Die „Correctiv – Recherchen für die Gesellschaft gemeinnützige GmbH“ hat einen kommerziellen Ableger „Correctiv – Verlag und Vertrieb für die Gesellschaft UG“, der Bücher verlegt und Faktenchecken betreibt. Geschäftsführer ist jeweils David Schraven, ein Journalist aus dem Umfeld des SPD-Politikers Bodo Hombach.
Seit SPD-Minister Heiko Maas Facebook bedrängte, mit Faktencheckern zusammenzuarbeiten, gibt Correctiv-Faktencheck der Plattform X als kommerzieller Partner Hinweise auf Beiträge, vor denen sie warnen oder die sie löschen oder ausbremsen sollten. Correctiv ist zusammen mit den Nachrichtenagenturen dpa, APA und AFP Kernmitglied der deutsch-österreichischen Beobachtungsstelle für digitale Medien (GADMO), einem Stützpunkt von EDMO. EDMO ist eine von der EU-Kommission gegründeten und indirekt finanzierte Organisation zur Koordination und Förderung der (regierungsnahen) europäischen Faktencheckerszene.
Besonders bekannt und wirkmächtig wurde Corerectiv durch die Anfang 2024 veröffentlichte Recherche „Geheimplan gegen Deutschland“, in deren Nachgang es wochenlang große Demonstration gegen „Rechts“ in vielen deutschen Städten gab. Die Kernaussagen dieser Correctiv-Veröffentlichung, von einem rechten Treffen in Postdam bleibe „ein Masterplan zur Ausweisung von deutschen Staatsbürgern“ zurück und Teilnehmer Martin Sellner habe dort eine „Ausbürgerungsidee“ geäußert, hat das Landgericht Berlin Correctiv im März 2026 untersagt.
Steckbrief
- Gegründet: 2014
- Sitz: Gesellschaft: Essen; Redaktion: Berlin
- Gründer: David Schraven und
- Gesellschafter: David Schraven und Kuratoren
- Budget: 9,4 Mio. (2024, Jahr der Geheimplan-Publikation), 4,8 Mio. Euro (2023)
- Staatliche Förderung: 610.000 Euro (2024)
- Sonstige Geldgeber: Auswahl, 2024: Schöpflin Stiftung (250.000 Euro); Mercator Stiftung (182.000 Euro); Adessium Foundation (157.000 Euro); European Climate Foundation /157.000 Euro); Allianz Foundation (100.000 Euro); 2023 außerdem Luminate (661.000 Euro)
- Mitarbeiter: ca. 150 werden auf Website aufgeführt, davon 15 bei Faktencheck
- Mitglied von: Covering Climate Now (CCNow), German-Austrian Digital Media Observatory (GADMO); European Fact-Checking Standards Network (EFCSN); International Fact-Checking Network (IFCN)
Der ehemalige SPD-Spitzenpolitker Bodo Hombach sorgte als stellvertretender Vorsitzender der Brost-Stiftung für die Anschubfinanzierung von 3 Mio. Euro für David Schraven, dessen Chef bei der Verlagsgruppe WAZ er zuvor gewesen war. Zusätzliche Anschubfinazierung kam von Open Society Foundations. Bis 2016 war Hombach Vorsitzender des Ethikbeirats von Correctiv. Personelle Verflechtungen bestanden vor allem in den Gründungsjahren von Correctiv-Faktencheck zur Amadeu Antonio Stiftung und zum Institut for Strategic Dialogue ()ISD).
Die guten Beziehungen zur SPD aus den Anfangsjahren blieben bis heute erhalten. So hat sich die Geschäftsführerin von Correctiv, Jeanette Gusko, kurz vor dem rechten Treffen iin Potsdam, über das Correctiv so spektakulär berichtete, zwei Mal mit Vertretern der Bundesregierung getroffen, darunter einmal mit Bundeskanzler Olaf Scholz. Am 7. November traf sie im Bundeskanzleramt unter anderem den Ostbeauftragten der Bundesregierung, Carsten Schneider (SPD). Eine Begegnung des Bundeskanzlers mit Gusko habe „spontan am Rande der Konferenz Ostdeutschland 2030 am 17.11.2023“ stattgefunden, antwortete die Regierung auf eine Abgeordnetenanfrage. Das Treffen in Potsdam fand am 25. November statt. Laut dem Nachrichtenportal Nius hatte Correctiv zum Zeitpunkt der Gespräche mit den Regierungsvertretern bereits die Infiltration des Treffens in die Wege geleitet. Gespräche von Correctiv mit Regierungsvertretern gab es offenbar recht häufig.
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Correctiv-Geschäftsführerin traf sich vor rechtem Geheimtreffen mit dem Kanzler
Laut der Berichterstattung des Nachrichtenportals Nius auf Grundlage der ihm exklusiv vorliegenden Antwort der Regierung traf die Geschäftsführerin des in den letzten zehn Jahren laut Nius mit 2,5 Mio. Euro Steuermitteln geförderten Recherchekollektivs am 7. November im Bundeskanzleramt unter anderem den Ostbeauftragten der Bundesregierung, Carsten Schneider (SPD). Außerdem hat laut Antwort der Bundesregierung eine Begegnung des Bundeskanzlers mit der Geschäftsführerin von Correctiv, Frau Gusko „spontan am Rande der Konferenz Ostdeutschland 2030 am 17.11.2023“ stattgefunden.
Das Treffen in Potsdam, das Correctiv infiltrierte, um etwa sechs Wochen später darüber zu berichten, fand am 25. November statt. Nius berichtet, dass Correctiv zum Zeitpunkt der Gespräche mit Scholz und anderen Regierungsvertretern bereits die Infiltration des Treffens in die Wege geleitet habe. Das sei zu einem Zeitpunkt geschehen, zu dem noch kein Einladungsschreiben mit dem Namen des Rechtsradikalen Martin Sellner als Teilnehmer und Redner verschickt worden war.
Das ließe es noch unwahrscheinlicher erscheinen, dass Correctiv die Informationen über das Treffen und seine mögliche Brisanz auf normalem journalistischen Weg, ohne Geheimdienstunterstützung, erhalten hat.
Auskunft über den Inhalt der Gespräche mit Correctiv gibt die Bundesregierung nicht, wegen der „durch die Pressefreiheit geschützten Redaktions- oder Recherchetätigkeit“ der Journalisten von Correctiv.
Nius berichtet von insgesamt elf Treffen von Correctiv und Regierungsvertretern in den letzten vier Jahren. Das Nachrichtenportal berichtet auch, dass Correctiv-Geschäftsführerin Gusko mehrmals bei Veranstaltungen der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung aufgetreten sei und auf einem SPD-Parteitag eine Rede gehalten habe. Sie sei befreundet mit der SPD-Politikerin Sawsan Chebli.
Stand: 4.4. 2026