(multipolar)*. Mehrere Experten kritisieren die Berichterstattung in etablierten deutschsprachigen Medien zu US-finanzierten Biolaboren in der Ukraine. Die Direktorin der US-Nachrichtendienste, Tulsi Gabbard, hatte hierzu jüngst neue Beweise enthüllt. Im Fokus der Kritik stehen zwei aktuelle Beiträge bei „ZDF-Heute“ und in der „Neuen Zürcher Zeitung“ (NZZ). Dort werden die Äußerungen und Informationen Gabbards mit „russischer Desinformation“, „prorussischer Haltung“ und „Verschwörungstheorien“ in Verbindung gebracht. Von Multipolar angefragte Analytiker halten die Berichterstattung von ZDF und NZZ für „unverantwortlich“ und „unseriös“.
In beiden Artikeln wird die Gefahr der Lagerung von Erregern potentieller biologischer Kampfstoffe und der Gain-of-function-Forschung, die Geheimdiensten und Fachleuten zufolge wahrscheinlich COVID-19 ausgelöst hat, mit dem Verweis auf zivile Forschung zur Bekämpfung von Krankheitserregern erklärt. Ähnlich hatten bereits 2022 der „Tagesschau-Faktenfinder“ und die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet.
Der deutsche Physikprofessor Roland Wiesendanger, der bereits in einer Anfang 2021 veröffentlichten Studie auf deutliche Hinweise für die These des Laborursprungs von SARS-CoV-2 aufmerksam gemacht hat, bezeichnete die Berichterstattung „einiger deutschsprachiger Medien“ gegenüber Multipolar als „unverantwortlich“. Erst sei die „bloße Existenz“ der Labore von Leitmedien geleugnet worden, obwohl die damalige stellvertretende US-Außenministerin Victoria Nuland im US-Fernsehen bereits zu Beginn des Russland-Ukraine-Kriegs deren Existenz bestätigt habe. Nun werde die problematische Forschung, welche in diesen „nicht mehr weg zu diskutierenden Biolaboren“ durchgeführt wird, verharmlost, sagte Wiesendanger. Stattdessen wäre es angebracht, dass Leitmedien die „hoch riskanten Experimente“ mit pandemiefähigen Erregern kritisieren und eine weltweite Ächtung dieser „unmoralischen und unethischen Forschung“ zu fordern.
Auf Anfrage von Multipolar ordnete der Amerikanist und Propagandaforscher Jonas Tögel die Veröffentlichungen von Gabbard als „hochbristant“ ein und nannte die Geheimdienstchefin eine „verlässliche Quelle“. Dass in den Publikationen von ZDF und NZZ nicht „kritisch sowie ergebnisoffen“ über Biolabore – auch in der Ukraine – diskutiert werde, läge darin begründet, dass spätestens seit Beginn der „Kognitiven Kriegsführung“ der Nato 2020/2021 weite Teile der „etablierten Medien“ noch stärker als zuvor in einen „Kampfmodus“ verfallen seien. Darin gehe es nicht mehr um „tatsächliche Fakten“, sondern um „Narrative und Feindbilder“. Die Existenz von US-finanzierten Biowaffenlaboren in der Ukraine sei für die derzeitige Aufrüstung und damit einhergehende „Kriegspropaganda“ ein „schädliches Narrativ“. Daher werde es augenscheinlich mit dem von der CIA geprägten Begriff „Verschwörungstheorie“ oder vagen, abwertenden Diffamierungswörtern wie „Desinformation“ oder „russische Propaganda“ bekämpft, erläuterte Tögel.
Norbert Häring, Wirtschaftsjournalist und Autor des Sachbuchs „Der Wahrheitskomplex“, bezeichnete den als „Faktencheck“ publizierten ZDF-Beitrag gegenüber Multipolar als „indiskutabel“. Gain-of-function-Forschung werde darin fälschlicherweise „als alleiniges Instrument zur besseren Abwehr neuer Krankheitserreger“ erklärt, „als ob es offensive und defensive Biowaffenforschung gar nicht gäbe“. Die Tatsache, dass Russland seit längerem behauptet, was Gabbard nun verkündet hat, werde „wie ein Gegenbeweis behandelt“. Dabei habe Russland „offenkundig das größte Interesse“, ein solches mögliches Biowaffenprogramm bekannt zu machen. Umgekehrt würden „offenkundig parteiische Quellen“ herangezogen, um als Tatsache zu behaupten, dass die Labore in der Ukraine „nur der Verbesserung von Sicherheit dienen sollen“. Zudem werde Gabbard trotz ihres hohen Amtes „ohne Nennung konkreter Quellen“ beschuldigt, seit Jahren „eine Verbreiterin russischer Desinformation“ zu sein. Dies sei „unseriös“, betonte Häring.
Die Russische Botschaft in Berlin verwies auf Anfrage von Multipolar auf eine Pressemitteilung der Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, vom 12. Mai sowie auf eine Rede des russischen Präsidenten Wladimir Putin von 2023. Mehrmals habe die russische Regierung die Aufmerksamkeit der internationalen Gemeinschaft auf die gefährliche und von niemandem kontrollierte militärisch-biologische Tätigkeit der USA außerhalb ihres nationalen Territoriums gelenkt, sagte Sacharowa. Dabei ging es auch um die Ukraine in „unmittelbarer Nähe des russischen Staatsgebiets“. Die „Enthüllungen“ der US-Geheimdienste würden von der russischen Führung als ein erster Schritt auf dem Weg zu einer umfassenden Anerkennung und einer ganzheitlichen Lösung des Problems angesehen. Putin hatte in seiner Rede gesagt, die USA und die Nato hätten ihre Militärstützpunkte und ihre geheimen Biolabore „forciert“ an die Grenzen Russlands verlegt.
Außer in den beiden Beiträgen des ZDF und der NZZ findet sich in keinem etablierten überregionalen deutschsprachigen Medium ein Hinweis auf die jüngsten Enthüllungen der US-Geheimdienstdirektorin. Im Gegensatz dazu haben mehrere regierungskritische Medien wie die Schweizer „Weltwoche“, die „Berliner Zeitung“, die Tageszeitung „junge Welt“, das österreichische Online-Magazin „tkp“ oder die „Ostdeutsche Allgemeine Zeitung“ über das Thema berichtet. Bei den „NachDenkSeiten“ und im „Overton-Magazin“ erschienen mehrseitige Beiträge mit Hintergrundinformationen und dem Verweis auf die Verbindung zu COVID-19 sowie der Möglichkeit, Biowaffenforschung unter dem Deckmantel der zivilen Gefahrenabwehr zu betreiben.
* Dieser Text erschien zuerst auf Multipolar.
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