Die ING betreibt für ihre Kampagne gegen das Bargeld täuschende Corona-Panikmache

20.03. 2020 | In diesen Corona-Zeiten bekomme ich viele Beispiele zugesandt, wie Läden oder Kassierer ungern Bargeld annehmen. Ich habe Verständnis dafür, auch wenn die Sorge  übertrieben bis unbegründet zu sein scheint. Was aber gar nicht geht, ist, wie die Bank ING diese Krise nutzt, um entgegen alle Evidenz zu behaupten, die Nutzung von Bargeld sei ein großes Gesundheitsrisiko, nur um ihre auf Gewinnmaximierung ausgerichtete Anti-Bargeld-Kampagne zu befeuern.

Die ING gehört zu den Banken, die ständig irgendwelche interessengeleiteten tendenziösen Umfragen zur Bargeldnutzung in Auftrag geben und veröffentlichen. Banken mögen Bargeld nicht, weil sie mit digitalen Bezahlverfahren mehr verdienen.

Folgendes ist derzeit auf der Website der Bank zu sehen und wird Kunden zugeschickt:

Corona-Panik & Co. Macht mich mein Geld krank?
Wie schmutzig ist Geld? Das lässt sich klar beantworten: Es ist sehr schmutzig. Geldscheine und -münzen wechseln sehr häufig den Besitzer – doch das ist nur einer der Gründe, warum sie stark mit Keimen belastet sind. Bis zu 3.000 Bakterienarten tummeln sich auf einem einzelnen Geldschein. Das jedenfalls ergaben Untersuchungen des „Dirty Money Project“. Dabei haben Forscher aus New York weltweit Geldscheine in Augenschein genommen.

Stecke ich mich jetzt deshalb mit dem Corona-Virus an?
Das Bundesinstitut für Risikobewertung meint dazu: “Es gibt derzeit keine Fälle, bei denen nachgewiesen ist, dass sich Menschen auf anderem Weg [als über die sogenannte Tröpfchen-Infektion], […], mit dem neuartigen Coronavirus infiziert haben.” Natürlich sollte man im Umgang mit Geld trotzdem die Hygieneregeln beachten und sich regelmäßig nach dem Kontakt mit Münzen und Scheinen die Hände waschen sowie vermeiden, sich mit ungewaschenen Händen in das Gesicht zu fassen. Auch wenn Sie sich durch einen Geldschein vermutlich keinen Virus einfangen – die Keime möchten Sie sicher trotzdem nicht mit sich herumtragen.

Dazu ein Tipp: Zahlen Sie einfach mit Karte statt Bargeld.

Die Botschaft ist klar. Es ist zwar noch nicht zweifelsfrei bewiesen, aber man muss schon ziemlich verrückt sein, wenn man das Risiko in Kauf nimmt, sich von den furchtbar schmutzigen Banknoten eine  Krankheit bzw. DIE Krankheit zu holen. Basis dafür ist dieses Dirty Money Project mit seinen Erkenntnissen. Bevor wir uns diesem obskuren Projekt zuwenden, hier, was die Bundesbank und die Sparkassen zum Thema zu sagen haben

Die Bundesbank schreibt:

Von Bargeld geht kein besonderes Infektionsrisiko für Bürger aus
Bun­des­bank­vor­stand Jo­han­nes Beer­mann hat dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die Ge­fahr einer An­ste­ckung mit dem Co­ro­na­vi­rus über Bar­geld äu­ßerst ge­ring ist. „Die Wahr­schein­lich­keit, sich mit­tels Bar­geld an­zu­ste­cken, ist ge­rin­ger als bei vie­len an­de­ren Ge­brauchs­ge­gen­stän­den des täg­li­chen Le­bens“, so Beer­mann in einem Pres­se­ge­spräch in der Bun­des­bank. „Von Bank­no­ten und Mün­zen geht kein be­son­de­res In­fek­ti­ons­ri­si­ko für den Bür­ger aus“. Die Euro-Bank­no­ten seien so kon­zi­piert, dass sie beim täg­li­chen Ge­brauch kaum ver­schmutz­ten. Zudem seien die 5- und 10-Euro-Bank­no­ten, die be­son­ders oft als Wech­sel­geld von Hand zu Hand gehen, zu­sätz­lich mit einem Schutz­lack gegen Ver­schmut­zung ver­se­hen. „Die Bun­des­bank be­ar­bei­tet in ihren 35 Fi­lia­len jähr­lich über 14 Mil­li­ar­den Bank­no­ten, sor­tiert dabei die ver­schmutz­ten Schei­ne aus und er­setzt diese durch druck­fri­sche“, er­läu­ter­te Beer­mann.

