Das Institute for Strategic Dialogue (ISD) ist eine der wichtigsten Institutionen des Wahrheitskomplexes. Es ist sehr intensiv und breit mit dessen NGOs und Behörden vernetzt. Das ISD sorgt in Ländern der angelsächsischen Five-Eyes-Geheimdienstallianz und der NATO dafür, dass die NGOs des Wahrheitskomplexes mit hochkarätigen Tools zur Internetausforschung versorgt und in der Anwendung geschult werden. Das ISD konzentrierte sich ursprünglich auf Terrorismus- und Extremismusbekämpfung, was fast zwangsläufig eine gewisse Nähe zu den Geheimdiensten mit sich bringt. Später wurde der Fokus zunehmend auf die Bekämpfung von „Desinformation“ verschoben. Das ISD erstellt außerdem Forschungsberichte und berät Regierungen auf höchster Ebene. Es war maßgeblich beteiligt, als die deutsche Bundesregierung anfing, Druck auf die digitalen Medienplattformen auszuüben, NGOs des Wahrheitskomplexes zu finanzieren und diese an der Inhaltemoderation zu beteiligen.
Inhaltsverzeichnis
Steckbrief
Fusion mit Alliance for Securing Democracy
ISD Germany
Digital Policy Lab
Aktivitäten und Projekte
Notorious
Medienauftritte
Wahlsicherung
Business Council for Democracy
Coalition to Counter Online Antisemitism
Kooperationen mit Plattformen
Internet-Ausforschungsprogramm „Beam“
Compliance Monitoring zum Digital Services Act
Forum on Information and Democracy
Climate Action Against Disinformation
Steckbrief
- Gegründet: 2006 in London
- Sitz: Washington D.C. (seit 2024), Ableger in Großbritannien, Deutschland (ISD Germany gGmbH in Berlin), Kanada, Frankreich, Jordanien
- Leitung: Sasha Havlicek (seit Gründung); ISD Germany: Cornelius Adebahr, Julia Ebner
- Budget: ISD US (Zentrale): 12,8 Mio. Dollar (2024); ISD Germany; 3,8 Mio. Euro (2023), davon 1,6 Mio. Euro EU-Projektförderung
- Staatliche Förderung: Ohne Aufgliederung werden als öffentliche Geldgeber gelistet: UN, EU-Kommission, International Organization for Migration (IOM), Bundesregierung, NRW Staatskanzlei, B.-W. Staatsministerium, Regierungen der USA und der Five-Eyes-Länder (inkl. US-Heimatschutznministerium) sowie Dänemark und Finnland.
- Sonstige Geldgeber: Google, Microsoft, Spotify, Accenture u.a. Unternehmen und eine große Zahl von Stiftungen, darunter die üblichen Finanzierer des Wahrheitskomplexes
- Mitarbeiter: ca. 65 auf der Website präsentiert, davon 20 ISD Germany
- Personelle Verflechtungen: Mehrere Manager von ISD sind gleichzeitig Manager von CASM Technology: Francesca Acostanzo
- Havlicek (Auswahl): European Council on Foreign Relations, Forum on Information and Democracy, Issue One und darüber indirekt NewsGuard Global Coalition on Internet Safety des World Economic Forum; Adebahr: Carnegie Europe, Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP), EU-Expertenkommission „Team Europe Direct“, Hertie School; Volt
ISD-Forschungsmanager Jakob Guhl, der seit Herbst 2017 beim ISD ist, hat laut seinem Profil von 2021 sowohl das Deutsche Justizministerium zur Bekämpfung von „Online-Hass“ beraten, als auch die Ministerien für Inneres und Famlien dazu, wie sie die Prävention gegen rechten Extremismus und Antisemitismus stärken können. Vom Justizministerium stammt das Netzwerkdurchsetzungsgesetz von 2017, das als Vorbild für den europäischen Digital Services Act diente. Familien- und Innenministerien sind die wichtigsten staatlichen Sponsoren der NGOs des Wahrheitskomplexes. Guhl war beim ISD für die Online Civil Courage Initiative zuständig, die Facebook 2016 auf Drängen des ISD startete, um NGOs des Wahrheitskomplexes zu fördern.
