Die überaus sonderbaren Quellen von Spiegel, FAZ und t-online

13. 07. 2026 | In einer Serie von Kolumnen und Berichten beschreiben Spiegel, FAZ und t-online die angeblichen Aktivitäten von russischen Botnetzen beim Bewerben von AfD und BSW. Die Plausibilität der Behauptungen ist gering und die Quellen scheinen Tarneinheiten von Militärs oder Geheimdiensten zu sein, die die Landtagswahlen beeinflussen wollen.

„So wirbt Putin für AfD und BSW“ war eine Kolumne von Christian Stöcker vom 12. Juli im Spiegel betitelt, Zwei Jahre vorher hatte er schon eine ganz ähnliche Kolumne geschrieben. Stöcker ist Professor für Digitale Kommunikation und ehemaliger Ressortleiter des Spiegel. Der Vorspann der aktuellen Veröffentlichung lautet:

„Eine russische Desinformationskampagne richtet sich gegen alle Parteien – mit zwei Ausnahmen. Die Methoden sind manchmal unfreiwillig komisch, die Motivation glasklar: Wer AfD oder BSW wählt, stimmt für Wladimir Putin.“

Das war auch Inhalt und Tenor der früheren Kolumne. Ob es sich bei Stöckers Darstellung der mutmaßlichen Aktivitäten russischer Botnetze zur Bewerbung von AfD und BSW um Fakten oder Fiktion handelt, kann man bestenfalls erahnen. Denn Stöckers Quelle ist (angeblich) ein Freizeit-Forscherpaar aus den USA, über das er kaum etwas verrät, und über die man im Internet nichts findet. In der aktuellen Kolumne nennt er seine Quelle „dTeam“. Es handle sich um ein „Kollektiv von Freiwilligen aus den USA die unermüdlich russische Desinformationsnetzwerke auf diversen Plattformen beobachten.“ In der Kolumne von 2024 hatte er die Quelle noch etwas genauer beschrieben als:

„Kelly Cowan und Dee Ramee, beide leben in den USA, beobachten als »dTeam« seit Jahren in ihrer Freizeit russische und andere Desinformationsnetzwerke. Sie waren so freundlich, ihre Datensätze mit meinen Projektkollegen und mir zu teilen.“

Auch die Journalismus-Simulation des Werbekonzerns Ströer, t-online, wird vom obskuren dTeam beliefert. In einem Beitrag von Oktober 2025, der sich auch mit der angeblichen russischen Förderung der AfD befasst, wird Kelly Cowan zitiert und vorgestellt als, „Mitglied des dTeams, das seit Jahren russische Einflusskampagnen monitort. Das dTeam erstellt täglich Berichte und teilt Funde mit Wissenschaftlern und Journalisten.“

Eine Internetrecherche mit den üblichen Suchmaschinen ergab abseits von Spiegel und t-online nichts zum dTeam oder den namentlich bekannten Mitgliedern. Es handelt sich also bei der Quelle von Spiegel und t-online wahlweise um ein Freitzeitanalystenpaar oder ein Team, das täglich Berichte für Wissenschaftler und Journalisten erstellt oder ein unermüdliches „Kollektiv“ zur Internetbeobachtung, das abseits von wenigen deutschen Medien nicht öffentlich in Erscheinung tritt.

Wer sich ein bisschen mit dem Thema befasst, hat inzwischen genügend über den „hybriden Krieg“ zwischen NATO und Russland gelesen und gehört, also den Propagandakrieg im Internet, um zu wissen, dass Militär und Geheimdienste beider Seiten auf diesem Feld sehr aktiv sind — immer nur zur Abwehr, versteht sich. Wenn ein völlig obskures Freizeit-Forscherpaar zur Quelle für deutsche Mainstream-Medien über russische Internetaktivitäten erhoben wird, darf man daher sicher sein, dass es sich um den Tarnnamen einer geheimdienstlichen oder militärischen Einheit handelt. Der Name dTeam soll vermutlich die Zuständigkeit für deutsche Medien markieren.

