In dem Stück der AFP-Faktenchecker geht es um eine von der serbischen Regierung angeblich ausgehende Welle von Desinformation zur Delegitimierung der Protestierenden. Ich bezweifle nicht, dass derartiges stattfindet. Doch AFP belegt nichts. Es wird lediglich unterstellt, dass die Vorwürfe der Regierung Desinformation sind. Nur manches wird mit Expertenstimmen notdürftig unterfüttert.
Hauptvorwurf der serbischen Regierung ist, die Proteste würden aus dem Ausland angezettelt und finanziert, unter anderem von George Soros. Es handle sich um den Versuch einer weiteren „Farbenrevolution“. Das ist ein Codewort für vom Ausland betriebene Umstürze.
AFP bietet drei „Experten“ auf, die über das Stück verteilt zitiert werden. Die eine ist Snjezana Milivojevic, Professorin für Journalismus an der politikwissenschaftlichen Faktultät der Universität Belgrad, die zweite ist eine Assistenzprofessorin am gleichen Fachbereich und der dritte ist ein Student dieses Fachbereichs. Alle drei kommen also aus der gleichen kleinen Blase und dürften in einem hierarchischen Verhältnis zueinander stehen. Man muss aber schon genau lesen, um das zu merken.
Auf dem Linkedin-Profil von Snjezana Milivojevic wird als Arbeitsort New York angegeben. Warum ist unklar. Man findet auch ein Profil von einer Peace Academy von ihr. Auf der Netzseite dieser Peace Academy erfährt man, dass diese von George Soros gesponsert wird, womit sich der Kreis schließt.
dpa und die russischen Kriegsopfer
Dazu passt gut eine dpa-Meldung, die sehr großes Medienecho in Deutschland gefunden hat. Danach hat der Ukraine-Krieg 900.000 Tote und Verwundete auf russischer Seite gefordert. Quelle der dpa ist ein anonymer Nato-Offizier. Mit keinem Wort wird erwähnt, dass die Nato eine de-facto Kriegspartei ist, und Kriegsparteien immer ein Interesse daran haben, die Verluste der Gegenseite als besonders hoch darzustellen. Kein Wort auch über die Verluste der ukrainischen Seite und darüber, dass es keine Möglichkeit gibt, irgendwelche Opferzahlen zu verifizieren. Dabei müsste es einen Journalisten misstrauisch machen, dass die Nato die Zahl nicht offiziell verkündet und der Offizier nicht mit Namen auftreten will. Denn es bedeutet, dass niemand für die Korrektheit der Behauptung geradestehen will, die er per dpa millionenfach verbreitet.
Würde der russische Sender RT unter Verweis auf einen ungenannten russischen Offizier von sehr hohen Opferzahlen unter ukrainischen Soldaten berichten, kämen die Faktenchecker von dpa oder AFP mit Sicherheit zu dem Urteil „unbelegte Behauptung“ und die digitalen Medienplattformen, für die sie arbeiten, würden die Verbreitung dieser Meldung unterbinden. Mit umgekehrtem Vorzeichen dagegen, verkündet Deutschlands marktbeherrschende Nachrichtenagentur selbst ohne Warnhinweis die unbelegte Zahl, viele Sender verkünden sie und viele Zeitungen und Zeitschriften bringen sie in Print und online. Auch das zeigt, dass es beim Faktenchecken um Wahrheitskontrolle im Dienste der Regierenden geht.
Hinweis: Die dpa-Meldung zu den russischen Opfern zerpflückten die Nachdenkseiten zuerst.
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Dossier zu dpa und AFP