Die Plattform „frei statt smart – Gemeinsam für Digitalfreiheit“ geht an den Start

12. 04. 2026 | Wer die Regierungsmaxime „Digital-only“ nicht als Verheißung sondern als Bedrohung für unser selbstbestimmtes Leben begreift, wer die von oben verordnete Digitalisierung des Bezahlens, der Gesundheitsversorgung und des Unterrichts nicht länger hinnehmen will, findet auf der Plattform „frei statt smart“ Gleichgesinnte, Tipps und Inspiration.

Die Lobby der Digitalisierer ist mächtig und gut organisiert. Eine Handvoll großer Digitalkonzerne vereint mehr Börsenwert und politische Macht auf sich als alle deutschen Aktien­gesellschaften zusammen. Die Lobby für die Abwehr von digitaler Überwachung und Bevormundung ist zersplittert und wenig sichtbar. Dem will eine Informations- und Vernetzungsseite unter dem Motto „frei statt smart“ abhelfen.

frei statt smart stimmt nicht in den Abgesang auf das Analoge und die Privatsphäre ein. Die Netzseite, an deren Aufbau ich beteiligt war, dokumentiert die zahlreichen Erfolge, die der Widerstand gegen den Digitalzwang schon hervorgebracht hat – um zu zeigen, dass es geht und zu noch mehr Widerstand anzuregen.

Wer sich engagieren will, kann auf der Netzseite einen schnellen Überblick bekommen, welche Organisationen und Gruppen es schon gibt – in der eigenen Region, im DACH-Raum oder international. Falls er keine passende Organisation für sein Anliegen findet, kann er über die Seite Mitstreiter für seine frisch-gegründete oder noch zu gründende Gruppe suchen.

frei statt smart heißt die Initiative, weil der Begriff „smart“ für uns seine Unschuld durch Missbrauch verloren hat. Smart soll für intelligent, effizient und modern stehen. Smartphones, Smartwatches, Smarthomes und Smart Cities liefern uns Informationen über uns und unsere Umgebung und nehmen uns Entscheidungen ab. Intelligente Algorithmen sagen uns, ob Körper und Geist richtig funktionieren, welchen Weg zum Ziel wir am besten einschlagen, welche Musik wir als nächstes gerne hören und welche Informationshappen unserem Appetit am besten entsprechen. Digitalkonzerne, Banken und Kreditkarten­firmen übernehmen das Bezahlen für uns, zunehmend sogar schon das Bestellen. All das ist bequem. Den Preis für diese Bequemlichkeit bezahlen wir durch Aufgabe der Selbst­bestimmung über das, was wir von uns preisgeben und über das, was wir tun wollen. Wir machen uns komplett abhängig von Technologien, die wir weder verstehen noch kontrollieren, und von denen wir jederzeit ausgesperrt werden können.

Für uns steht smart vor allem dafür, dass alle unsere Lebens­zeichen, Äußerungen und Entscheidungen durch Sensoren erfasst und aufgezeichnet werden. Sie werden zu einem umfassenden Profil zusammengeführt und von mächtigen Computer­programmen analysiert. Im Ergebnis wissen die Organisationen und Konzerne, bei denen diese Daten landen, mehr über uns als unsere Freunde und Familien, in mancher Hinsicht auch mehr als wir selbst. Je mehr wir smarte digitale Angebote nutzen, je mehr wir Computer­programme für uns denken und entscheiden lassen, desto abhängiger und manipulierbarer werden wir.

Frei statt smart zu sein, bedeutet für uns, diesen Preis nicht zahlen zu müssen. Wir kämpfen für die Freiheit, ohne Diskriminierung, auch ohne die Nutzung digitaler Geräte am sozialen Leben teilhaben zu können. Nur mit dieser Freiheit können wir auf Dauer ein selbstbestimmtes Leben führen. Nur wenn wir diese Wahl haben, sind wir frei zu entscheiden, was wir von uns preisgeben wollen. Nur mit dieser Wahl sind wir frei zu entscheiden, was wir tun, ohne unmerklich im Dienste fremder Interessen gelenkt zu werden.

Digitalfreiheit heißt für uns nicht, digitale Lösungen und Vernetzung abzulehnen, wo sie für uns sinnvoll und ungefährlich sind. Diese Initiative gegen den digitalen Vernetzungszwang wäre ohne digitale Kommunikation nicht möglich. Digitalfreiheit bedeutet für uns vielmehr, sich zwischen digital vernetztem und nicht vernetztem Handeln und Sein entscheiden zu können.

  • Wir wollen selbst bestimmen, wie, wann und mit wem wir uns vernetzen.
  • Wir beharren darauf, frei zu entscheiden, ob wir anonym mit Bargeld bezahlen oder mit vernetzten Bezahlverfahren.
  • Wir wollen wählen können, ob wir ein Anliegen auf dem Amt mit einem Menschen besprechen oder ob eine vorgefertigte digitale Lösung für uns besser funktioniert.
  • Wir wollen die Freiheit bewahren, vernetzte Gesundheitslösungen nicht zu nutzen, damit außer uns nur unsere Ärzte und Therapeuten wissen, was uns fehlt.
  • Uns ist wichtig, dass unsere Kinder unter Anleitung von Lehrern statt von Programmierern lernen dürfen, mit Kreativität und Konzentration Probleme zu lösen, Aufgaben zu bewältigen und sich Wissen anzueignen.

An der Konzeption und Gestaltung von frei statt smart hat eine engagierte Gruppe von IT-, Design- und Kommunikations­profis gearbeitet. Die meisten möchten anonym bleiben, um keine beruflichen Nachteile zu erleiden. Die Betreuung der (nie ganz) fertigen Netzseite haben Andreas und ich übernommen. Andreas ist gelernter Schriftsetzer und hat sich auf die Gestaltung und Strukturierung von Netzseiten spezialisiert, z.B. nachdenken-in-frankfurt.de.