Science Media Center (SMC)

Das Science Media Center Germany gGmbH ist Teil eines internationalen Netzwerks solcher Zenten. Es versorgt proaktiv Tausende angeschlossene Journalisten kostenlos, schnell und mundgerecht mit kuratierten Informationen und Expertenaussagen zu schlagzeilenträchtigen und kontroversen Wissenschaftsthemen.

Finanzierer der SMCs sind Stiftungen, Unternehmen und  Regierungen,in Deutschland vor allem die Klaus Tschira Stiftung des SAP-Gründers und die Bundesregierung. Interessenkonflikte scheinen programmiert.

Außer in Deutschland gibt es SMCs in Großbritannien, Australien, Neuseeland, Spanien, Südkorea und Taiwan. Sie sind miteinander vernetzt und haben als „SMC Global“ eine gemeinsame Website und Charta, sind aber eigenständig organisiert. Ihre Mission ist die Bekämpfung von Desinformation.

Steckbrief

  • Gegründet: 2015
  • Sitz: Redaktion: Köln; Gesellschaft: Heidelberg
  • Gesellschafter: Die Klaus Tschira Stiftung (90%) und der Verein „WPK – Die Wissenschaftsjournalisten –“ (10%)
  • Geschäftsführer: Volker Stollorz
  • Budget. ca 2 Mio. Euro
  • Staatliche Förderung: Bundesregierung (Projektförderung)
  • Sonstige Geldgeber: Klaus Tschira Stiftung (1,5 MIo. Euro pro Jahr), BASF, Bayer; Johnson & Johnson, Pfizer, u.a.
  • Mitarbeiter:ca. 30

Aktivitäten

Das deutsche SNC kann nach eigenen Angaben (22.3.2026) auf über 3700 mitwirkende Wissenschaftler zurückgreifen und 2200 angeschlossene Journalisten mit seinen kuratierten Informationen versorgen.Diese bekommen Faktenblätter mit Informationen und eine Auswahl von Expertenaussagen oder sie können an virtuellen Pressekonferenzen mit ausgewählten Wissenschaftlern teilnehmen.

Außerdem entwickelt die NGO in ihrem mit staatlichen Programmfördermitteln unterstützten SMC-Lab datengetriebene Recherchewerkzeuge zu kontroversen Themen wie etwa der Energiewende. Diese stellt sie den angeschlossenen Journalisten kostenlos zur Verfügung.

Um die Wissenschaftskommunikation in der Corona-Zeit zu verbessern startete das SMC 2020 die von der Klaus Tschira Stiftung finanzierte Initiative „Together for Fact News“. Botschafter waren damals die Infektologen Marylyn Addo und Christian Drosten, die damalige Leiterin des Deutschen Ethikrats Alena Buyx und der Fernsehmoderatorin und Youtuberin Mai Thi Nguyen-Kim sowie der Fernseharzt Eckart von Hirschhausen. Sie argumentierten für die Initiative gegen vermeintliche Verschwörungstheorien und Desinformation an und erklärten, propagierten und formten die regierungsoffizielle Linie in der Krisenpolitik und warben für höhere Impfbereitschaft. Ob es eine Vergütung für diese Tätigkeit gab, ist nicht bekannt. Die Initiative scheint noch aktiv zu sein. Mehrere, weniger kontroverse Botschafter kamen im Lauf der Zeit hinzu.

Drosten und von Nguyen-Kim erhielten bereits im Oktober 2020 das Bundesverdienstkreuz, Addo erst 2023. Von Hirschhausen hatte es schon, er bekam diverse andere Preise für sein kommunikatives Engagement in der Corona-Zeit. Außerdem erhielt er für seine Mitwirkung an der Impfkampagne der Bundesregierung ein als vertraulich eingestuften Honorar von der Bundesregierung.

Die Anfänge in UK: Bessere Presse für Gen-Lebensmittel

Das erste Science Media Center wurde 2002 in Großbritannien gegründet , nachdem eine Kommission des britischen Oberhauses zu dem Schluss gekommen war, dass die Wissenschaftsberichterstattung in mancher Hinsicht verbesserungswürdig sei, insbesondere, was gentechnisch veränderte Nahrungsmittel angeht:, denn diese würden von Verbrauchern weitgehend boykottiert. Eine der ersten Aktivitäten des Zentrums scheint dann auch 2002 das Lostreten einer Lawine kritischer und sich gleichender Medienberichte über einen BBC-Spielfilm zu diesem Thema gewesen zu sein.

Das britische SMC ist in den Räumen des Wellcome Trust in London ansässig und der Wellcome Trust hat eine Sondergenehmigung, mehr als fünf Prozent des Jahresbudgets des SMC von zuletzt knapp 800.000 Euro beizutragen. Der Wellcome Trust wurde vom Pharmaunternehmer Henry Wellcome begründet und ist neben der Gates-Stiftung einer der weltweit größten und einflussreichsten Förderer biomedizinischer Forschung. Neben dem Trust gehören noch weitere Chemie- und Pharma-Unternehmen zu den Hauptspendern.

Mögliche Interessenkonflikte im deutschen SMC

Die Gründung des SMC Germany geht auf eine von der Bosch-Stiftung finanzierte Machbarkeitsstudie des Vereins Wissenschaftspressekonferenz (WPK) aus dem Jahr 2012 zurück. Es nahm im Frühjahr 2016 die Arbeit auf. Die WPK ist ein staatlich unterstützter und eng mit staatlichen Einrichtungen kooperierender Berufsverband von hauptberuflichen deutschen Wissenschaftsjournalisten.

Zwei Führungskräfte der Klaus Tschira Stiftung wurden von BASF und der von BASF gegründeten „Wissensfabrik“ zur Förderung der (technikfreundlichen) Wissenschaftsbildung geholt, die Geschäftsführerin Lilian Knobel und die Kommunikationschefin Anja Heinzlemann. Im Vorstand des SMC-Fördervereins sitzt die Leiterin der Abteilung Forschung und Wissenschaftsbeziehungen der Bayer AG. Zu den 12 Gründern des Fördervereins des SMC gehören die Bayer Science & Education Foundation und die Covestro Deutschland AG, der IKW Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel:

Dem Fachbeirat des SMC gehörte 2024, als dessen Mitgliederliste noch auf der Website veröffentlicht wurde, der skandalumwitterte Staatssekretär a.D. und Direktor der „staatsfernen“ Medienanstalt Rheinland-Pfalz, Jan Eumann, an. Außerdem Cornelia Betsch, die Verhaltenswissenschaftlerin, die sich in der Corona-Zeit um die Vergrößerung der öffentlichen Unterstützung für die behördlichen Maßnahmen verdient gemacht hat, sowie. zwei Journalismus-Professoren der TU Dortmund, die für das Faktenchecker-Netzwerk GADMO Datenauswertung betreibt. Im Aufsichtsrat saß auch die Wissenschaftsjournalistin, Fernsehmoderatorin und Youtuberin Mai Thi Nguyen-Kim.

Stand: 25.3.2026

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