Taxman Reloaded: Deutschbanker schlagen Steuer auf Heimarbeit vor

11. 11. 2020 | Es scheint kein Faschingsscherz von Bloomberg zu sein: Analysten der Deutschen Bank argumentieren in einer Studie – frei nach „Taxman“ – man solle Arbeitnehmer, die das Privileg bekommen, zuhause zu arbeiten, extra besteuern.

Der Bloomberg-Bericht (engl. Original) ist vom 11.11. aber nicht um 11 Uhr 11, obwohl man es meinen sollte. Darin heißt es unter anderem:

„Laut Deutsche Bank Research spart das Arbeiten im eigenen Zuhause Geld fürs Pendeln, Mittagessen und Geselligkeit: Auch bietet es den Strategen zufolge mehr Arbeitsplatzsicherheit und Flexibilität. Menschen, die im Home Office arbeiten, tragen jedoch weniger zur Infrastruktur der Wirtschaft bei und verlängern damit möglicherweise den Einbruch der Wachstumsraten. Die vorgeschlagene Abgabe würde vom Arbeitgeber gezahlt, wenn er seinem Mitarbeiter keinen Schreibtisch zur Verfügung stellt. Wenn der Arbeitnehmer beschließt, aufgrund seiner eigenen Bedürfnisse zu Hause zu bleiben, würde er für jeden Tag, den er aus der Ferne arbeitet, besteuert, schlägt Deutsche Bank Research vor.

Die Abgabe soll nur dann erhoben werden, wenn es keinen regierungsamtlichen Lockdown gibt. Das Aufkommen soll dafür verwendet werden, Menschen, die nicht im Homeoffice arbeiten können oder dürfen, und die von der Deutschen Bank für wichtig gehaltene Tätigkeiten ausüben, einen Zuschuss zu zahlen.

Das kontrastiert mit einer Meldung von dpa/afx von Mai:

„Der Deutsche Gewerkschaftsbund und der Bundesverband Lohnsteuerhilfevereine haben einen Steuerbonus für die Arbeit im Home Office vorgeschlagen. Millionen von Beschäftigten arbeiteten in diesen Wochen von zu Hause aus – die damit zwangsläufig entstehenden Belastungen könnten nach den derzeit geltenden Regeln von der überwiegenden Mehrzahl aber nicht steuerlich geltend gemacht werden, heißt es in einem Brief an Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD).

Die Deutschbanker haben einfach nicht verstanden, dass der Beatles-Liedtext von George Harrison keine Anleitung war, sondern sarkastisch gemeint:

„If you drive a car, car, I’ll tax the street

If you try to sit, sit, I’ll tax your seat

If you get too cold, cold, I’ll tax the heat

If you take a walk, walk, I’ll tax your feet

Taxman

Ein Leserkommentar

Dass diese Zyniker Niedrigverdiener und „unverzichtbare“ Beschäftigte von anderen Arbeitnehmern subventionieren lassen möchten, denen man das „Privileg“ Home Office unterstellt, noch dazu mit dem Argument, dass diese dann weniger konsumieren, macht vielleicht fassungslos. Vor allem, wenn man selbst „freiwillig“ das Home Office in der Wohnküche absolviert.

Aber ich bin sicher, die manipulative Formulierung „Privileg“ wird noch öfters auftauchen, wenn es um Arbeitnehmer geht. Da werden die Leute wohl immer öfter in prekären Beschäftigungsverhältnissen landen und die regulär Beschäftigten als „privilegiert“ dargestellt.

Alles, was dieser neuen, für Arbeitnehmer immer ungünstigeren Arbeitswelt nicht entspricht, ist ein „Privileg“ und somit ungehörig.

Bei den Neoliberalen hat das System.

Änderungshinweis (12.11.): Ich wurde darauf aufmerksam gemacht, dass der Liedtext von „Taxman“ nicht wie ursprünglich geschrieben von Paul McCartney stammt, sondern von George Harrison.

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