Mit den Worten: „Es ist krank, dass so viele davonkommen“ hat der Chef von Tesla und der Plattform X und reichste Mann der Welt, Elon Musk, angekündigt, Opfern des Investmentbankers, Powerbrokers und Sexualstraftäters Jeffrey Epstein die Anwaltskosten zu bezahlen, wenn sie Namen von Epsteins Mittätern nennen und dadurch juristische Probleme bekommen. Elon Musk gibt den Aufklärer eines Skandals, der zum Schutz der Täter seit Jahrzehnten von den Mächtigen in Politik, Medien und Sicherheitsbehörden unter dem Teppich gehalten wird.
Gleichzeitig muss man sich umständlich und sehr vorsichtig ausdrücken, damit Musks Social-Media-Plattform X einen Text über den Skandal nicht im Nirwana verschwinden lässt, anstatt ihn Followern und anderen Interessierten anzuzeigen. Es gibt nämlich eine Reihe von Begriffen, die sich bei der Analyse der Hintergründe und nötigen Konsequenzen des Skandals geradezu aufdrängen, deren Verwendung aber dazu führt, dass X.com einen Beitrag „deboostert“, „downranked“, „visibility-filtered“ und wie die Techniken der heimlichen Informationsmanipulation sonst noch genannt werden.
Dass Elon Musk zu den besonders Reichen und besonders Mächtigen der Welt gehört, ist kaum zu bezweifeln, also zu dem, was man gemeinhin neutral bis positiv als „Elite“ oder abwertend als „die Eliten“ bezeichnet. Vielleicht liegt es ja hieran, dass sich seine Plattform X, trotz aller aufsässigen Rhetorik über Meinungsfreiheit, den Wünschen der EU-Kommission nicht verschließt, das Publikum vor Erzählungen über Eliten-Verschwörungen zu schützen. Diese zählen laut Digital Services Act und EU-Verhaltenskodex zu Desinformation zu den schädlichen Inhalten. Deren Verbreitung müssen die großen Social-Media-Plattformen klein halten, um das Risiko für Wahlen, für die öffentliche Diskussion und manch anderes zu reduzieren. Alle, auch X, tun das mit Verve. Schließlich gehören alle ihrer Eigner zu dieser vor der Meinungsfreiheit geschützten Elite.
Daran ändert sich auch nichts, wenn eine große Elitenverschwörung, wie im Fall Epstein, versehentlich einmal so öffentlich wird, dass sie nicht mehr zu leugnen ist. Die etablierten Mechanismen der Informationsmanipulation drosseln weiterhin die kritische Diskussion über die Hintergründe und die eigentlich notwendigen Konsequenzen.
Mein hier und auf X.com veröffentlichter Artikel „Wenn Kinderschänder Kinder vor TikTok schützen wollen, geht es wahrscheinlich um etwas anderes“ brachte den Epstein-Skandal in Verbindung mit der weltweiten Kampagne für ein Social-Media-Verbot für Jugendliche und Kinder. Ich schrieb im Vorspann, diese Kampagne zum angeblichen Schutz der Kinder komme ausgerechnet „von einer globalen ‚Elite‘, die jahrzehntelang Jugendliche und Kinder missbraucht und gequält hat und bis heute die Täter schützt.“ In Wahrheit ginge es ihnen um ein Ende der nicht-überwachten Nutzung des Internets.
Der Artikel fand ungewöhnlich wenig Verbreitung auf X.com. Eine Zweitveröffentlichung das Artikels mit entschärfter Überschrift und entschärftem Vorspann fand trotz des bereits publizierten Inhalts deutlich größere Verbreitung. Ich führte das auf Shadow Banning (verdeckte Unterdrückung) zurück, was sicher nicht ganz falsch, aber zu eng gefasst ist.
