Die andere Seite von Covid – Eine Hausärztin berichtet aus ihrem Alltag

17. 1. 2021 | In einer Regionalzeitung berichtet eine Hausärztin von ihrem Praxisalltag unter Corona-Bedingungen und äußert einen dringenden Wunsch an Politik und Medien.

Hausärztin Dr. Dorothea Krallinger berichtet in der Zeitung Neues aus der Mainspitze von ihrem Alltag in der Praxis unter den Bedingungen der Corona-Hysterie. Aus Copryrigh-Gründen kann ich hier nur einen Auszug bringen. Der Bericht ist wirklich lesenswert.

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Der nächste Patient ist ein 85-jähriger Herr, dessen Ehefrau im Seniorenheim betreut wird. Er darf seine Frau diese Woche nicht besuchen, da es in der Pflegeeinrichtung zwei positiv getestete Heimbewohner gab. Ob er seine Frau an Weihnachten besuchen darf, weiß er noch nicht. Ich kann ihm da leider keine Hoffnung machen.

Kurz darauf weint sich eine ältere Dame bei mir aus. Ihr Ehemann sei in der Klinik verstorben (nicht an Corona!) und sie durfte ihn nicht mehr besuchen, konnte nicht Abschied nehmen.

Es kommt eine 82-jährige Patientin in Begleitung ihres Sohnes. Sie habe in den letzten Tagen starke Herzrhythmusstörungen mit Schwindel verspürt. Im EKG konnte dies bestätigt werden. Ich habe der Patientin mehrmals erklärt, dass diese Rhythmusstörungen gefährlich für sie sein können, dass sie auch tödlich verlaufen können und ich daher eine stationäre Behandlung unter Monitorkontrolle empfehle. Sie lehnt eine Krankenhausaufnahme ab, die Angst vor einer Corona-Infektion sei zu groß. Ich muss sie mit einem unguten Gefühl gehen lassen.

So ähnlich wie in dieser Sprechstunde verlaufen bereits seit Wochen und Monaten die Gespräche mit meinen Patienten. Corona Pandemie bedeutet für mich schon lange nicht mehr, wieviel Infizierte, wieviel Erkrankte oder wieviel Todesfälle wir tagesaktuell in Deutschland haben. Sondern wie hoch ist die Zahl der Menschen, die an Ängsten, Depressionen oder nicht behandelten Erkrankungen leiden. Oder vielleicht versterben, weil sie aus Angst den Arzt- oder Krankenhausbesuch meiden oder aber weil sie nicht entsprechend behandelt werden, weil sich die medizinische Welt nur noch auf die Diagnose Corona konzentriert. (…) Das Dramatisieren und das tagtägliche mediale Angst machen vor einer Corona Infektion muss unbedingt aufhören.

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Zum Beitrag: “Praxisalltag im 2. Lockdown