Der legale aber wohl schädliche Artikel „Kaja Kallas macht die EU zum Gespött der Welt und beleidigt China“, den ich am 5. September 2025 auf X postete, hatte laut der dort angezeigten Statistik 311.000 Anzeigen, 855 Weiterleitungen und 263 Kommentare. Danach erlebte mein X-Account einen Einbruch in der Verbreitung. Waren die 20 vorangegangenen Artikel im Durchschnitt 42.000 mal angezeigt und 170 mal weitergeleitet worden, waren es bei den 20 danach nur noch knapp 12.000 Anzeigen und 66 Weiterleitungen im Durchschnitt. Das ist ein Rückgang auf gut ein Viertel (28%) beziehungsweise gut ein Drittel (38%).
Der Rückgang geht nicht auf einzelne Ausreißer zurück. Von den 20 vorangegangenen Artikeln wurden nur vier weniger als 8000 mal angezeigt, von den 20 danach waren es 14. Auch der Zuwachs an Followern kam danach fast zum Erliegen. Das ist im Prinzip schon deutlich genug, um davon auszugehen, dass ein Hinweisgeber X aufgefordert hat, etwas gegen die weite Verbreitung meiner Beiträge zu tun.
Das Perfide an den vom DSA verlangten Maßnahmen zur Reichweitenbegrenzung von „Desinformation“ ist, dass es heimlich geschieht und kaum nachweisbar ist, wenn man nicht zu den systemtreuen „Forschern“ gehört, die Zugang zu den Daten bekommen. Seine X-Follower kann man kaum fragen, weil nur diejenigen, die Beiträge angezeigt bekommen, antworten könnten.
Da ich das Glück habe, auch abseits der Plattform X, über meinen Blog viele Leser zu haben, wollte ich es etwas genauer wissen. Ich bat meine Blog-Leser, die gleichzeitig meine Follower auf X sind, mich darüber zu informieren, ob und wie sie einen konkreten auf X geposteten Artikel von mir sehen können. Herzlichen Dank an alle, die mitgemacht haben.
Die 26 Leser, die mir auswertbare Angaben schickten, konnten alle den Artikel in meiner Timeline, also nach Aufruf meines Autorenprofils, sehen. In ihrem eigenen „Folge-ich“-Feed, in dem sie alle Artikel derer sehen sollten, denen sie folgen, sahen nur 10 den Artikel, 12 sahen ihn nicht. Die anderen vier äußerten sich hierzu nicht explizit. In der (hier weniger interessierenden) „Für dich“-Einstellung, in der der X-Algorithmus die Beiträge aussucht, fanden vier Leser den Artikel, 13 fanden ihn dort nicht.
Ich gehe stark davon aus, dass bei der Sichtbarkeit von Weiterleitungen von gedrosselten Beiträgen oder der Beiträge von gedrosselten Autoren, ebenfalls heftig getrickst wird. Aber das ist noch schwerer festzustellen.
An dieser Stelle sei festgestellt, dass kaum ein legitimer Grund dafür zu finden ist, Plattformen (halb-)staatlicherseits zu zwingen, Beiträge heimlich in ihrer Verbreitung zu begrenzen. Entweder sie sind rechtswidrig, dann dürfen sie gar nicht verbreitet werden, oder sie sind legal, dann ist absichtliche Reichweitenbegrenzung eine üble zensorische Maßnahme.
Empfehlung
Ich poste meine Blogartikel regelmäßig auch auf X. Aber wenn Sie alle sehen wollen, verlassen Sie sich keinesfalls darauf, alle bei X angezeigt zu bekommen. Nutzen Sie den kostenlosen E-Mail-Newsletter (siehe rechts bzw. unten), den RSS-Feed oder schauen Sie regelmäßig vorbei.
Wenn Sie außerdem sehen wollen, was ich auf X sonst noch so poste und reposte, rufen Sie am besten meine Timeline auf unter https://x.com/norberthaering. Dort sehen Sie in zeitlicher Reihenfolge alles, was ich poste. Die Reposts lösche ich allerdings nach einigen Tagen.