Wie berichtet, erfassen die Läden von MediaMarktSaturn schon seit einigen Jahren routinemäßig Namen und Adressen von Gerätekäufern. Die Begründungen waren variabel und wenig überzeugend. Die Bedingungen der Datenschutzgrundverordnung für die verpflichtende Erfassung solcher Daten waren mutmaßlich nicht erfüllt. Der Bericht wurde von der Öffentlichkeit berechtigterweise mit großem Interesse und einiger Empörung aufgenommen. Denn wenigstens in der analogen Welt, abseits des Internets, wollen die Menschen die Möglichkeit behalten, einzukaufen, ohne dass erfasst und gespeichert wird, wann, wo und was sie kaufen.
Die Unternehmensgruppe scheint die fragwürdige Praxis nun beendet zu haben. Ein betroffener Leser, der für den Kauf eines Apple-Notebooks für 900 Euro seine persönlichen Daten preisgeben sollte, leitete mir die Antwort des Datenschutzverantwortlichen von MediaMarktSaturn auf die Frage nach der Rechtfertigung hierfür weiter. Darin heißt es:
„Wie vom MediaMarkt (…) erläutert, erfasst der Markt in begründeten Einzelfällen (Kauf hochwertiger Apple-Produkte) Kundendaten, da der Markt von einem erhöhten Betrugsrisiko ausgeht. Der Markt kann auf diese Weise im Bedarfsfall seine berechtigten Interessen wahren, Art. 6 Abs. 1 S. 1 lit. f) DSGVO, z.B. zur Geltendmachung von Rechtsansprüchen. Allerdings hat sich das Unternehmen MediaMarktSaturn gegen eine solche Lösung entschieden und möchte den entsprechenden Risiken durch andere Prozesse vorbeugen. Der Markt wird seine Praxis ab sofort ändern und keine zusätzlichen personenbezogenen Daten mehr erfassen.“
Auf wiederholte Bitten um eine Bestätigung und die Frage, ob der Verzicht auf die Erfassung persönlicher Kundendaten auch für anders begründete Fälle gilt, antwortete das Unternehmen nicht. Die Formulierung deutet darauf hin, dass persönliche Daten generell nur noch dann abgefragt werden, wenn das zur Leistungserfüllung wirklich erforderlich ist und deshalb im Einklang mit der Datenschutzgrundverordnung steht, etwa bei Liefervereinbarungen.
Möglicherweise ist die von der Berichterstattung und Anfragen aufgeschreckte Datenschutzaufsicht aktiv geworden. Da diese keine Auskunft zu konkreten Fällen gibt, lässt sich das nicht verifizieren. Vielleicht hat aber auch die Peinlichkeit, dass die vermeintlich rechtswidrige Datenerhebung unter Digitalisierungsminister Karsten Wildberger in seiner vorherigen Tätigkeit als Chef von MediaMarktSaturn eingeführt oder zumindest praktiziert wurde, das Umdenken im Unternehmen begünstigt.