszustände, Atembeschwerden, Konzentrations- und Schlafstörungen, depressive Verstimmungen und Herzrhythmusstörungen, wobei nicht gesichert ist, ob die angegebenen Symptome tatsächlich auf die COVID-19-Erkrankung zurückzuführen sind.“ Eine alternative mögliche Ursache sind die Lockdowns und die Angstkampagnen der Politik. Dass Depressionen unter Jugendlichen zugenommen haben ist jedenfalls statistischer Fakt.

Bei Maischberger heute Abend sagte Lauterbach, die Schnelltests erfassten die Delta-Variante sehr früh und zuverlässig, Dass er am Tag zuvor noch das genaue Gegenteil behauptet hatte, mit der gleichen scheinbarer Sicherheit und Überzeugung, erklärte er damit, dass er zwischenzeitlich eine neue Studie gelesen habe. Wegen des bis zum Vortag angeblich schlechten Abschneidens der Schnelltests hatte er wie eingangs dieses Beitrags zitiert, gefordert, bei Großereignissen nur Geimpfte und Genesene zuzulassen. Diese drastische Politikempfehlung, hatte nun statt einer Begründung ein starkes Gegenargument aus dem Munde Lauterbachs gegen sich. Deshalb nahm er sie aber nicht etwa zurück, sondern wiederholte sie in etwas abgeschwächter Form, Als Prognose.

Wegen seiner grandiosen Fehleinschätzung zu Großbritannien redete sich Lauterbach auf Nachfrage von Maischberger darauf hinaus, er habe nur gesagt, was führende Epidemiologen in England auch gesagt hätten. Das darf man wohl feiges Wegducken nennen.

Und dann kam noch eine Selbstimmunisierung des übereifrigen Horrorszenarienmalers: Die Fallzahlen in England seien gesunken, weil man so drastisch vor dem Verderben aufgrund der Lockerungen gewarnt habe. Das habe die Leute zu vorsichtigem Verhalten animiert. Lauterbach hält offenkundig die große Mehrheit seiner Mitmenschen für weit unterdurchschnittlich vernunftbegabt oder für weit überdurchschnittlich leichtgläubig.

Trotz seiner Erfindungen, ständigen Übertreibungen und Charakterschwächen darf Karlchen Kassandra in Sachen Corona weiter als Experte der SPD von Mikrofon zu Mikrofon eilen.

Hinweis: Der Beitrag wurde im Lauf des Abends mehrfach ergänzt. Den Lesern sei gedankt für die Hinweise.

Nachtrag (18.8.): Am 14.8. twtterte Karl Lauterbach:

„Wir sollten die Inzidenz niedrig halten. Weil im Herbst der Schutz vor Ansteckung und vor LongCovid verloren geht. Wahrscheinlich schützt Impfung nur noch 50% vor Ansteckung. Und 20% der Angesteckten nach Impfung bekommen LongCovid.“

Er verlinkte zu einem Guardian-Artikel, der aber die 20% mit Long-Covid so nicht enthielt. Dort ist von 10% bis 30% der aller infizierten Erwachsenen die Rede, die Long Covid entwickeln. Lauterbach macht daraus offenbar 20% aller infizierten Geimpften.

Warum Lauterbach meint, man dürfte Ungeimpfte auf Schritt und Tritt zum (selbst bezahlten) Testen zwingen, Geimpfte aber ganz ausnehmen, wenn der Impfschutz seiner Ansicht nach bald nur bei 50% liegt, entspringt wahrscheinlich einer ganz eigenen, spezifisch lauterbachschen Logik.

Am Abend des 18.8. twitterte Lauterbach zu allem Überfluss noch auf Basis einer falschen Aussage sein Unverständnis über die Entscheidung nicht Geimpfter in die Welt:

„Die Ungeimpften verstehen oft noch nicht, dass sie wahrscheinlich alle erkranken werden. Und das ist für keinen risikolos bei der Delta Variante. Viele werden zu chronisch Kranken werden. Ich verstehe nicht, weshalb man so etwas macht. Es macht keinen Sinn.“

Dabei setzte er positiv Getestete mit Erkrankten gleich. Das ist falsch, weil die Mehrheit der positiv Getesteten nicht Erkrankt oder nur Symptome von der Schwere einer normalen Erkältung hat.

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