Transatlantiker, die sich selbst einen Friedenspreis verleihen

13. 06. 2026 | Wer sind die Leute, die die NATO als Träger des „Westfälischen Friedenspreises“ ausgewählt haben, den NATO-Generalsekretär Mark Rutte am 1. Oktober entgegennehmen darf? Rutte hat sich vor allem durch unerreichte Servilität gegenüber Donald Trump („Daddy“) hervorgetan und dessen völkerrechtswidrige Kriege und Aktionen gerechtfertigt. Die Jury dieses Friedenspreises für ein Kriegsbündnis ist eine illustre transatlantische Runde.

Die Jury des Westfälischen Friedenspreises setzt sich zusammen aus (in alphabetischer Reihenfolge):

  • Sigmar Gabriel, Aufsichtsrat von Rheinmetall, Vorsitzender Atlantikbrücke, Trilaterale Kommission und European Council on Foreign Relations
  • Alexander Graf Lambsdorff, Deutscher Botschafter in Russland, Atlantikbrücke
  • Jean-Claude Juncker, ehem. Präsident der Europäischen Kommission
  • Friedrich Merz, Bundeskanzler, Atlantikbrücke und Trilaterale Kommission
  • Cem Özdemr, Ministerpräsident Baden-Württembergs, Transatlantic Fellow des German Marshall Fund of the US, ehem. Atlantik-Brücke (ausgetreten wg. Merz), Beirat Atlantische Initiative, European Council on Foreign Relations
  • Georg Friedrich Prinz von Preußen, Chef des Hauses Hohenzollern, Vorstand des Verbandes der Deutsch-Amerikanischen Clubs
  • Frank-Walter Steinmeier, Bundespräsident
  • Stanislaw Tillich, Sonderbeauftragter der Bundesregierung für den Strukturwandel in den ukrainischen Kohle-Regionen
  • Jens Weidmann, ehem. Bundesbankpräsident, Atlantikbrücke
  • Hendrik Wüst, Ministerpräsident Nordrhein-Westfalens
  • Reinhard Zinkann, Geschäftsführer Miele, Vorsitzender der Wirtschaftlichen Gesellschaft für Westfalen und Lippe (Preisverleiher), Aufsichtsrat Drägerwerk

Mehr als die Hälfte der rein männlichen Jury-Mitglieder (wenn Krieg Männersache ist, ist auch Frieden Männersache) ist Mitglied oder Vorsitzender der Atlantikbrücke und/oder anderer transatlantischer Einflussnahme-Vereine. Ein weiterer, Hendrik Wüst, beherbergt im von ihm regierten Bundesland Deutschlands größte Rüstungsschmiede Rheinmetall und einige weitere große Rüstungsunternehmen, allesamt Großprofiteure der militärischen Konfrontation mit Russland. Wohl deshalb hat er sich im Juni 2025 mit Preisträger Rutte in Brüssel getroffen, um ihn in seiner harten Haltung gegenüber Russland zu bestärken. Mindestens zwei haben Aufsichtsratsposten bei Rüstungsunternehmen.

Den Westfälischen Friedenspreis vergeben also Menschen, die sich für die Interessenverschränkung Deutschlands mit den USA einsetzen an das von den USA geführten Militärbündnis NATO. Das ist soo Spätphase DDR.

Daniele Ganser schreibt dazu treffend am 12. Juni auf X.com:,

„Der Westfälische Friede steht für Verständigung, Deeskalation und zivile Konfliktlösung. Die NATO tut das Gegenteil und steht für Aufrüstung und Krieg. Sie hat mit der NATO-Osterweiterung den Krieg in der Ukraine mitverursacht und verschlingt Milliarden, die bei Renten, Schulen und der Bahn eingespart werden müssen. Das ist der falsche Weg. Die Preisverleihung soll am 1. Oktober 2026 im Rathaus von Münster stattfinden. Ausgerechnet NATO Generalsekretär Mark Rutte soll den Friedenspreis entgegennehmen. Zur Erinnerung: Rutte hat den illegalen Angriff von Trump auf den Iran mit diesen Worten gelobt: «Was Trump im Iran tut, ist unverzichtbar und macht die Welt sicherer». Die ganze Welt weiss heute, dass dies nicht stimmt. Und Merz will Rutte einen Preis geben? In Deutschland regt sich Widerstand gegen die Preisverleihung an Rutte. Die Paderborner Friedens-Initiative hat eine Petition gestartet, die ich auch unterschrieben habe: «Wir fordern die Verantwortlichen auf, ihre Entscheidung zu überdenken und alternative Kandidaten zu benennen, die dem eigentlichen Gedankengut des Westfälischen Friedens entsprechen.“

Dass Friedrich Merz den Vökermord Israels an den Palästinensern als „Drecksarbeit“ für die westlichen Verbündeten bezeichnete und von daher wohl wenig an Ruttes Unterstützung völkerrrechtswidriger US-Angriffskriege und Staatschef-Entführungen auszusetzen hat, vergaß Ganser zu erwähnen. Alle Werte werden umgewertet. Nichts bedeutet mehr das, was es einmal bedeutet hat.