Fusion mit Alliance for Securing Democracy
Im Januar 2026 ging die Alliance for Securing Democracy (AFD) des German Marshall Fund of the US im ISD US auf. Die AFD war 2017 von höchstrangigen ehemaligen US-Geheimdienst- und NATO-Offiziellen gegründet worden — in Reaktion auf die Diskussion um russische Beeinflussung der Präsidentschaftswahl 2016. Finanziell unterstützt wurde es von einigen der üblichen Finanzierern des Wahrheitskomplexes (2020; 2025) sowie indirekt, über den German Marshall Fund, von den Regierungen der USA und einiger EU-Länder. ASD ist u.a. Schöpfer des „Hammilton 68 Dashboard“, mit dem russische Einflussoperationen durch Ausforschung der Aktivitäten von Social-Media-Accounts aufgedeckt werden sollten. Das Dashboard verunglimpfte radikal linke und Trump-freundliche Medienaccounts ohne solide Indizien als russische Einflussagenten. Die Hamilton-68-Liste in der Version 2,0 war auch am 29.3.2026, unter ISD-Ägide, noch aktiv.
Mit der Fusion wurde ASD-Chef David Salvo Managing Director for Transatlantic Policy and Programming des ISD. Vor seiner Zeit beim AS hatte er zehn Jahre im US-Außenministerium gearbeitet.
ISD Germany
Der Direktor für Digitale Methoden, Jan Nicola Beyer, und die Senior Managerin für Digitale Methoden, Beatriz Saab, kommen von Democracy Reporting International (Profil). Die Projekt- und Forschungskoordinatorin, Solveig Barth, arbeitete zuvor für NATO Civil-Military Cooperation Centre of Excellence (CCOE) und das Military Co-Operation Command (MN CIMIC Cmd). Von Democracy Reporting International kommt auch Helena Schwertheim, die allerdings in London arbeitet.
Im Beirat von ISD Germany sitzen u.a. Wolfgang Ischinger (Münchner Sicherheitskonferenz), Georg Mascolo (Netzwerk Recherche, Reporter ohne Grenzen, Atlantik-Brücke, Münchner Sicherheitskonferenz, ehem. Rechercheverbund NDR, WDR, Süddeutsche Zeitung und ehem. Spiegel) und Marina Weisband.
Digital Policy Lab
ISD Germany und ISD UK verwalten und steuern gemeinsam das mit dem Geld der Bundesregierung 2020 gegründete Digital Policy Lab. Dort arbeiten Regierungsvertreter an einer gemeinsamen Regulierungsagenda der Mitgliedsländer (siehe Porträtl). Es ist eine zentrale Organisation zur internationalen Koordination der staatlichen Zensurbemühungen.
Aktivitäten und Projekte
Notorious
Notorious ist ein von der Bundesregierung gefördertes Projekt von ISD Germany, in Kooperation mit der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg und dem Leibniz-Institut für Medienforschung | Hans-Bredow-Institut. Es heißt in Langform „Plattform-übergreifende Identifikation, Überwachung und Modellierung von Verbreitungsmustern von Desinformation“. Im Rahmen dieses ausgesprochen fragwürdigen Projekts werden die Social-Media-Aktivitäten von regierungskritischen Prominenten ausgeforscht und die Verbreitungsmuster von ihren Inhalten analysiert. In der Projektbeschreibung wird der verlorenen Funktion der Mainstream-Medien nachgeweint, zu bestimmen, wessen Meinung die Öffentlichkeit zur Kenntnis bekommt, und wessen nicht:
„Die Verbreitung von Desinformation durch „Promi“-Kommunikation entwertet die Torwächter-Funktion des professionellen Journalismus innerhalb der digitalen, sozialen Medien zunehmend. Die im Rahmen des Projekts erlangten Erkenntnisse zu den dahinterliegenden Mechanismen sollen dabei helfen, die Rolle von Prominenten in Desinformationskampagnen besser zu verstehen. Dieses Verständnis kann dann wiederum genutzt werden, um wirksamere Gegenmaßnahmen im Sinne einer faktenbasierten und demokratiestützenden Informationsverbreitung zu entwickeln und umzusetzen, die für eine demokratische Gesellschaft angesichts der allgemeinen Zunahme von Desinformation immer wichtiger werden.“
Mit anderen Worten: Die regierungsgeförderte Analyse soll genutzt werden, um um gezielt und möglichst unauffällig die Verbreitung der Inhalte von regierungskritischen Prominenten zu unterbinden und die stattdessen den „demokratiestützenden“ Äußerungen weniger kritischer Prominenter zu weiter Verbreitung zu verhelfen.
