Gefahren von KI: Wer vor den eigenen Produkten warnt, will Verantwortung abwälzen

22. 09. 2026 | Der Professor für IT-Sicherheit und Gründer der KI-Firma Kiraa, Errol Brandt, sieht in den Mahnungen der KI-Bosse, die Fortentwicklung der künstlichen Intelligenz zu bremsen, den Versuch, die Regierung in die Verantwortung für überzogene Versprechungen und fehlende Geschäftsmodelle zu ziehen.

Am 12. September veröffentlichte der Chef von Anthropic, Dario Amodei, einen langen Essay mit dem Titel „We Must Pace the Frontier“ (etwa: „Wir müssen die Entwicklung verlangsamen“). Die CEOs von Microsoft, Satya Nadella, und xAI, Elon Musk stimmten Amodei ebenso zu wie der Sam Altman, Chef des schärfsten Konkurrenten von Anthropic, Open AI. Vorausgegangen war im Juli ein offener Brief von über 1000 Beschäftigten von Open AI, Anthropic und Google, der unter dem gleichen Slogan die US-Regierung aufforderte, die KI-Entwicklung zu verlangsamen. Noch etwas früher hatten sich die großen KI-Labore gegenseitig mit warnenden Meldungen überboten, wonach ihre KI-Programme sich selbständig gemacht und Dinge getan hatten, die sie nicht tun sollten.

Errol Brandt übersetzt in seinem zehnminütigen Youtube-Video  „Slow down the frontier“ mit „die Rate verlangsamen, mit der wir Geld verbrennen“. Er betrachtet das Ganze als PR-Kampagne, um den Investoren, die bereits Milliarden verloren haben, eine plausible Story anzubieten, warum ihre Investitionen sich nicht rentieren werden. Sicherheitsbedenken seien das einzige, was es den Verantwortlichen, die unerfüllbare Versprechen gemacht haben, erlaubt klug und verantwortungsvoll zu erscheinen, wenn sie das Ende der Blase einläuten.

Für Brandt stellt KI keine Gefahr dar, solange die Verluste der Unternehmen größer sind als der Umsatz und kein tragfähiges Geschäftsmodell in Sicht ist. Gleichzeitig bläst der Wind den KI-Unternehmen ins Gesicht. Der Energiehunger der KI-Anwendungen ist jetzt schon kaum zu stillen, das gesellschaftliche Klima ist feindselig, Verbote von Datenzentren greifen um sich. Zinsen und Energiepreise steigen. Und das alles, bevor irgend jemand Gewinne mit KI gemacht hat.

Ziel sei, die Regierung mit in die Verantwortung zu nehmen, damit die Verantwortlichen das Platzen der Blase der falscher Regulierung und anderen Fehlern der Regierung in die Schuhe schieben können. Vielleicht gebe es dann auch noch reichlich Steuergeld, um das ganze am Laufen  und die Investoren schadlos zu halten. Schließlich droht ja China die Vorherrschaft bei KI zu erringen, und das darf aus geopolitischen Gründen nicht sein.

US-Präsident Donald Trump reagierte auf die Regulierungsforderungen der KI-Giganten denn auch mit dem Verweis auf das Rennen mit China, das man unbedingt gewinnen müsse. Und von der US-hörigen EU sollen die KI-Labore demnächst sogar das Recht gewährt bekommen, ohne Erlaubnis auf persönliche Daten von EU-Bürgern und -Unternehmen zuzugreifen, um ihre ach so gefährlichen Modelle zu trainieren. Das könnte man mehr als überraschend finden, wenn die Warnungen der Labore vor den eigenen Produkten denn ernst gemeint wären.