FAZ nimmt Stellung zur Russentötung

11. 08. 2026 | Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) distanziert sich in einer Stellungnahme wenig überzeugend von der Frage ihres Balkan-Korrespondenten, was Europa tun könne, beim Töten von mehr russischen Soldaten zu helfen, und verurteilt Verunglimpfungen gegen ihren Mitarbeiter.

In der Stellungnahme vom 10. August bedauert die Zeitung, dass die Frage an den ukrainischen Präsidenten auf einer Pressekonferenz, über die ich berichtet hatte, missverständlich formuliert gewesen sei. Es sei „nicht die redaktionelle Linie der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, dass möglichst viele russische Soldaten getötet werden sollten“.

Der Korrespondent hatte die Frage allerdings dezidiert so gemeint, dass mehr russische Soldaten getötet werden sollten. In Diskussionen auf der Plattform X hatte er das — wie berichtet — mehrfach betont. Auch als er die Stellungnahme der FAZ auf Englisch auf der Plattform verbreitete, machte er deutlich, dass er daran festhält, dass seine Frage berechtigt gewesen sei. Er fügte der Wiedergabe der Stellungnahme eine „persönliche Bemerkung“ an, in der er Leser einlud zu fragen, was das Recht auf Selbstverteidigung der Ukraine bedeute. Das führe auch zu einer Frage, wie er sie gestellt hat.

Die FAZ sieht sehr schlecht aus in dieser Affäre. Sie distanziert sich nicht richtig von einer zutiefst menschenfeindlichen Position ihres Korrespondenten, sondern nennt dessen Frage wider besseres Wissen und gegen dessen Beteuerungen „missverständlich formuliert“. Da Martens seine ekelerregende Frage sogar in seinem Bericht in der Zeitung, der redaktionelle Kontrollen durchlief, wiederholen durfte, wäre das Eingeständnis eines Fehlers durch die Zeitung dringend nötig gewesen.

Hätte sich die Zeitung anständig von der üblen Frage distanziert, wäre auch nichts gegen ihre Verteidigung des Korrespondenten im Schlussabsatz zu sagen. Nazi-Beschimpfungen sind fast immer überzogen und unnötig und Drohungen sind nicht akzeptabel. Auch ich finde es nicht richtig, dass eine Petition gestartet wurde, die verlangt, dass dem Korrespondenten gekündigt wird. Auch drastische Meinungen sollen geäußert werden dürfen, wenn sie im Rahmen des Erlaubten bleiben, was die Gerichte bei Bedarf zu entscheiden haben. Auch eine Versetzung auf eine Stelle, auf der sich der Journalist nicht mehr zu Krieg und Frieden äußern kann, wäre eine ausreichende Maßnahme der glaubwürdigen Distanzierung. Wenn man eine Petition in diesem Fall für sinnvoll hält, muss sie sich an und gegen die FAZ richten, nicht gegen einen FAZ-Mitarbeiter. Die FAZ aber hat sich mit ihrer windelweichen Stellungnahme keinen Gefallen getan. Abonnenten müssen sich nun um so mehr fragen, ob es zu rechtfertigen ist, ein derartiges Organ menschenfeindlicher Kriegspropaganda zu unterstützen.