Social Observatory for Disinformation and Digital Media Analysis (SOMA)

Das Social Observatory for Disinformation and Digital Media Analysis (SOMA) ist ein von der EU nach vorangegangener Empfehlung durch den Atlantic Council gegründetes Netzwerk europäischer NGOs, Behörden, Nachrichtenorganisationen und politischen Entscheidungsträgern auf dem Gebiet der Desinformationsbekämfung. Die Mitglieder wurden mit „einer mächtigen technologischen Infrastruktur und vorgefertigten Narrativen versorgt und finanziell gefördert. Google erklärte sich 2020 auf Druck der EU-Kommission bereit, die Texte der angeschlossenen damals 60 Wahrheitskontroll-Organisationen  bevorzugt als Suchergebnisse anzuzeigen. Zufällig oder nicht ist Soma auch der Name der Volksberuhigungsdroge im dystopischen Roman „Schöne neue Welt“ von Aldous Huxley.

Inzwischen hat die Nachfolgeorganisation EDMO die Bereitstellung der IT-Infrastruktur, die Vernetzung und die Förderung der Wahrheitskontrolleure übernommen.

Steckbrief

  • Gegründet: Nov. 2018
  • Sitz: Athen
  • Gründer: Athens Technology Center (ATC, GR, Koordinator); Pagella Politica (Italien), LUISS Data Lab (Italien), T6Ecosystems (Italen), Universität Aarhus (Dänemark).
  • Gründungsfinanzierung: EU-Kommission
  • Staatliche Förderung: EU-Kommission

Das SOMA-Projekt wurde als Koordinierungs- und Unterstützungsaktion von der Europäischen Kommission ins Leben gerufen und mit knapp einer Million Euro finanziert. Die Entwicklung der informationstechnischen Analyse- und Überwachungsinstrumente, die den vernetzten Mitgliedern bereitgestellt werden, wurde mit einer Reihe von separaten Fördervereinbarungen mit einem Vielfachen dieser Summe gefördert. Das Wohlverhalten der Mitglieder im Sinne der Regierenden wurde in einer zweimonatigen Probemitgliedschaft geprüft.

Die wichtigsten Beteiligten waren die Big-Data-Analysespezialisten von ATC, der Aarhus Universität und der privaten italienischen Universität LUISS. Diese entwickelten mit Geld der EU-Kommission und von Google informationstechnische Instrumente zur Ausforschung und Analyse der digitalen Medienplattformen und zur Überprüfung der Echtheit von dort verbreiteten Inhalten. Außerdem war die italienische Faktenchecker-NGO Pagella Politica im Kernteam. ATC, die Universität Aarhus und Pagella Politica sind auch maßgebliche Beteiligte am Nachfolgeprojekt EDMO.

Mitglieder von SOMA waren private und staatliche Stellen. Hier arbeiteten also Regierungen und Faktenchecker direkt zusammen. Zu den vielen auf der Netzseite des Projekts aufgeführten Mitgliedern gehören Mimikama, Newsguard (Deutschland), Nato-Foundation Defense College und das Institut für Informationssicherheit der Ukraine. Es gibt aber auch viele, wohl vor allem staatliche Mitglieder, die einer Veröffentlichung ihrer Mitgliedschaft nicht zugestimmt haben. Das Nachfolgeprojekt EDMO hat keine staatlichen Stellen als Mitglieder.

Entwickelte Programme

Truly Media

Zusammen mit Deutsche Welle und finanziell gefördert von EU-Kommission und Google hat ATC Truly Media entwickelt, „eine webbasierte Kooperationsplattform, die vor allem Journalisten und Menschenrechtsaktivisten bei der Überprüfung digitaler Inhalte, z. B. in sozialen Netzwerken, unterstützt.“

Die Plattform wird genutzt vom European Science-Media Hub, von den EDMO-Mitgliedern, der Deutschen Welle, dem ZDF und Reuters. Auch einem „großen Netzwerk von Wahrheitsprüfern in Myanmar und Georgien“ wurde die Plattform zur Verfügung gestellt.

TruthNest

Selbstbeschreibung:

„TruthNest bietet dynamische Analysen nahezu in Echtzeit, mit denen Sie Twitter-Konten überwachen können, während diese Beiträge teilen und miteinander interagieren. Fügen Sie die gewünschten Nutzer in Beobachtungslisten ein und exportieren Sie Berichte über Ihre Analysen im PDF-Format. (…) Ein Beispiel dafür ist die Analyse von DFRLab über verdächtige Konten, die möglicherweise von Russland unterstützte Desinformationen über den Krieg in der Ukraine verbreiten, in spanischer Sprache.“

Wer als regierungskritischer Geist oder alternatives Medium die Plattform X (vormals Twitter) nutzt, muss also davon ausgehen, dass staatliche und staatlich finanzierte Wahrheitswächter fast in Echtzeit seine Aktivitäten überwachen und analysieren. So heißt es auf der Netzseite von CEDMO, einem mittelosteuropäischen Stützpunkt von EDMO, der Truly Media und TruthNest nutzt in diesem Zusammenhang, man arbeite „mit nationalen Behörden bei der Überwachung digitaler Medienökosysteme“ zusammen.

Seit Twitter, bzw. nun X, den Zugang zu den Daten kostenpflichtig gemacht hat, können die vielen Dutzend vernetzten Wahrheitsprüfer TruthNest allerdings nicht mehr beliebig nutzen, sondern müssen jeweils eine Nutzung beantragen.

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