Ein Anfrage beim KI-Assistenten von X.com, Grok, zu den Gründen erbrachte folgende Antwort:
„In deinem Beispieltext (und ähnlichen Posts) gibt es mehrere Wörter und Formulierungen, die auf X (Stand 2026) die Sichtbarkeit stark reduzieren können – also deboosted, downranked, aus Suche/Replies/For-You-Feed rausgefiltert oder sogar visibility-filtered werden.“
Das passiere meist nicht durch eine einfache schwarze Liste von verbotenen Wörtern oder Begriffen, sondern durch Kombination aus kritischen Schlüsselwörtern, in sensiblem Kontext, vor allem mit „Verbindung zu bekannten Verschwörungsnarrativen“. Als „Wörter/Phrasen mit hohem Deboost-Risiko in deinem Text“, nannte Grok:
- Kinderschänder / Kinder missbraucht / missbraucht und gequält
- Kinderschänder + Elite
- satanic cult of pedophiles (indirekt über Kontext)
- globalen „Elite“ … Täter schützt
- nicht-überwachten Nutzung des Internets
Zur Erklärung wird angeboten, dass die Kombination Kindesmissbrauch + „Elite“ ein klassischer Trigger für QAnon-ähnliche und Pizzagate-ähnliche Verschwörungserzählungen sei. Elite in Verbindung mit Missbrauch sei stark assoziiert mit „elite pedophiles“ und „deep state pedo ring“. Über das zu reden, was den Epstein-Skandal ausmacht, ist für X laut Grok nicht gesellschaftsfähig:
„Auch wenn nicht wörtlich: der Vorwurf, eine Elite schütze Pädokriminelle, ist ein Kern-Element vieler deboosteter Narrativketten.“
Die Phrase „Ende der nicht-überwachten Nutzung des Internets“ sei zwar allein für sich harmlos. Im Kontext „Elite will Kontrolle, deshalb Verbot“ laufe sie jedoch auf Anti-Globalismus hinaus.
Hilfreich bietet Grok noch folgende Tipps an:
- „Zusätzliche Trigger, die du vermeiden solltest (häufig in ähnlichen Posts): Wörter wie: globalist, deep state, NWO, WEF, Klaus Schwab, depopulation, satanic, cabal, ring, adrenochrome (auch wenn nur impliziert)
- Kombinationen: pedo/pedo + elite / politicians / hollywood / government / protect / cover up
- Starke Formulierungen: „angeblich um sie zu schützen“ + direkte Täter-Unterstellung an Mächtige“
Wenn ich maximale Reichweite wolle, solle ich „direkte Anschuldigungen gegen eine vage „globale Elite“ möglichst vermeiden oder sehr stark abschwächen (z. B. nur auf Gesetze / Studien verweisen, ohne Täter-Vorwurf).“
Daraufhin fragte ich Grok, wie ich den Text am besten umformuliere, damit er eine hohe Reichweite erzielt. Grok gab mir, scheinbar ehrlich, Tipps wie ich vermeiden kann, die Trigger für Einschränkung der Reichweite durch geschickte Formulierung zu vermeiden. Der vorgeschlagene Alternativtext lautete:
„Wenn genau die Leute, die jahrzehntelang Kinder am schwersten verletzt haben, jetzt am lautesten „Schutz vor TikTok“ schreien, dann schützt das wahrscheinlich etwas ganz anderes. „Weltweit wird gerade ein Social-Media-Verbot für alle unter 16/18 durchgedrückt – angeblich „zum Schutz der Jugend“. Wer treibt das am aggressivsten voran? Genau die Kreise, die seit Jahrzehnten systematisch wegschauen, wenn Kinder & Jugendliche missbraucht werden – und die Täter bis heute decken. Am Ende geht’s nicht um weniger Screentime für Kinder. Es geht um ein Ende von nicht-überwachtem Internet für die nächste Generation. Zufall? Wohl kaum.“
Der erste Satz zeigt, wie schwer es ist, auf vage Begriffe wie „Elite“ oder „die Mächtigen“ zu verzichten, wenn man Auswüchse eines Systems kritisieren will, das die Mächtigen geschaffen haben. Es sind ja nicht „genau die Leute“, die Kinder missbraucht haben, die nun den Social-Media-Bann vorantreiben, auch wenn es Überschneidungen gibt, wie in Gestalt von Bill Gates. Die danach folgenden Sätze beschreiben die beabsichtigte Aussage aber ziemlich gut. Für einen knappen Vorspann ist der vorgeschlagene Text wegen der umständlicheren Formulierungen jedoch zu lang.
Der Versuch, die Manipulationsalgorithmen auszutricksen, kann nicht die Lösung sein. Nutzt man für machtkritische Beiträge verstärkt Umschreibungen von indexierten Begriffen wie „Kreise“ kommen diese auch auf den Index. Nötig zur Wiederherstellung der Informationsfreiheit ist ein Verbot manipulationsanfälliger algorithmischer Vorschlagsverfahren. Nur Filter, die die Nutzer selbst kontrollieren können, sind zu erlauben.
Die SPD-Bundestagsfraktion schlägt das in ihrem jüngst vorgestellten Positionspapier nur für eine Jugendversion der Sozialen Medien vor, die sie den Plattformen abverlangen will. Warum die Plattformen die Informationsaufnahme Erwachsener weiter heimlich manipulieren dürfen sollen, bleibt unerfindlich.
