Nachrichtenagentur APA weist Vorwurf arglistiger Täuschung von Schülern zurück

31. 05. 2026 | Die Faktenchecker der führenden österreichischen Nachrichtenagentur APA haben eine Netzseite mit Unterrichtsmaterial zum Erkennen von Desinformation eingerichtet. Dort steht ein aktueller Faktencheck zum Thema Recycling von Windrädern, mit dem APA die Schüler gezielt in die Irre führt.

„Mit CheckBar bringt die APA Recherche- und Fact-Checking-Methoden in Schulen und Klassenzimmer. Die kostenlose Plattform soll helfen, Desinformation sicherer zu erkennen“, erläutert Österreichs führende Nachrichtenagentur den Zweck ihrer im Februar eingerichteten Netzseite für Lehrer und Schüler. Die Fact-Checking-Methoden, die APA dort nahebringt, sind allerdings teils ausgesprochen unredlich.

Auf der Netzseite präsentiert APA einen Faktencheck vom 13.5.2026 zum Recycling der Rotoren von Windrädern. Darin heißt es:

„Aktuell sorgen Postings in sozialen Medien für Aufmerksamkeit, in denen behauptet wird, Rotorblätter von Windkraftanlagen könnten nicht recycelt werden, deshalb würden weltweit Dutzende Millionen Tonnen langlebiger Müll anfallen. Das entspricht allerdings nicht den Tatsachen. Einschätzung: Die Behauptung ist irreführend.“

Genauer spezifiziert APA die geprüfte Behauptung nicht. Nur wenn man dem zweiten der verlinkten Facebook-Post folgt, erfährt man, dass es um 43 Mio. Tonnen geht, die nicht etwa derzeit pro Jahr – wie APA suggeriert – sondern bis 2050 insgesamt anfallen sollen.

In den ersten beiden Absätzen der „Überprüfung“ nach dem Urteil „entspricht nicht den Tatsachen“ und „ist irreführend“ geht es nicht um die Behauptung, sondern um das Recycling der Generatoren und des Betons der Anlagen. Erst im zweiten Satz des dritten Absatzes wird dann in einem Nebensatz eingeräumt, dass es tatsächlich „aktuell noch kein wirtschaftliches Recycelverfahren“ für die Rotoren gibt. Dass sich die Rotoren zumindest derzeit nicht recyceln lassen, ist also richtig.

Falsch muss dann wohl die geschätzte Menge des weltweiten Anfalls an Rotorenabfall bis 2050 sein, denkt man. Suchen wir also danach, wie APA das widerlegt. Wir finden – nichts. Was APA dem entgegenhält – im irreführenden Tonfall der Widerlegung – ist eine Prognose, wie groß der jährliche Anfall an Rotorenmüll in Europa im Jahr 2030 sein wird, nämlich die viel niedrigere Zahl von 500.000 Tonnen.

„In Europa“ statt „weltweit“, „im Jahr 2030“ statt (insgesamt) „bis zum Jahr 2050“. Mit diesem perfiden Trick lässt APA die Schätzung von „mehreren Millionen Tonnen“ als offenkundig viel zu hoch erscheinen. Man beachte dabei, dass APA wohlweislich den Zeitbezug der geprüften Aussage gänzlich weglässt. So kann man allenfalls bei sehr aufmerksamem Lesen merken, dass statt von weltweit im Check nur von Europa die Rede ist. Aber der Unterschied zwischen 500.000 und Dutzenden Millionen erscheint so groß, dass dem Leser, der dem Link zum zweiten der geprüften Posts nicht folgt, einleuchten muss, dass die behauptete Müllmenge vermeintlich viel zu groß ist.

Den Rest des Beitrags füllt die Nachrichtenagentur mit Irrelevantem und mit Spekulationen darüber, was bei ausreichendem technischem Fortschritt irgendwann vielleicht möglich sein könnte. Absolut nichts in dem Beitrag rechtfertigt das Urteil, die Behauptung entspreche nicht den Tatsachen. Außer, dass es sich um eine Prognose handelt, nicht um eine gegebene Realität, aber das kann hier nicht gemeint sein.

