Über das RKI und die Gefahren des Zwecklügens

8. 04. 2020 | Seit drei Monaten kämpft die Welt mit Covid 19. Seit mindestens zwei Monaten muss es allen Fachleuten klar sein, dass Gesichtsmasken eine wichtige Hilfe bei der Eindämmung der Ansteckung sind. Seit 6. April  gilt in Jena und Österreich Maskenpflicht. Aber der Chef des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, hat bis zuletzt abgewiegelt und betont, wie wenig sie angeblich helfen. Das war und ist unverantwortlich.

Noch am 7. April war in der Morgenpost folgendes peinliches Rückzugsgefecht des RKI zu lesen:

Nach Ansicht des Robert-Koch-Instituts (RKI) könnte eine Maske das Risiko einer Übertragung von Viren auf andere mindern. Eine Maske zu tragen könne auch für Menschen ohne Symptome sinnvoll sein. Wissenschaftlich belegt sei das aber nicht, teilte die Behörde am Donnerstag in einer neuen Einschätzung mit. Zuvor hatte das RKI den Mundschutz nur Menschen mit akuten Atemwegserkrankungen empfohlen.

Am Freitag veröffentliche die Akademie der Wissenschaft Leopoldina eine Stellungnahme zur Wirksamkeit von Schutzmasken und spricht sich klar für das Tragen dieser aus. „Da sich eine große Zahl unerkannt Erkrankter ohne Symptome im öffentlichen Raum bewegt, schützt ein Mund-Nasen-Schutz andere Menschen.“ Ein Mund-Nasen-Schutz diene eingeschränkt auch unmittelbar dem Eigenschutz. Virologe fordert Mundschutz für alle Deutschen.

Es ist verständlich, dass Politiker, die wissen, dass aufgrund von lässlichen oder schlimmeren Versäumnissen zu wenig Masken für alle da sind, unbedingt vermeiden wollen, dass sich die Bürger um die nicht vorhandenen Masken streiten und es noch schwieriger wird, diejenigen damit zu versorgen, die sie unbedingt brauchen. Politik besteht zur Hälfte aus Notlügen.

Aber es hat eine ganz andere Qualität, und schlimme Wirkungen, die man jetzt besichtigen kann, wenn Wissenschaftler und Journalisten dieses Spiel mitmachen. Nicht nur, dass sie das Vertrauen der Menschen in Wissenschaftler und Journalisten beschädigen. Es hat auch ganz handfeste Konsequenzen. Allmählich ist trotz der unverantwortlichen Dementis des RKI-Chefs durchgesickert, wie wichtig und hilfreich Atemschutzmasken sind. Gott und die Welt produzieren nun Atemmasken. Jeder kann daheim welche fertigen oder auch nur falten.

Das hätte alles schon vor zwei Monaten starten können, wenn der RKI-Chef sich nicht aufs Zwecklügen versteift hätte und die Journalisten das nicht toleriert hätten. Womöglich wären wir mit kürzeren und weniger einschneidenden Einschränkungen der bürgerlichen Freiheiten und des Wirtschaftslebens davongekommen und mit weniger Toten und schwer Erkrankten, wenn man auf die Zwecklügen ganz verzichtet oder wenigstens viel früher auf Ehrlichkeit umgeschaltet hätte.

Für Frankreich, wo es mit dem langen Lügen aus Maskenmangel gefolgt von einer Maskenpflicht ebenso lief, hat die FAZ das jetzt immerhin aufgearbeitet. Für Deutschland fehlt so etwas glaube ich noch.

Nun müssen RKI und Medien und natürlich die Politik bei ihren vermutlich noch lang andauernden Krisenbewältigungsbemühungen mit dem Hindernis leben, dass man ihnen noch weniger glaubt als vorher.

Änderungshinweis: Startdatum der Maskenpflicht in Österreich auf 6.4. korrigiert.