Medienauftritte
ISD-Mitarbeiter lassen sich gern und oft international von den Medien als Experten präsentieren, wenn eine Propagandakampagne zu fahren oder Proteste gegen die Regierung zu diskreditieren sind. Das gilt auch für die deutschen. Dem ARD-Faktenfinder bestätigte beispielsweise eine ISD-Expertin im Juli 2023, dass (korrekte) Berichte vom Scheitern der damaligen ukrainischen „Sommeroffensive“ russische Propaganda seien, garniert mit der Aufforderung an die Medien, solche Berichte tunlichst nicht mehr zu veröffentlichen, und eine weitere 2024, dass Videos von Joe Bidens geistigen Aussetzern von einem rechten Netzwerk gesteuerte Desinformation seien. Im Februar 2024 erklärte eine ISD-Expertin in der Süddeutschen Zeitung, dass die damaligen Bauernproteste von rechtsradikalem und verschwörungsideologischem Gedankengut geprägt seien.
Als Correctiv (Profil) im Januar 2024 seine mittlerweile gerichtlich untersagte Behauptung der von Rechten geplanten Massendeportationen veröffentlichte, erklärte Julia Ebner, Ko-Chefin von ISD Germany, im Gespräch mit Dunja Hayali im Heute-Journal, warum dieser „Plan“ zutiefst rassistisch, extremistisch und verfassungsfeindlich sei, und dass von der AfD nichts anderes zu erwarten sei. ISD-Politik- und Forschungschef Jakob Guhl, hatte als Hauptexperte längere Auftritte in einem ZDF-Video, mit dem der Sender Manipulationsvorwürfen zur Berichterstattung über die Anti-Rechts-Demos im Gefolge der Correctiv-Berichterstattung begegnete. Dort warnte er eindringlich vor der Gefahr, die von der AfD ausginge. Als das rumänische Verfassungsgericht aufgrund eines Raunens aus dem Verfassungsschutz von russischer Wahlbeeinflussung via TikTok den ersten Wahlgang der Präsidentschaftswahl annunlierte, erklärte der Ko-Chef von ISD Germany, Cornelius Adebahr, im Gespräch mit Dunja Hayali, dass das zum Schutz der Demokratie genau so gehandhabt werden müsse.
Wahlsicherung
ISD Germany ist auch für das Projekt Ahead.tech zuständig, das an einer „verfeinerten Methode zur Erforschung systemischer Risiken für Wahlen und darauf basierenden, zielgerichteten Risikominderungsmaßnahmen“ arbeitet. Dabei geht es darum die im Digital Services Act aufgelisteten Risiken aus Desinformation, mit verschiedenen dort ebenfalls aufgelisteten offenen und verdeckten Methoden der Zensur zu bekämpfen. Aus dem Projekt ging unter anderem eine Studie im Auftrag der Bundesnetzagentur (BNetzA) zu Identifikation, Bewertung und Bekämpfung von systemischen Risiken im Kontext des Digital Services Act hervor.
