Sehr guter Beitrag des Deutschlandfunks zur Kampagne für eine transnationale digitale Identität

12. 01. 2022 | Ich kann den halbstündigen Beitrag „Digitale Identität – Leben in der überwachten Gesellschaft“ nur wärmstens empfehlen. Nicht nur weil vieles dabei ist, was hierzulande erst durch diesen Blog bekannt wurde, wie ID2020 und Known Traveller, sondern vor allem weil er sehr ausgewogen und informativ ist. Die Kampagnenbetreiber und die Kritiker kommen gleichermaßen zu Wort.

Der Beitrag von Thomas Kuchem, der am 27.12.2021 neu ausgestrahlt wurde, war zum ersten Mal bereits im Oktober 2020 erschienen. Durch die jüngsten Entwicklungen rund um digitale Impfpässe und Identitäts- und Gesundheits-Kontrollstellen allerorten, hat er noch einmal dramatisch an Aktualität gewonnen. Es gibt auf der Webseite des Deutschlandfunks zum Beitrag den Text zum Nachlesen und den Hörbeitrag zum Herunterladen.

Hier ein paar Highlights:

Einerseits stärken wir so das Impfsystem, in dem wir einen digitalen Impfnachweis einführen, andererseits nutzen wir die Digitalisierung des Impfsystems, um eine digitale Identität für die Kinder aufzubauen.“

Der Nachweis einer Coronaimpfung müsse Voraussetzung werden für grenzüberschreitendes Reisen, fordert ID2020-Partner Bill Gates am 24. März 2020 in einem Interview mit dem Onlinemedium TED Conferences. Und der Impfnachweis müsse zuverlässig sein, damit nicht unnötig Menschenleben gefährdet werden. Kein Papier, das man verlieren oder fälschen könne; nein, ein digitaler Impfnachweis auf biometrischer Basis: Die Kamera der Grenzbehörde oder auch am Eingang des Fußballstadions erkennt an meinem Gesicht, ob ich geimpft bin.
Die Pandemie würde so viel von ihrem Schrecken verlieren, hofft Dakota Gruener. Und die Coronaimpfung eröffne eine einzigartige Gelegenheit, in die digitale Identität für Milliarden Menschen einzusteigen.“

Das Konzept digitaler Identität von ID2020 sieht vor, dass wir für fragende Instanzen stets nur die Informationen freigeben, die sie brauchen und die wir freigeben wollen. Das sei unrealistisch, meint Tom Fisher, Datenschutzaktivist der Organisation Privacy International in London: „Selektiv Informationen über uns freigeben zu können, klingt gut – in der Theorie.“ Völlig ausgeblendet werde dabei aber das Machtgefälle bei fast jeder Identitätsprüfung. „Will mein Arbeitgeber ein Dokument von mir, ein Grenzbeamter oder mein Vermieter – dann kann ich wohl kaum Nein sagen.“

Siebtens und letztens: Die Blockchain mit unserer digitalen Identität werde sicher sein vor Hackern, versprechen die Initiatoren. Und auch keine Regierung werde per Hintertür unsere Daten absaugen können. „Zweite Illusion“ sagt Dirk Fox: Digitale Identität solle über Jahrzehnte die Daten unseres Lebens sammeln. Wer aber kenne schon heute die Hackertechniken des Jahres 2034 oder gar 2054? Und – egal, ob Blockchain oder veröffentlichter Quellcode: „Jedes IT-System kann Hintertüren enthalten. In dem Moment, wo Daten irgendwo drin sind, können die Daten auch raus. Ganz banal. Und wir haben einen ganz, ganz klaren Trend in allen Industriestaaten, dass Nachrichtendienste sich zunehmend auch mit entsprechenden Gesetzen Zugriffsberechtigungen auf diese Systeme organisieren – die Amerikaner vorneweg mit dem CLOUD Act, der es ihnen erlaubt sogar, auf Daten zuzugreifen, die auf Servern amerikanischer Anbieter im Ausland stehen.“
Trotz der vernichtenden Bilanz aus menschen- und datenschutzrechtlicher Sicht schreitet das Großprojekt transnationaler digitaler Identität voran. Zu verlockend sind die Aussichten für Regierungen, Unternehmen und internationale Organisationen, ihre Arbeit effizienter zu gestalten – auf Kosten von Datenschutz und Freiheit.“

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