Über­tra­gung von Viren über Bank­no­ten nicht ge­ge­ben
René Gott­schalk, In­fek­tio­lo­ge und Lei­ter des Ge­sund­heits­amts der Stadt Frank­furt am Main, sieht das Ri­si­ko einer Über­tra­gung des Co­ro­na­vi­rus über Bank­no­ten als nicht ge­ge­ben an. „Es ist im Prin­zip völ­lig egal, wie lange Krank­heits­er­re­ger auf Ober­flä­chen über­le­ben kön­nen. Ent­schei­dend ist, ob es ein In­fek­ti­ons­weg ist“, sagte er bei dem Pres­se­ge­spräch. Der In­fek­ti­ons­weg sei bei Bank­no­ten nicht ge­ge­ben. Zudem seien Geld­schei­ne auf­grund ihrer Be­schaf­fen­heit nicht be­son­ders gut ge­eig­net, Krank­heits­er­re­ger zu über­tra­gen. „Haupt­über­tra­gungs­weg des Co­ro­na­vi­rus sind Tröpf­chen­in­fek­tio­nen durch Hus­ten, Nie­sen, aber auch Spre­chen“, er­gänz­te Gott­schalk. „Wenn das Virus über Geld­schei­ne oder Tisch­plat­ten über­tra­gen würde, wären die Fall­zah­len höher.“

Von den Sparkassen erfährt man:

Muss ich Angst haben, mich beim Zahlen mit Bargeld anzustecken?
Geldscheine gelten nicht als Übertragungsweg. Es gibt keinerlei Belege dafür, dass das Coronavirus durch Banknoten oder Münzen übertragen wird. Für den Bürger empfiehlt die Bundesbank im Umgang mit Banknoten und Münzen die gleichen Maßnahmen bezüglich der Handhygiene wie bei allen anderen Gegenständen des alltäglichen Gebrauchs auch. Zahlungen im Laden sind weiterhin per Karte oder mit dem Handy möglich.

Wir sehen, die Einordnung durch die ING ist ziemlich speziell, basierend auf besagtem Dirty Money Project. Will man genaueres wissen, findet man nur einen Wikipedia-Eintrag darüber und ein paar US-Zeitungartikel aus dem Jahr 2014, als die angekündigte Studie noch nicht veröffentlicht war. Offenbar wurde sie auch danach nicht veröffentlicht. Jedenfalls finde ich nichts davon, auch nicht in der Publikationsliste der das Projekt leitenden Wissenschaftlerin Jane Carlton. Offenbar bestand die Funktion dieses Projekts mit unbekannten Sponsoren allein darin, diese alarmistischen Zeitungsartikel zu produzieren. Es ging bei dem Projekt nur darum, DNA von Organismen zu identifizieren. Zur Menge wird nichts gesagt.

Ich fand allerdings folgende, ähnlich angelegte Studie aus dem Jahr 2010.”Dirty money: an investigation into the hygiene status of some of the world’s currencies as obtained from food outlets.”

Ergebnis: Je ärmer das Land und je älter die Banknoten, desto mehr Bakterien sind auf den Banknoten. Gesundheitsgefährdende Keime konnte nur durch Anreicherung festgestellt werden. Ich lese das so, dass man sie erst in Petrischalen vermehren musste, um etwas nachweisen zu können.