Stolze 12% für „Sonstige“ weist die Forschungsgruppe Wahlen derzeit in der Sonntagsfrage aus. Das Institut macht seine Wahlumfragen für das ZDF. Nur Parteien mit mindestens 3% werden einzeln ausgewiesen. Bei INSA (Bild) und Infratest dimap (ARD) werden BSW dagegen 4% bzw. 3% zugewiesen, der FDP je 3%. Auch Forsa weist jeweils 3% für beide Parteien aus.
Vor allem die CDU und die SPD dürften sich über das Verschwinden von BSW und FDP im ZDF freuen. Es begibt sich aber, dass der Chef der Forschungsgruppe Wahlen, Matthias Jung, als langjähriger demoskopischer Berater von Angela Merkel tätig war. Von ihm stammt das Konzept der „asymmetrischen Demobilisierung“, mit der Wähler anderer Parteien als der CDU zur Stimmenthaltung bewegt werden sollen. Andere Parteien weit unter die 5%-Hürde zu rechnen, damit ihre potentiellen Wähler (irrtümlich) glauben, eine Stimme für diese Parteien wäre „verloren“, kann man auch als eine Ausprägung dieser Strategie betrachten.
Es ist leicht für Umfrageinstitute, eine Partei um zwei Prozentpunkte zu heben oder zu drücken. Was sie veröffentlichen, sind nicht die tatsächlichen Angaben der Befragten zu ihrer Wahlabsicht. Vielmehr sind es auf gänzlich intransparente Weise um mutmaßliche Verzerrungen in der Befragten-Stichprobe bereinigte Werte.
Das konnte man vor der Bundestagswahl am 23. Februar 2025 bei der Forschungsgruppe und bei Forsa beobachten. Der Chef von Forsa, Manfred Güllner, ist SPD-nah, wenn auch auf recht eigenwillige Weise. Die Forschungsgruppe und Forsa setzten das BSW gegen Ende Januar, als die Wahlentschlüsse bei vielen geformt und die Briefwahl getätigt wurde, auf 3%, weit unter die Fünfprozenthürde. INSA und Infratest dagegen wiesen zwischen Herbst 2024 und der Bundestagswahl einen kontinuierlich von rund 9% auf 5% bzw. 4,5% absinkenden Stimmenanteil aus. Das Wahlergebnis lag einen Tick unter 5%.
Transparenzhinweis: Der Autor ins BSW-Mitglied.