In Anbetracht der offen erklärten Gegnerschaft des ISD zur AfD und der Historie des ISD mit der Verunglimpfung von Berichten über Joe Bidens Gesundheitszustand im Wahlkampf als Desinformation, muss man sich Sorgen um die Demokratie machen, wenn ausgerechnet dieses Institut mit großer Regierungsunterstützung, Wahlen vor Manipulation durch „Extremisten“ und durch das Ausland schützen soll. Zu den Extremisten, vor denen die Demokratie und die Wahlen geschützt werden soll, zählt das ISD Parteien mit hohen Stimmanteilen, wie die AfD in Deutschland, Fidesz in Ungarn und PiS in Polen. Gesichert hat das ISD nach eigenem Bekunden mit seinen Social-Media-Recherchen und Analysen u.a. Wahlen in Irland, Südafrika, besonders intensiv in Deutschland, den USA und Großbritannien. Die veröffentlichten und unveröffentlichten Informationen des ISD aus dessen Ausforschung der sozialen Medien werden Faktencheckern und anderen NGO des Wahrheitskomplexes zur Verfügung gestellt, die an der Diskreditierung unerwünschter Narrative arbeiten, auch und gerade während Wahlkämpfen.
Business Council for Democracy (BC4D)
Gemeinsam mit der Hertie-Stiftung und der Robert-Bosch-Stiftung betreibt ISD Germany seit 2021 den Busines Council for Democracy. Das ist, trotz des englischen Namens, eine rein deutsche Initiative. Weil die liberale Demokratie unter Druck sei, und die „Corona-Pandemie“ offengelegt habe, wie anfällig viele Menschen für Verschwörungserzählungen seien, bietet BC4D Unternehmen kostenlose Schulungen für Arbeitnehmer am Arbeitsplatz „über die Ausbreitung von Hassrede, gezielter Desinformation und Verschwörungserzählungen“ an. Gruppen von jeweils 20 Beschäftigten werden von professionellen Trainern darin geschult, „Verschwörungserzählungen und Desinformation zu erkennen und zu hinterfragen“ und verdächtige Quellen als solche zu erkennen.
Viele große Unternehmen und Verbände haben das Angebot angenommen, darunter Airbus, Bayer,BDA, Bertelsmann Stiftung, Boehringer Ingelheim, Bosch, Charité, DB, Deutsche Bank, Telekom, Edeka, Evonik, Hochtief, Lufthansa, Merzedes-Benz, Otto, RKI, Roche, SAP, Schäeffler, Verdi, und VW. Insgesamt sind es fast 200 „Netzwerkmitglieder“, mit stark steigender Tendenz. Ihnen gehören viele Millionen Mitarbeiter beziehungsweise Mitglieder an.
Coalition to Counter Online Antisemitism (CCOA)
Das von Google finanzierte Projekt Coalition to Counter Online Antisemitism (CCOA) des ISD unter Regie von ISD Germany startete 2023 und soll in der Pilotphase Online-Antisemitismus in Deutschland, Frankreich, Italien, Polen und Schweden begegnen. Ausgangspunkt ist eine windige ISD-Analyse, im Auftrag und bezahlt von der EU-Kommission, die von 2020 auf 2021 Covid-bedingt eine Versiebenfachung von antisemitischen Inhalten auf Twitter, Fabebook und Telegram und eine Verdreizenfachung in Deutschland feststellte.Um auf diese unglaublichen Steigerungsraten zu kommen, war allerdings ein Trick nötig. ISD behauptet zwar im „Executive Summary“, die Arbeitsdefinition von Antisemitismus der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA) verwendet zu haben. Doch nebenher erfährt man an versteckter Stelle, dass ISD diese Definition in Wahrheit um Covid-bezogene Sachverhalte ergänzt hat. Auf dieser Basis stufen die ISD-Analysten u.a. das Reden oder Schreiben von einer „Neuen Weltordnung“ oder einem „Great Reset“ und Kritik an Eliten, die die Finanzinstitutionen kontrollierten, als antisemitisch ein, auch wenn diese gänzlich ohne Bezug zu Juden und dem Judentum auskommen. Denn das könne ein Narrativ etablieren, das einen Nährboden für Antisemitismus bilden. Auch wer die Ausgrenzung und Verächtlichmachung von Ungeimpften im Sinne von „Wehret den Anfängen“ mit der Behandlung von Juden in Nazi-Deutschland in der Frühphase der Verfolgung verglich, machte sich danach des Antisemitismus schuldig.
