Gedankenlosigkeit im Quadrat: Lübeck macht Filmtage bargeldlos und bietet viele Inklusionsangebote

16. 10. 2026 | Dieses Jahr kann man bei der Stadt Lübeck die Tickets für die Nordischen Filmtage online und vor Ort nur noch mit Karte oder Paypal bezahlen. Man könnte meinen, die Stadt interessiert sich einfach nicht für Leute, die damit Schwierigkeiten haben. Doch weit gefehlt. „Unter dem Leitspruch „Kino für alle“ möchten die Nordischen Filmtage bestehende Barrieren abbauen und das Festival inklusiver gestalten.“

Online kann man für Filme der Nordischen Filmtage nur mit Kreditkarte oder der besonders schlimmen US-Datenkrake PayPal bezahlen. Das ist man ja schon gewöhnt. Aber auch vor Ort, in den teilnehmenden Kinos, werden nur „EC-Karte oder Kreditkarte“ akzeptiert. (EC-Karten gibt es seit vielen Jahren nicht mehr. Sie heißt Giro-Card.) Das ist offenbar eine Vorgabe der Stadt. Denn, wie ich aus Lübeck höre, nehmen die Kinos im normalen Programm weiterhin Bargeld an.

Blinde kommen mit Bargeld oft besser zurecht als mit Karten, u.a. weil sie bei letzteren nicht sehen, was abgerechnet wird. Auch viele Alte tun sich schwer damit. Es gibt Menschen ohne oder mit gesperrten Konten, oder die wegen eines Schufa-Eintrags keine Kreditkarte bekommen. Es gibt Jugendliche, die keine Karten haben. Es gibt Menschen, die wegen der Leichtigkeit des Geldausgebens mit Kreditkarten in die Überschuldung geraten sind oder zu geraten drohen und sie deshalb nicht mehr nutzen. Für die Angehörigen dieser Gruppen macht es das Leben und die Teilhabe deutlich schwerer, wenn sie an immer mehr Orten mit Bargeld nichts mehr ausrichten können.

Zugegeben, das sind alles keine großen Gruppen. Aber wenn man schreibt, man möchte Barrieren abbauen und das Festival inklusiver gestalten, um einem möglichst breiten Publikum kulturelle Teilhabe zu ermöglichen, dann sollte das nicht das Kriterium sein. Man bietet ja für die Inklusion der Blinden Audiodeskription, für die der Gehörgeschädigten erweiterte Untertitel und eine induktive Hörschleife, für die Jungen deutsche Live-Einsprache, außerdem sensorisch angepasste Vorstellungen und noch einiges mehr. Aber Bargeld annehmen, das ist zu mühsam?

Auf der Seite zur Inklusion werden eine Mailadresse und eine Telefonnummer genannt, an die man sich mit Fragen wenden kann. Aber vielleicht sollten sich die Verantwortlichen der Stadt selbst die Frage stellen, was sie da tun. Diese Frage könnten zum Beispiel die 14 großen Sozial- und Behindertenverbände beantworten, die im Januar in einem gemeinsamen Aufruf vor dem Ausschluss besonders von Kindern, Älteren, Menschen in prekären Lebenslagen und Menschen mit Behinderungen durch Bargeldverweigerung gewarnt haben.