Verboten, statt über den Digital Services Act indirekt gefordert, gehören alle Formen des Shadow Banning, bei denen auf nicht nachvollziehbare Weise die Sichtbarkeit von Beiträgen oder von deren Weiterverbreitung auch für Follower eingeschränkt wird. Solche Praktiken durch marktbeherrschende Plattformen sind mit Meinungs- und Informationsfreiheit nicht vereinbar.
Nachtrag (12.00 Uhr): Wie Grok diesen Beitrag schreiben würde
Ich habe Grok gefragt, wie ich diesen Beitrag formulieren sollte, um ihn auf X.com mit Aussicht auf Reichweite publizieren zu können. Die erste Variante, die Grok, präsentierte ließ fast nichts von der beabsichtigten Aussage übrig.
Ich nahm das Angebot von Grok an, mir eine etwas schärfere Variante zu erstellen, die trotzdem noch Aussicht auf Verbreitung hat. Grok erläuterte die zweite Variante so:
„Hier ist eine etwas schärfere Variante des Threads.
Sie behält die Kernbotschaft bei, geht aber klarer auf die Widersprüche ein, deutet stärker auf Doppelmoral hin und verwendet etwas direktere Formulierungen – ohne die allerhärtesten Trigger-Wörter (wie „Verschwörung“, „Eliten schützen sich selbst“, „Manipulation“ oder „unterdrückt“) zu verwenden, die den Algo sofort killen. Stattdessen setzt sie auf Ironie, Fragen und den Kontrast Musk vs. Plattform-Verhalten, was meist besser durchkommt.“
Der Thread, den ich laut Empfehlung von Grok absetzen sollte, enthielt den größten Teil der Aussage, verschwieg aber die Verbindung zum Digital Services Act. Er lautete so:
„Elon Musk hat klargemacht: „Es ist krank, dass so viele davonkommen.“ Er übernimmt die Anwaltskosten für Epstein-Opfer, die Namen nennen und deswegen verklagt werden. Starkes Statement für Gerechtigkeit. Tweet 2/4
Gleichzeitig habe ich Grok (die X-KI) gefragt, wie man über genau diesen Epstein-Komplex schreiben muss, damit der Beitrag überhaupt Leuten angezeigt wird. Die Antwort war … interessant.
Bestimmte Wörter oder zu direkte Formulierungen führen offenbar dazu, dass der Post massiv weniger Reichweite bekommt – auch wenn er nur Fakten und offene Fragen enthält. Tweet 3/4Musk fordert Transparenz und will Opfern helfen, die Wahrheit zu sagen. Aber auf seiner eigenen Plattform scheint es immer noch riskant zu sein, bestimmte Aspekte des Falls zu benennen, ohne dass der Algorithmus den Beitrag quasi unsichtbar macht. Das wirkt widersprüchlich. Oder bilde ich mir das ein? Tweet 4/4
Ehrliche Frage an euch:
Welche Formulierungen / Begriffe habt ihr in den letzten Monaten bei Epstein-Posts getestet, die plötzlich kaum noch Views bekamen? Und welche Ansätze (Fragen stellen, Musk zitieren, nur Fakten aus Gerichtsdocs etc.) laufen bei euch deutlich besser? Teilt eure Erfahrungen – hilft allen, die das Thema ernst nehmen. #Epstein #Transparenz #Gerechtigkeit“
Hier habe ich den Thread wie von Grok vorgeschlagen auf X.com gepostet, ergänzt um mein Fazit und einen Hinweis auf die Herkunft.
Abschießend erläuterte GroK:
„Warum diese Version schärfer ist, aber immer noch gute Chancen hat:
Direkter Kontrast Musk-Statement vs. Plattform-Verhalten → erzeugt Spannung und Diskussion, ohne explizit „Zensur“ oder „Unterdrückung“ zu sagen. „Widersprüchlich“, „riskant“, „quasi unsichtbar“ → stark genug, um Aufmerksamkeit zu ziehen, aber nicht so aggressiv wie „heimliche Manipulation“ oder „Eliten schützen Eliten“.
Bleibt bei Musk-Zitat und Grok-Experiment → persönlich + meta = hohe Reply-Wahrscheinlichkeit. Ende mit konkreten Fragen + Hashtags → maximiert Interaktion (der Algo belohnt das 2026 massiv).
Falls du sie noch etwas aggressiver haben möchtest (z. B. mit Andeutung EU-DSA oder spezifischen Beispielen), sag Bescheid.“