Die DISARM Foundation ist eine maßgeblich mit US-Stiftungsgeld aufgebaute und mit deutschem Stiftungsgeld finanzierte britische Stiftung aus dem militärischen Bereich. Sie kümmert sich um die Verbreitung und Fortentwicklung des DISARM Framework. Die Abkürzung steht für “Disinformation Analysis and Risk Management Framework”. Dabei handelt es sich um ein für das US-Militär entwickeltes Klassifikationssystem von Einflussoperationen und möglichen Gegenmaßnahmen. Es dient dazu, die Arbeit von regierungsnahen Faktencheckern, Wissenschaftlern, Behörden, Militär und Geheimdiensten auf dem Gebiet der „Desinformation“ untereinander, miteinander und transatlantisch zu koordinieren.
Das DISARM Framework wurde offiziell von EU und USA als Koordinierungsinstrument vereinbart. Das NATO/EU European Centre of Excellence for Countering Hybrid Threats (Hybrid CoE), die EU cybersecurity agency ENISA und der Europäische External Action Service EEAS empfehlen DISARM für den Austausch von Informationen über Einflussoperationen.
Steckbrief
- Gegründet: 2021
- Sitz: Nottingham, UK
- Gesellschaftsform: Gemeinnützige Stiftung
- Gründungsfinanzierung: Craig Newmark Philanthropies (USA)
- Leitung: Victoria Smith (CEO)
- Ausgaben: 30.000 Dollar (2024); 58.000 Dollar (2023)
- Öffentliche Geldgeber: EU-Kommission (ADAC.10–Projekt)
- Geldgeber: Alfred Landecker Stiftung (via Alliance4Europe); Craig Newmark Philanthropies;
- Mitarbeiter: 8 auf Website vorgestellt, ohne Sekretariat etc.
- Personelle Verbindungen: CASM Technology, ISD, RAND Europe (Carl Miller); Alliance4Europe (Omri Preiss, bis 2025); Atlantic Council, US-Navy (Pablo Breuer, bis 2025)
- Kooperationspartner: Inst. f. Journalismus der TU Dortmund; Credibility Coalition; Florida International University; Public Democracy; OASIS OPEN, sowie die Cybersecurity Unternehmen MITRE, ARACHNE, und faculty
Das US-Militär rekrutierte 2018 eine IT-Spezialistin des britischen Verteidigungsministeriums namens Sara-Jayne Terp für die Entwicklung von DISARM. DISARM hieß ursprünglich AMITT. Das Klassifikationssystem basiert auf dem Informationssicherheits-Modell ATT&CK, einer Entwicklung des Homeland Security Systems Engineering and Development Institute (HSSEDI). Das ist eine öffentlich-private Kooperation des Rüstungsunternehmens MITRE mit dem Ministerium für Heimatschutz der USA. MITRE wird von der DISARM Foundation als Untersützer geführt.
„Das DISARM-Framework bietet eine gemeinsame Sprache und Struktur, die es den Akteuren im Bereich der Verteidigung ermöglicht, Daten und Analysen auszutauschen und gesamtgesellschaftliche Reaktionen auf böswillige Einflussoperationen zu koordinieren.“ Website DISARM Foundation
Die Chefin, Victoria Smith, hat vorher für die BBC und für die Partnership for Countering Influence Operations des Carnegie Endowment for International Peace gearbeitet. Bis 2024 war das Leitungsteam der Stiftung ehrenamtlich tätig. Smith, die seit 2025 an der Spitze steht, scheint allerdings keine andere berufliche Position zu haben. Das sehr geringe Budget der Sitftung könnte darauf hindeuten, dass das mit dem Ministerium für Heimatschutz kooperierende Rüstungsunternehmen MITRE unentgeltlich die operative Arbeit am DISARM Framework tätigt. Die DISARM wäre dann im wesentlichen eine zivile Fassade für eine militärisch-geheimdienstliche Aktivität.
Omri Preiss, der Chef der Alliance4Europe, war Gründungsdirektor und bis 2025 Vize-Chef der DISARM Foundation. Über die in Deutschland ansässige Alliance4Europe finanziert die deutsche Alfred Landecker Foundation die DISARM Foundation. Die Alliance4Europe führt auch Kurse zur Anwendung des DISARM Framework für Mitglieder von einschlägigen NGOs, Universitäten und Behörden durch.
Das Rahmenwerk besteht aus DISARM Red, dem Klassifikationssystem für feindliche Einflussoperationen, und DISARM Blue, dem damit verknüpften System der jeweils passenden Gegenmaßnahmen. Die in DISARM Blue aufgeführten Gegenmaßnahmen reichen von Zensur in allen Schattierungen über Diskreditierung von Kritikern und die Organisation von Werbeboykotten bis hin zu eigenen Einflussoperationen. Anders als beim direkten Vorgänger AMITT steht bei den besonders anrüchigen Maßnahmen der Vermerk „Nicht empfohlen“. Zu den anrüchigen AMITT-Maßnahmen hatte es zuvor einen kritischen Medienbericht gegeben, der in den USA für einiges Aufsehen gesorgt hatte.
Zu den Nutzern von DISARM gehören die über das European Digital Media Observatory (EDMO) vernetzten Faktenchecker, Behörden und Wissenschaftler. So erklärt sich, dass die britische Militärangestellte, Sara J. Terp, die DISARM für das US-Militär entwickelt hatte, bis 2025 im Aufsichtsrat des deutsch-österreichischen EDMO-Stütztpunkt GADMO saß.