Campact ist ein politisch der SPD und den Grünen nahestehender Verein mit 12 Mitgliedern und Einnahmen im letzten Jahr von 26 Millionen Euro.
Die Kriterien, anhand derer Campact die Kanäle auf die schwarze Liste gesetzt hat, die von Tichys Einblick veröffentlicht wurde, sind vage. Die genutzten Kategorien sind, mit Beispielkanälen in Klammern:
- AfD (Alice Weidel; AfD-Fraktionen NRW, Niedersachen, Sachsen-Anhalt)
- AfD-nah (Tichys Einblick, Weltwoche, Epoch Times)
- AfD-Vorfeld (Apollo News)
- rechtspopulistisch (Achtung Reichelt, Nius)
- verschwörungsideologisch (Wissensmanufaktur)
- rechtsextrem (Naomi Seibt)
- AfD/rechtsextrem (AfD-Bundestagsfraktion)
- extrem rechts (Clownswelt)
- nah an Rechtsextremen (Jasmin Kosubek)
Es ist nicht recht ersichtlich, warum die AfD-Fraktion in Niedersachsen, die vom dortigen Verfassungsschutz (Innenministerium) als gesichert rechtsextrem eingestuft wird, nicht so bezeichnet wird, die AfD-Bundestagsfraktion, bei der das nicht der Fall ist, aber schon. Dass Jasmin Kosubek nah an Rechtsextremen sein soll, wundert mich, wie so manches auf der Liste. Tichys Einblick gibt an, wegen eines Interviews mit dem AfD-Spitzenkandidaten in Sachsen-Anhalt, Ulrich Siegmund, als AfD-nah auf der Boykottliste gelandet zu sein.
Hochproblematisch ist der Druck, den Campact aufbaut, um Unternehmen dazu zu bewegen, dem Boykottaufruf zu folgen. In den Briefen, die sie erhalten, werden sie aufgefordert, umgehend Bericht zu erstatten, ob sie der Aufforderung zum Boykott Folge leisten werden. Die Namen derjenigen Unternehmen, die brav ja gesagt haben, hat Campact veröffentlicht. Die anderen müssen, nach dem, was man von Campact kennt, fürchten, als Unterstützer Rechtsextremer an den Pranger gestellt zu werden. Dieser Druck ist mindestens an der Grenze der Legalität.
Zuletzt im November 2025 war Campact in dieser Weise vorgegangen. Campact rief Unternehmen auf, aus dem Verband der Familienunternehmen auszutreten, weil dieser die Brandmauer zur AfD nicht ausreichend respektiert habe. Danach griff Campact diejenigen Unternehmen, die sich dem vermeintlich verweigert hatten, öffentlich an.
Hochgradig anrüchig ist auch, dass es sich auf der Liste praktisch ausschließlich um regierungskritische Kanäle handelt. Gleichzeitig fördert die Regierung mit Millionenbeträgen die Organisation Hate Aid, die mit Campact eng vebunden ist, und andere Organisationen aus dem Umfeld und Unterstützerkreis von Campact. Hate Aid ist praktisch eine Ausgründung von Campact. Campact hält ein Drittel der Anteile. Ein weiteres Drittel hält Anna-Lena von Hodenberg, eine ehemalige Campaignerin von Campact. Die Regierung gibt also Millionen einer Campact-Ausgründung und Campact bekämpft die mediale und politische Konkurrenz der Regierung. Zusätzlich hat sich Campact im aktuellen Wahlkampf in Sachsen-Anhalt mit Millionensummen gegen die AfD und damit für die Regierungsparteien engagiert.
In einer Pressemitteilung vom 24. August beschreibt Campact sein Vorgehen. Der Verein entwickelte ein Online-Tool, mit dem seine Anhänger und Mitstreiter melden konnten, welche Werbung sie auf rund 60 missliebigen YouTube-„Hetz“-Kanälen fanden. Rund 15.000 Menschen hätten knapp 40.000 Werbeanzeigen gemeldet. Von 90 „relevanten“ Unternehmen seien mehrere Anzeigen gefunden worden. Diese seien alle angeschrieben und aufgefordert worden, die von Campact aufgelisteten YouTube-Kanäle auf eine Werbe-Sperrliste zu setzen.
Campact nennt 20 Unternehmen, die innerhalb der ersten Woche Vollzug rückmeldeten, darunter Edeka, Aldi Süd, Kleinanzeigen, DEVK, Wolt und Procter & Gamble. Zehn weitere versprachen Prüfung des Anliegens.
Mit der Organisation von Werbeboykotten tritt Campact in kleinerem Maßstab in die Fußstapfen des Global Disinformation Index, der eine globale, sehr einflussreiche Boykottliste führte. Diese stellte das Unternehmen 2025 ein, weil kooperierende Werbekonzerne wegen illegaler Kartellbildung angeklagt wurden. Die US-Regierung musste noch unter Präsident Joe Biden ihre finanzielle Unterstützung einstellen, weil Gerichte diese Unterstützung einer Medienboykottliste als staatlichen Angriff auf die Meinungsfreiheit werteten.