APA-Faktencheck verteidigt sich

Konfrontiert mit dem Vorwurf, dass man Schüler und Lehrer mit diesem vermeintlichen Faktencheck arglistig täusche, antwortete APA-Faktencheck wenig überzeugend:

„Den Vorwurf, Leserinnen und Leser „arglistig zu täuschen“, weisen wir entschieden zurück. Ziel unseres Faktenchecks zum Thema Windkraft war es, die in den Social-Media-Postings enthaltene Gesamtaussage einzuordnen und dabei insbesondere den Eindruck zu relativieren, Rotorblätter würden grundsätzlich nicht recycelt werden und führten daher zu „Dutzenden Millionen Tonnen Müll“. Als Einordnung haben wir bewusst nicht „falsch“, sondern „irreführend“ gewählt. Das bezog sich auf die verkürzte und pauschale Darstellung in den Posts. Dass ein nachweislich KI-generiertes Sharepic verwendet wurde, untermauert unsere Einschätzung des Beitrags als irreführend.“

APA urteilte, die Behauptung entspreche nicht den Tatsachen. Das ist keine Relativierung, sondern eine explizite Einordnung als Desinformation. Das KI-generierte Bild von gelagerten Rotorenblättern ist kein Beleg, dass die geprüfte Behauptung irreführend ist. Dass das Bild KI-generiert ist, ist leicht erkennbar. Und Rotoren werden in den USA bereits seit Jahren in größeren Mengen deponiert. Das Bild veranschaulicht also etwas, was es tatsächlich gibt.

Zum Vorwurf der irreführenden Gegenüberstellung von Zahlen schreibt APA-Faktencheck:

„Zur Frage der weltweit anfallenden Mengen haben wir bewusst nur Zahlen verwendet, die sich aus belastbaren und nachvollziehbaren Quellen ableiten lassen. Es gibt keine seriösen Prognosen zum weltweit anfallenden Müll, weshalb wir zur ungefähren Einordnung zumindest die aktuell zur Verfügung stehenden Zahlen für Europa angeführt haben.“

Eine ganz schlechte Ausrede. Hier wurde offenkundig absichtsvoll getrickst, indem bei der Wiedergabe der geprüften Behauptung der Zeitbezug weggelassen wurde. Es wird nicht explizit auf die sehr unterschiedlichen zeitlichen und räumlichen Bezugspunkte hingewiesen, sondern der Eindruck erweckt, der große Unterschied in den Zahlen spreche für sich. Das ist unredlich und genau die Desinformation, die zu erkennen APA angeblich den Schülern und Lehrern helfen will.

APA bildet zusammen mit den beiden anderen führenden deutschsprachigen Nachrichtenagenturen, dpa und AFP, und mit Correctiv das von der EU-Kommission gegründete und finanzierte German-Austrian Digital Media Oberservatory (GADMO), die Deutsch-österreichische Beobachtungsstelle für digitale Medien. Die klingt nicht nur orwellianisch, sie ist es. Dass die drei dominanten deutschsprachigen Nachrichtenagenturen beim Wegchecken kritischer Narrative so eng mit der EU-Kommission (und anderen Behörden) zusammenarbeiten, ist ausgesprochen problematisch.

Fortsetzung (31.5.26, 16:15 Uhr): Wie sehr APA mit seinem arglistig täuschenden „Faktencheck“ die Interessen seines Kooperationspartners EU-Kommission verteidigt, wir an einem Zitat von Dan Jørgensen, EU-Kommissar für Energie und Wohnungswesen, deutlich. Er sagt in der Pressemitteilung zu einer Studie über die Gefährlichkeit von Windenergy-Desinformation, auf die der APA-Faktencheck am Ende verlinkt:

„In einer Zeit, in der Europa erneut mit einer Krise im Bereich der fossilen Energien konfrontiert ist, ist meine Botschaft unmissverständlich: Windkraft ist nicht nur eine Lösung für den Klimaschutz – sie ist ein wirtschaftlicher Vorteil und eine Säule unserer Sicherheit. Wir dürfen nicht zulassen, dass Falschinformationen den Ausbau erneuerbarer Energien verzögern oder zum Scheitern bringen, gerade jetzt, wo wir ihn beschleunigen müssen, um die Kosten für unsere Verbraucher zu senken und unsere Widerstandsfähigkeit zu stärken. Die Kommission nimmt dieses Thema sehr ernst und setzt sich aktiv, unter anderem durch gezielte Informationskampagnen, dafür ein, falschen Darstellungen über Windenergie und saubere Energie entgegenzuwirken. Europa braucht eine öffentliche Debatte, die auf Fakten und nicht auf Fiktion basiert.“

Vielsagend ist auch die Urheberschaft der Studie. Diese hat nämlich die Intreressenvertretung der Windenergybranche WindEurope zusammen mit CASM Technologie verfasst. CASM Technolgy ist der Technologiepartner des Institute for Strategic Dialogue, einer der größten Spinnen im internationalen Netz der Meinungskontrolleure. CASM Technology rüstet die NGOs, Behörden und Wissenschaftler des Wahrheitskomplexes mit hochkarätiger IT-Technik aus, die es ermöglicht die sozialen Medien sehr detailliert zu analysieren und in Echtzeit zu beobachten, wie sich „schädliche“ Inhalte verbreiten.

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Porträt von GADMO

Porträt von CASM Technology

Porträt des Institute for Strategic Dialogue

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