
Gestützt auf die Ergebnisse einer Vielzahl parlamentarischer Anfragen an den Berliner Senat dokumentieren der BSW-Abgeordnete Alexander King und das ehemalige Mitglied des Abgeordnetenhauses Wolfgang Albers, was in der Berliner Pandemiepolitik unter wessen Verantwortung schief gelaufen ist.
Zu den wichtigsten Grundlagen dieser Aufarbeitung gehört das Nachzeichnen der pandemischen Lage in Berlin zu den jeweiligen Entscheidungszeitpunkten und die Beurteilung der Qualität der verfügbaren Daten. Es wird deutlich, dass zu den Zeitpunkten zu denen sehr teure und sehr einschneidende Maßnahmen getroffen wurden, die Anzahl der Fälle gering war und von diesen nur ein, zahlenmäßig nicht erfasster, Anteil ernste Krankheitssymptome hatte.
Einen Schwerpunkt des Buches machen die völlig unzureichenden Entscheidungsgrundlagen für die Errichtung eines Corona-Behandlungszentrums in der Berliner Messe aus, das Dutzende Millionen Euro kostete und nie einen Patienten behandelte. Obwohl es angeblich darum ging, für Überlastung der Krankenhäuser vorzusorgen, wurde vorher nicht mit diesen gesprochen. Ein schlüssiges Personalkonzept gab es nicht. Im Ernstfall hätte das Personal für das Zentrum von den Krankenhäusern abgezogen werden müssen.
Leser erfahren auch, wie viele Ordnungswidrigkeitsverfahren in Berlin auf welcher rechtlichen Grundlage wegen Verstößen gegen inzwischen zum Teil als sinnlos anerkannte Ordnungsmaßnahmen eingeleitet wurden und zum Teil noch anhängig sind. Der Senat zeigt keinerlei Bereitschaft zu einer Amnestie.
In 15 Thesen fassen die Autoren die im zweiten Teil des Buches dokumentierten Antworten auf ihre Anfragen an den Senat zusammen. Einige Beispiele seien genannt:
- Die Auslastung der Berliner Krankenhäuser war in der Corona-Zeit besonders niedrig.
- Der Senat weiß mangels Erfassung nicht, wie viele Menschen wegen Corona in Krankenhäusern behandelt wurden.
- Der Berliner Senat hat die soziale Ausgrenzung und Diffamierung Ungeimpfter gebilligt und sich daran beteiligt.
Fazit
Das Buch ist eine lehrreiche Lektüre für Berliner und für alle, die sich mit der Aufarbeitung der Corona-Zeit befassen, vor allem auf kommunaler und Landesebene. Auch wenn die Verantwortlichen den Mantel des Schweigens darüber gebreitet haben und die etablierten Parteien vereinbart haben, Corona aus allen Wahlkämpfen herauszuhalten, darf auf die Aufarbeitung dieser dunklen Zeit nicht verzichtet werden. Es kann schließlich jederzeit wieder eine Pandemie ausgerufen werden.
Alexander King und Wolfgang Albers: „Corona in Berlin. Ein Schwarzbuch.“ Verlag Thomas Kubo. Februar 2026. 194 S., 10,00€