Am 30. August veranstaltet das BSW in Magdeburg ein großes Festival für die Meinungsfreiheit und gegen die Cancel Culture (bei dem auch ich auftreten werde). Da ist es mehr als unglücklich, dass sich die Partei medialem Druck gebeugt und die geplante Diskussion der sachsen-anhaltinischen Spitzenkandidatin Claudia Wittig mit dem AfD-Politiker Oliver Kirchner auf dem „Sommerfest“ des rechten Magazins Compact abgesagt hat.
Auch ich neige zu der Meinung, dass ein Sommerfest, bei dem regelmäßig auch Menschen aus der Neonazi-Szene anzutreffen sein sollen, kein glücklicher Ort für eine Diskussion zwischen Vertretern von BSW und AfD ist. Aber wenn man schon einmal zugesagt und die Veranstaltung mit beworben hat, sollte man sich nicht medialem Druck beugen und sie wieder absagen.
Der in Sachen Cancel Culture besonders umtriebige und aggressive Tagesspiegel schrieb zu seiner Anfrage bei den BSW-Vorsitzenden zu deren Haltung zu Wittigs geplanter Teilnahme an der Compact-Veranstaltung: „Eine Pressesprecherin teilte mit: „Unseres Wissens nach wurde die Teilnahme an der Veranstaltung abgesagt. Das finden wir richtig.““
Die Parteivorsitzenden, Amira Mohamed Ali und Fabio De Masi, hatten erst vor kurzem einen Brief an die AfD-Spitze geschrieben und eine Diskussion mit Sahra Wagenknecht angeboten. Jetzt die durch Druck erzwungene Absage einer solchen Diskussion zu unterstützen, ist inkonsequent, erst recht, wenn man nur eine Woche nach dem geplanten Termin ein Festival gegen die Cancel Culture ausrichtet.
Wenn Sahra Wagenknecht kontrovers mit einem AfD-Politiker diskutiert, macht sie sich nicht mit der AfD gemein. Wenn Claudia Wittig auf einer Compact-Veranstaltung kontrovers mit einem AfD-Politiker diskutiert, macht sie sich weder mit der AfD noch mit Compact gemein. In beiden Fällen geht es darum, potentielle Wähler dort anzusprechen, wo sie sind. Kontaktschuldvorwürfe sind die Basis für die Cancel Culture. Wer sich ihnen und dem Tagesspiegel beugt, dessen Glaubwürdigkeit in Sachen Gegnerschaft zur Cancel Culture leidet.