Biodigitale Konvergenz: Wie das Weltwirtschaftsforum die kanadische Regierung für seine Cyborg-Pläne einspannt

25. 05. 2021 | Hören | Ein beim kanadischen Arbeitsministerium angesiedeltes Forschungsinstitut, das mit hochkarätigen Zöglingen des Weltwirtschaftsforums durchsetzt ist, arbeitet an einem Horrorszenario der „biologisch-digitalen Konvergenz“, an computergesteuerten Mensch-Maschinen oder Maschinen-Menschen.

Das hört sich monströs und übertrieben an. Monströs ist es, übertrieben nicht. Policy Horizons Canada, ein Regierungsinstitut zur Politikberatung, aufgehängt beim Arbeitsministerium, hat bereits vor einem Jahr eine Konzeptstudie mit dem Titel: „Exploring Biodigital Convergence“ (Erkundung biodigitaler Konvergenz) veröffentlicht. Seither arbeitet das Institut an dem Projekt.

Um gleich zu klären, wo das herkommt: Zu den Teammitgliedern des Projekts gehört die Direktorin von Horizons Canada, Kristel Van der Elst. Sie ist die frühere Chefin Strategic Foresight des Weltwirtschaftsforums und eine Absolventin des mehrjährigen Elite-Ausbildungsprogramms Global Leadership Fellow des Forums. Außer der kanadischen Regierung berät sie auch die US-Regierung, die EU-Kommission und die OECD. Teammitglied ist auch Nicholas Davis, der bis 2019 Mitglied des Vorstands (Executive Committee) des Weltwirtschaftsforums und Chef von deren Abteilung für Gesellschaft und Innovation war. Zusammen mit Forums-Chef Klaus Schwab hat Davis 2018 das Buch „Gestaltung der Zukunft der vierten industriellen Revolution: Ein Leitfaden zum Aufbau einer besseren Welt“ veröffentlicht.

Daher also weht der Wind. Und dorthin weht er (in Zitaten):

Roboter mit biologischen Gehirnen und biologische Körper mit digitalen Gehirnen gibt es schon, ebenso wie Mensch-Computer- und Gehirn-Maschine-Schnittstellen. … Neue menschliche Körper und ein neuer Begriff von Identität könnten im Zuge des Fortschreitens der Konvergenz entstehen. … Indem wir die Mechanismen, die der Biologie zugrunde liegen, besser zu verstehen und zu kontrollieren lernen, könnten wir eine Abwendung vom Vitalismus beobachten, von der Idee, dass lebende und künstliche Organismen etwas fundamental Verschiedenes sind.“

Die Broschüre enthält eine beispielhafte Erzählung aus der erdachten biodigitalen Zukunft des Menschen, die das Institut als „optimistisch“ bezeichnnet. Nur wer die „Schöne neue Welt“ von Aldous Huxley als optimistisches Szenario begreift, wird dem zustimmen. Hier eine gekürzte Fassung des fiktiven Tagebucheintrags:

Ich sende eine Gehirnnachricht, um die App zu öffnen, die meinen Insulinspiegel kontrolliert und dafür sorgt, dass meine Bauchspeicheldrüse optimal unterstützt wird. Ein Mikroben-Transplantat passt sich automatisch an und berichtet über meine Werte. Alles sieht in Ordnung aus, also prüfe ich die digitale Schnittstelle meines Gehirns, um die Traumdaten zu lesen, die letzte Nacht in Echtzeit aufgezeichnet und verarbeitet wurden. Meine Therapie-App analysiert die emotionalen Reaktionen während meines Schlafs. Die Zusammenfassung der Überwachungsaufnahmen meines Bugbots zeigt, dass meine Wohnung letzte Nacht vor Eindringlingen (einschließlich anderer Bugbots) sicher war. Während ich mir die Zähne putze, fragt Jamie, meine persönliche KI, ob ich möchte, dass eine Lieferdrohne den Milchzahn meiner Tochter abholt, der vor zwei Tagen ausgefallen ist. Die epigenetischen Marker in den Zähnen der Kinder müssen analysiert und in unserer familiengenetischen Blockchain katalogisiert werden, um sich für den Rabatt der Krankenversicherung zu qualifizieren, also muss das heute noch erledigt werden. Ich ersetze den smarten Aufkleber, der meine Blutchemie, mein Lymphsystem und meine Organfunktionen in Echtzeit überwacht. Ich gebe zu, dass es sich eklig anhört, aber es ist eine gute Sache, dass die Gemeinde unsere Fäkalien aus den Abwasserrohren untersucht. Die heutige Aufschlüsselung des Mikrobioms wird an der Vorderseite meines Kühlschranks angezeigt, wenn ich die Küche betrete. Heute schlägt sie Miso-Suppe als Teil meines Frühstücks vor, weil mein Biom mehr Vielfalt braucht, als Folge des Stresses der letzten Tage und der schlechten Ernährung letzten Abend. Ich nehme meine intelligente Nahrungsmittelergänzungen ein, die gerade aus meinem Bioprinter kommen. Die Rückkopplungsschleife zwischen mir und meinem Bioprinter speichert auch die täglichen Daten für zukünftige präventive Gesundheitsmetriken in der Cloud.“

Unter den neuen Möglichkeiten Körper, Geist und Verhalten der Menschen zu ändern wird aufgeführt:

  • „Veränderung des menschlichen Genoms – unserer wichtigsten biologischen Attribute und Charakteristika“, ermöglicht durch „Fortschritte in der Gensequenzierung und -veränderung (Crisper/Cas9) und maschinelles Lernen, das Wissenschaftlern hilft zu bestimmen, welche Gene jeweils zu verändern sind.“
  • „Beobachtung, Manipulation und Änderung menschlicher Gedanken und Verhaltensweisen“, ermöglicht durch „Neurotechnologie, die Gehirnsignale ausliest und digitale Apps, die helfen, die geistige Gesundheit zu verbessern.“

Und das Beste: Das könne ersten Erfahrungen zufolge angeblich sogar demokratisierend wirken. Dabei wird Demokratie allerdings sehr eigenwillig verstanden als Produkte, die sich viele leisten können. Die Beispiele dafür sind geradezu possierlich, etwa, dass „gentechnische Anfänger-Pakete für weniger als 70 Dollar es selbst Anfängern erlauben, in der heimischen Küche ein Gen in eine Qualle einzuschleusen, das diese leuchten lässt.“

In zwei kurzen und vagen Absätzen befasst sich das Team dann doch noch ansatzweise mit der dystopischen Seite des Ganzen, indem es feststellt, dass „die Leichtigkeit, mit der viele Parteien persönliche Daten extrahieren und benutzen können, die mit dem Genom, Biom, Gesundheitsmarkern und dem Kontext der Individuen zu tun haben, neue Anforderungen an die Regulierung begründen könnten“.

*Auf den Vorgang aufmerksam wurde ich durch die Übersetzung eines Beitrags von James Corbett auf „2020 News“.

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