Die Empfehlungen an den Auftraggeber EU-Kommission und die nationalen Regierungen, die ISD in dem Bericht ableitete, fanden Eingang in den Digital Services Act. ISD empfahl, die EU solle zur Bekämpfung von legalen, aber schädlichen Inhalten, von den rein Inhalte-basierten Ansätzen auf breitere, systemische Regulierung übergehen. Das ist genau der Ansatz, den man mit dem DSA gewählt hat. Dort wird nicht definiert, was erlaubt ist und was nicht, sondern es wird den Medienplattformen aufgetragen, in gelenkter Eigenregie die Risiken aus den dortigen Inhalten für Wahlen und die gesellschaftliche Debatte zu reduzieren. Das betrifft auch Risiken aus legalen Inhalten.
Das ursprünglich bis 2025 finanzierte Project CCOA wurde bis 2027 verlängert. ISD Germany erstellt eine Datenbank mit allen für eine Beteiligung infrage kommenden Organisationen und Gemeinschaften, von Unternehmen über Sport und Kultur bis Politik und Strafverfolgungsbehörden. In dieses Netzwerk sollen zum einen die Ergebnisse der computergestützten Internetausforschung eingespeist werden. Zum anderen sollen aus diesem Multiplikatoren requiriert werden, die trainiert und mit detaillierten Anleitungen ausgestattet werden sollen.
Kooperationen mit Plattformen
2016 gründeten ISD und Facebook die Initiative für Online-Zivilcourage (OCCI), um „mit Fachwissen aus den Bereichen Technologie, Kommunikation, Marketing und Wissenschaft die zivilgesellschaftliche Reaktion auf Hass und Extremismus im Internet zu schulen und zu verbessern.“ Mit Insight Reports von ISD werden die teilnehmenden Plattformen und „Nichtregierungsorganisationen“ mit Informationen „über extremistische Propaganda, Narrative und Netzwerke“ versorgt, damit sie effektive Kampagnen dagegen fahren können. Dafür werden sie mit Zuschüssen und mitgelieferten Handlungsanweisungen unterstützt. Die mitwirkenden Werbeagenturen und -verbände organisieren Webeboykotte gegen Anbieter unerwünschter Inhalte.
Der Google.org and ISD Innovation Fund verteilte 2017/18 eine Million Pfund an Zuschüssen an Organisationen, die sich gegen Desinformation und Hass im Internet wenden. Dem folgte 2019/20 ein mit zehn Millionen Euro ausgestattetes Programm namens Google.org Impact Challenge on Safety, mit dem in Europa entsprechende Organisationen gesponsert wurden. ISD wiederum wird aus dem von Google mit 25 Mio. Euro ausgestatteten European Media and Information Fund (EMIF) gesponsert, z.B. für ein Projekt mit CASM Technology zur Ausforschung der digitalen Medien im Zusammenhang mit dem Gaza-Krieg.
Als Vertrauenswürdiger Hinweisgeber im Youtube Priority Flagger Programm, kann ISD der Organisation Influence Watch zufolge Äußerungen zur Sperrung und Löschung vorschlagen und wird dabei ebenso prioritär behandelt wie Regierungen. Online Civil Courage Initiative mit Facebook
Das Programm Be Online Citizens mit YouTube stellt Ausbildungsmaterial zum Umgang mit sozialen Medien für Jugendliche bereit, insbesondere zum Umgang mit (angeblicher) Desinformation und Hassrede. Lehrer werden zur Nutzung des Materials ausgebildet. Das Programm wurde akkreditiert und wird inzwischen an Schulen in ganz Großbritannien eingesetzt.Climate
Seit 2022 ist ISD Mitglied im Spotify Safety Advisory Council.
