Leserreaktionen zur Kolumne über Auslandseinsätze

Meine Kolumne zu Auslandseinsätzen hat kontroverse Reaktionen hervorgerufen. Ab heute will ich hier Stellungnahmen von Lesern zu meinen Handelsblatt- und Website-Texten veröffentlichen und soweit sinnvoll dazu Stellung nehmen. Unter dem Titel „Stimmt es, dass wir uns international mehr einmischen müssen?“ habe ich am 3.2. geschrieben: „Verteidigungsministerin und Außenminister erklären die Ära der “Kultur der Zurückhaltung” für beendet. Es werde erwartet, dass Deutschland

sich einmische, heißt es.Die Ziele bleiben aber im Dunkeln.“

Leserreaktion: Ihre stimmt das? Kolumne dient normalerweise der „wissenschaftlichen „Aufarbeitung von Fakten . Man muß Ihre Meinung nicht teilen, aber die Aufarbeitung bringt einen Fakten Gewinn ! Hier ist es völlig anders: Sie äußern eine Meinung unter dem Deckmantel von sogenannten Fakten ! Dies ist unredlich, weil Sie sich zum Schiedsrichter aufschwingen. Aufgrund welcher Qualifikation ? Man kann Ihre Meinung ja teilen, aber einen wichtigen Beitrag des Bundespräsidenten so abzuqualifizieren ist nicht mal Journalismus sondern einfach nur unqualifiziert.

Antwort: Ich will versuchen zu erklären, in welches Konzept meiner Kolumne dieser Beitrag sich aus aus meiner Sicht einfügt. Ich versuche Blickwinkel auf Themen aufzuzeigen oder Fakten in die Debatte zu werfen, die man ansonsten nicht oder kaum liest. Meistens ist das Fachgebiet die Ökonomie, weil ich mich da am besten auskenne. Aber wo ich mich auf hinreichend festem Grund wähne (was Sie in diesem Fall bezweifeln), gehe ich auch auf andere Gebiete. Der Aspekt, den ich in dieser Kolumne beleuchtet habe, war der, dass alle Befürworter allenfalls diffuse Begründungen und Ziele nennen. Nicht einmal wer es von uns erwartet, wird klar benannt. zur Unterfütterung der Bedeutung habe ich recherchiert und dargelegt, wie sich die Begründungen für den Afghanistan-Krieg gewandelt haben. Das war der analytische Beitrag, gepaart mit etwas Meinung. Auch in selbstkritischer Rückschau finde ich dieses Verhältnis von Analyse und Meinung nicht unausgewogen.

Leserreaktion: Ich konnte mir im November 5 Stunden lang das Ergebnis solcher “Ûbernahme von Verantwortung” anschauen: wunderbare junge Menschen mit fehlenden Unterschenkel, blind, nur mehr einem halben Gesicht…Solange man mir nicht sagt, dass jeder einzelne Mensch der in den Krieg geht auch wirklich weiß was er tut und das auch will, und dass alle die, die zuhause bleiben auch anerkennen, was für ein Job das ist, finde ich ehrlich gestanden, dass wir tatsächlich die Guten sind  wenn wir unsere jungen Leute nicht in den Tod oder in die Verstümmelung schicken – und diejenigen, die etwas anderes fordern sollten ihr Pferd satteln und mitziehen und dafür sorgen, dass nur Profis hingehen und keiner unter 40 ist.

Leserreaktion: die in Frage kommenden Motive resp. Argumente für eine stärkere Beteiligung Deutschlands an internationalen Einsätzen, die Sie in Ihrer Rubrik in der heutigen Ausgabe anführen, greifen doch sowieso alle ineinander; also ist es doch letztlich schnurz, unter welcher Überschrift man eine militärische Beteiligung an Auslandseinsätzen deklariert. Dafür sollte das Ziel einer solchen umso klarer sein: Wenn, wie damals in Mali oder aktuell der die Bevölkerung von einem Verbund Krimineller terrorisiert wird, oder wie jetzt in der Zentralafrikanischen Republik die Angehörigen verschiedener Bevölkerungs- und Interessensgruppen von Anführern solcher Verbünde so gegeneinander aufgehetzt werden, dass die Lage außer Kontrolle geraten, müssen Außenstehende mit physischer (also Waffen-)Gewalt dazwischen gehen und dem Gemetzel ein Ende zu bereiten. Sie dürfen diese Gewaltorgien gegen Zivilisten heute einfach nicht mehr hinnehmen. Das zumindest sollten wir aus dem Krieg 1994 gelernt haben, dass wir uns durch untätiges Zuschauen schuldig machen.

Wenn man sich die Bilder aus afrikanischen Krisenregionen in den Medien anschaut, springt doch sofort ins Auge, dass es dort an sehr vielem mangelt, aber offenbar ganz bestimmt nicht an Waffen. Meiner Meinung nach wären diese Sch…dinger, mittels derer kriminelle Vertreter unterschiedlichster Interessensgruppen überhaupt erst in der Lage sind ihre Macht auszubauen und zu “verteidigen”, und an denen sich gleichzeitig zahllose Vertreter diverser Staaten – gerade auch solcher, die sich für politisch und kulturell “entwickelt” halten, nicht nur eine goldene Nase verdienen (*s.u.), sondern obendrein auch noch von der erst durch diese Waffenlieferungen erst (mit-)geschaffenen Instabilität profitieren, nur zu diesem Zweck – also verfeindete Parteien soweit auseinanderzubringen, bis Ruhe herrscht, damit man weitersehen kann – überhaupt zu irgendetwas nütze.

Jeder weiß, bzw. könnte und müsste wissen, was da los ist, aber alle schauen weg. Hauptsache, “offiziell”, auf dem Papier, hat alles seine Ordnung, und es herrscht “business as usual”. Und mir soll jetzt bloß keiner mit den Arbeitsplätzen kommen, die an der Waffenindustrie hängen. Ein echtes Totschlagargument. Diese Art von Politik ist an Perfidie und Doppelzüngigkeit nicht mehr zu überbieten. Wir (alle, auch die Politiker) sollten im Laufe der Zeit nun wirklich dazugelernt haben, also aus dem diplomatischen Tran rauskommen und sich stattdessen mit der ganz konkreten Lebenswirklichkeit in ihren früheren “Kolonien” auseinandersetzen. Die Interimspräsidentin der CAR hat ohnehin drigend um Hilfe gebeten, von “Einmischung” kann also überhaupt keine Rede sein. Und in solchen Fällen sind “Unparteiische”, also völlig Fremde, mit Sicherheit die besseren Vermittler. Und wie froh (und den Franzosen dankbar) die Menschen in Mali waren, als sie von der Terrorherrschaft der Islamisten befreit haben, war ja damals in den Bildreportagen nun wirklich nicht zu übersehen.Und was glauben Sie, wie schnell die Waffenindustrie auf ein vernünftiges Maß zusammengestutzt würde, wenn ihre Produkte erst einmal zum Beenden (statt zum Anzetteln) militärischer Auseinandersetzungen eingesetzt werden müssten…

Antwort: Uns unterscheidet, dass ich eine zynischere Sicht auf die Weltpolitik entwickelt habe als die Ihre. Bilder und Berichte aus Krisengebieten werden ausgesucht und instrumentalisiert. Krisen und Menschenrechtsverletzungen  werden thematisiert, manchmal auch angeheizt, wenn sie in den Kram passen, aber totgeschwiegen, wenn man durch ein Eingreifen geopolitisch nichts zu gewinnen hat.