Dahinter könnte das Stratcom Center of Excellence der NATO in Riga oder das Hybrid Center of Excellence von NATO und EU in Helsinki stecken. Immerhin hat der Atlantic Council, so etwas wie der politische Arm der NATO, in der Broschüre „Democratic Offense Against Disinformation“ von 2020 ausdrücklich empfohlen (S. 12), dass die US-Geheimdienste ihre strategisch ausgewählten Erkenntnisse zu ausländischen Desinformationsoperationen über diese beiden Zentren für militärische Propaganda den Mitgliedern der angeschlossenen Netzwerke von Journalisten, Wissenschaftlern und NGOs zukommen lassen. Alternativ könnte das geheimdienstnahe Institute for Strategic Dialogue dahinterstehen. Dieses ist Teil der Forschungskooperation Notorious, der auch Stöcker angehört.

Mit der Plausibilität der Behauptung, dass riesige russische Botnetze BSW und AfD im Internet auf relevante Weise unterstützten, ist es nicht gut bestellt — zumindest im Fall BSW, wo ich mich als BSW-Mitglied etwas besser auskenne als bei der AfD und deren konkurrierenden Strömungen. Man braucht nur einen beliebigen Beitrag von Sahra Wagenknecht auf X nehmen und die Kommentare darunter lesen, um erhebliche Zweifel zu bekommen.

Zunächst ist festzustellen, dass die Anzahl derer, die diese Beiträge zu Gesicht bekommen, in Anbetracht von Wagenknechts knapp 750.000 Followern mit zumeist wenigen Zehntausend eher gering ist. Das deutet, wenn überhaupt, eher auf Reichweitenunterdrückung als auf künstliche Verbreitung durch Botnetze hin. Die vielen Kommentare darunter werden regelmäßig von Vorwürfen und Beleidigungen in Richtung „Putinknechte“ dominiert. Wenn russische Trollfabriken für das BSW unterwegs wären, würde man das Gegenteil erwarten. Falls hier Trollfabriken aktiv sein sollten, dann kämen sie von der anderen Seite des Konflikts.

Auch die Quellen der aktuellen Kampagne in den Mainstream-Medien kommen von der anderen Seite des Konflikts, nicht nur das obskure dTeam aus den USA, sondern auch die nicht minder obskuren anonymen „Aktivisten von Antibot4Navalny“, über die die FAZ in einem Beitrag vom 5. Juli nichts außer ihrer antirussischen Zielsetzung verrät. Aber ihre Aussagen über angebliche russische Botnetze berichtet sie wie unumstößliche Fakten, ebenso wie den lediglich herbei-insinuierten Hintergrund, dass die „kremlfreundlichen“ Parteien AfD und BSW von diesen Bot-Netzen gestärkt werden sollten, um die Unterstützung der Ukraine zu untergraben. Auch der Spiegel hatte nur zwei Wochen vorher das gleiche „Recherchekollektiv anonym agierender Aktivisten“ als Quelle für einen Artikel herangezogen, wonach eine „russisch gesteuerte Einflusskampagne“ auf anstehende Landtagswahlen in drei ostdeutschen Bundesländern ziele. Auch hier kein distanzierender Konjunktiv, kein Hinweis auf mögliche Interessenfärbung der angeblichen Erkenntnisse.

Fazit

Vor den Landtagswahlen in Ostdeutschland intensiviert die NATO offenbar ihre Kampagne zur Diskreditierung des BSW und der AfD, deren ostdeutsche Landesverbände noch nicht hinreichend auf Alice Weidels NATO-Kurs eingeschwenkt sind, als Trojanische Pferde des Kreml. Die Tonlage für diese Kampagne hat der Atlantic Council bereits Ende 2016 mit der Broschüre „The Kremlin’s Trojan Horses“ vorgegeben. Damals begann die seither immer weiter intensivierte Kampagne, mit der Sahra Wagenknecht und die AfD als zu bekämpfende Russland-Alliierte dargestellt werden. Manche der damaligen Trojanischen Pferde, wie Sigmar Gabriel, schwenkten um und konnten sich über prestigeträchtige und einträgliche Posten und Aufträge freuen. Andere müssen weiter bearbeitet werden. Große Mainstream-Publikationen wie Spiegel, FAZ und t-online lassen sich willfährig in diesem Propagandakrieg als Instrumente zur Wahlbeeinflussung einsetzen.

Mehr

Mehr zum Propagandakrieg der NATO mit Russland und wie dabei von beiden Seiten Wahlen in den eigenen Ländern und beim Gegner beeinflusst werden, lesen sie in meinem Buch „Der Wahrheitskonplex“ und auf wahrheitskomplex.de.