Internet Ausforschungsprogramm „Beam“
In einer Präsentation aus dem Jahr 2023 erklären ISD und dessen enger Kooperationspartner CASM Technology das gemeinsam entwickelte Instrument zur Ausforschung und Analyse von Internetmedien namens „Beam“. Es analysiert in einer Vielzahl von Sprachen und auf vielen Plattformen „Desinformation“ und „Informationsbedrohungen“. Dafür gewannen ISD und CASM einen von US-Außenministerium und NATO ausgelobten Preis. Laut Eigendarstellung nutzen Journalisten, Rechtsanwälte, Aktivisten-Organisationen, Faktenchecker, Regulierer und Geheimdienste das Computerprogramm.
Im Ukrainekrieg wird Beam „konsequent für die Erkennung und Analyse von kremlfreundlichen Desinformationskampagnen eingesetzt.“ Vor den französischen Präsidentschaftswahlen 2022 nutzten ISD und CASM Technology Beam „um Desinformation und Fehlinformationen zu untersuchen“, wobei Kontroversen um Covid-19 und um den Impfpass im Fokus standen. Aber auch für den Umgang mit regierungskritischen Protesten wird Beam angepriesen: „In Krisenzeiten kann Beam zu einer Quelle von Informationen über die Online-Mobilisierung für reale Aktionen, einschließlich Massendemonstrationen (…) werden“, heißt es in der Broschüre.
Die enge Beziehung des ISD zu Regierungen wird besonders deutlich, wo es heißt, während des Klimagipfels 2021 habe das Team von ISD und CASM direkt mit dem britischen Digital- und Medienministerium zusammengearbeitet, „um seine Überwachung mit den Bemühungen des gesamten britischen Ministeriums zu integrieren“
Zum Krieg Israels gegen die Hamas in Gaza und andernorts stellte ISD ein Beobachtungsteam auf, mit dem Auftrag, „die Zunahme von Hass, Exrremismus und Desinformation“ zu verfolgen und ihr zu begegnen. Es informierte Regierungen, Strafverfolgungsbehörden und Regulierer der sozialen Medien.
Auch Wikipedia kann mit Beam systematisch gesäubert und sauber gehalten werden. ISD und CASM Technology untersuchten mit Beam die englischsprachige Wikipedia-Seite zum russisch-ukrainischen Krieg und fanden Änderungen von 86 Redakteuren, die später von der Wikipedia verbannt worden waren. Sie verfolgten alle 794.771 Änderungen, die diese 86 Redakteure in der gesamten Wikipedia vorgenommen hatten. Dann nutzten sie die Netzwerkanalyse, um ihnen verdächtige Änderungen auf verwandten Seiten und von mit den Redakteuren in Verbindung stehenden Personen zu identifizieren.
Mehr zu Beam finden Sie im Portrait von CASM Technology
Compliance Monitoring zum Digital Services Act
Seit April 2024 analysiert ISD als Teil eines größeren Konsortiums für das EU-Kommissariat Connect die Einhaltung des Digital Services Act durch die Plattformen Facebook, Instagram, YouTube, X and TikTok in acht Sprachen. Dazu erstellt die Organisation monatliche Berichte und Sonderberichte zu speziellen Themen.
Forum on Information and Democracy
ISD-Gründerin und Vorstandsvorsitzende Sasha Havlicek hat neben dem ISD auch das Forum on Information and Democracy gegründet. Das scheint lediglich ein Name für Ihre Lobby-Initiative zu sein, die zu zwei Ergebnissen geführt hat. Da ist einerseits die „Partnerschaft für Information und Demokratie“ von 51 Ländern, darunter Deutschland. Sie besteht aus den Unterzeichnern einer Liste von Prinzipien, die die Teilnehmer bei der UN-Vollversammlung im September 2019 unterschrieben. Zu diesen gehört „insbesondere das Recht auf freie Meinungsäußerung, einschließlich der Freiheit, Informationen und Ideen aller Art über Medien eigener Wahl ohne Rücksicht auf Grenzen zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten.“ Das klingt gut, hat jedoch ein großes Aber, das in der zweiten Frucht des Forum on Information and Democracy wurzelt.
Die gut klingenden Prinzipien beziehen sich nämlich auf eine „Internationale Erklärung über Information und Demokratie“ Diese Erklärung war ein Jahr zuvor von einer Kommission verabschiedet worden, die vom Forum für Information und Demokratie eingesetzt worden war. Havlicek hatte sie aus Vertretern von ISD, Reporter ohne Grenzen und neun weiterer Organisationen zusammengestellt. In dieser Erklärung wird Meinungsfreiheit in ihr Gegenteil verkehrt, indem Begriffe wie „zuverlässige“ Informationen, mit zensorischem Gehalt aufgeladen werden. Aus dem Recht, sich aus beliebigen Quellen frei zu informieren, wurde das Recht, sich auf die Informationen, die man findet, oder die einem zugetragen werden, blind verlassen zu können. Folgerichtig werden die Plattformen des Internets aufgefordert, dafür zu sorgen, dass nur „verlässliche“ Informationen Reichweite bekommen.
Climate Action Against Disinformation (CAAD)
Zum Teil versteckt hinter der von ISD-CEO Sasha Havlicek 2022 gegründeten Tarnorganisation Climate Action Against Disinformation (CAAD) veröffentlichte ISD verschiedenen Berichte und offene Brief mit Forderungen zur Bekämpfung von sogenannter Desinformation in Sachen Klima. In einem ersten offenen Brief vor dem Klimagipfel 2021 forderte das ISD die Regierungen und Plattformen zu mehr Eifer bei der Zensur von Klima-Desinformation und zur Entwicklung einer „universellen Definition von Klima-Desinformation“ auf. Diese lieferte es gleich selbst. Es ist demnach ausdrücklich alles Desinformation, was von den Schlussfolgerungen des Weltklimarats IPCC abweicht und nicht auf Linie mit den Zielen des Pariser Klimaabkommens liegt, ebenso alles was den „unzweifelhaften menschlichen Einfluss auf den Klimawandel“ relativiert und die Notwendigkeit (und Wirksamkeit) schnellen Handelns in Zweifel zieht. Diese Definition wird erkennbar von Netzwerken wie Netzwerk Klimajournalimsus und Covering Climate Now (Profil) und den Faktencheckern des Wahrheitskomplexes verwendet.
Den CAAD-Bericht „Deny, Deceive, Delay Vol. 3: Climate Information Integrity ahead of COP28“, veröffentlicht im November 2023, zitierte die Nato als Quelle für die Behauptung, Putin stecke hinter der Klima-Desinformation in westlichen Ländern. Laut Jahresbericht 2023 von ISD UK hatte ISD dabei die (im Bericht selbst nicht deklarierte) Federführung.
Die Leitung der CAAD-Allianz liegt bei Jenny King von ISD UK. CAAD präsentiert sich als „Allianz von über 50 Organisationen“ gegen Klima-Desinformation. Nur 20 Organisationen, die seit 2022 dabei sind, werden namentlich genannt. King leitet auch das ISD-„Projekt zur Früherkennung von klimabezogener Desinformation“ in Deutschland und Großbritannien. Dafür arbeitet ISD „eng mit einer Koalition aus Zivilgesellschaft, Klimasektor, Politik, Technologiewirtschaft und Medien zusammen“. Zu den Ergebnissen gehört eine Analyse zur Klimadebatte im Kontext der Bundestagswahl 2021 und eine Studie zur Entwicklung des Begriffs „Klimalockdown“ zur Mobilisierung gegen Klimaschutzmaßnahmen.
Stand 2.4.2025
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