German-Austrian Digital Media Observatory (GADMO)

Das German-Austrian Digital Media Observatory (GADMO) ist der für die Beobachtung der digitalen Medien in Deutschland und Österreich zuständige Stützpunkt des EU-Faktencheck-Netzwerks EDMO. Wie EDMO ist GADMO ein EU-Projekt ohne eigene Rechtspersönlichkeit. Wie bei EDMO behaupten die Beteiligten und die EU-Kommission Unabhängigkeit. Wie bei EDMO ist das nur vorgeschoben.

Steckbrief

  • Gegründet: November 2022
  • Sitz: Dortmund
  • Gründer: EU-Kommission
  • Gründungsfinanzierung: Ausgeschriebenes EU-Projekt, teilweise nationale Ko-Finanzierung
  • Träger: Technische Universität Dortmund (Konsortialführer), Deutsche Presse-Agentur (dpa), Austria Presse Agentur (APA), Agence France Presse (AFP), Austrian Institute of Technology (AIT), Athens Technology Center (ATC), Correctiv – Recherchen für die Gesellschaft gGmbH.
  • Leitung (Koordinatoren): Christina Elmer (TU-Dortmund), Marcus Kreutler (TU-Dortmund)
  • Sonstige Geldgeber:  (EMIF)
  • Verflechtungen: GADMO nutzt das DISARM Framework, der von Alliance4Europe finanzierten DISARM Foundation.

Struktur und Finanzierung

GADMO geht zurück auf eine Ausschreibung der EU-Kommission im Jahr 2022. Den Zuschlag erhielt ein Konsortium unter Führung der TU Dortmund. Dort betreiben die Journalismus- und Statistik-Spezialisten der Uni gemeinsam ein „Zentrum für datengestützte Medienanalyse“. Dieses kümmert sich um Netzwerkanalysen bezüglich der angeblichen Desinformierer und andere Datenauswertungen für GADMIO.

Weitere Mitglieder sind die in Deutschland und Österreich führenden Nachrichtenagenturen dpa, AFP und APA sowie Correctiv. Alle vier betätigen sich als bezahlte, externe Faktenchecker der digitalen Medienplattformen, wobei allerdings erstaunlicherweise die gemeinnützige GmbH von Correctiv Konsortialmitglied ist, nicht die kommerzielle Tochter für Faktenchecks. Von der EU-Kommission hat sich GADMO gleichzeitig beauftragen lassen, die Umsetzung des den Plattformen aufgenötigten Verhaltenskodex gegen Desinformation zu kontrollieren. dpa, AFP, APA und Correctiv werden also von der EU dafür bezahlt, dass sie selbst den Plattformen ein schlechtes Zeugnis ausstellen dürfen, falls diese nicht zur Zufriedenheit auf ihre Hinweise reagieren. Das sind massive Interessenkonflikte, die darauf hinwirken, den Zensurdruck auf die Plattformen zu erhöhen.

Für die Digitaltechnik der Medien-Überwachung sind das Austrian Institute of Technology und das Athens Technology Center (ATC) zuständig. Für die Deutsche Welle, die zusammen mit ATC an der Entwicklung von mindestens einem Internet-Ausforschungsinstrument beteiligt war, sitzt Jochen Spangenberg im Beirat, ebenso wie im EDMO und im mittelosteuropäischen Hub CEDMO.

Angebliche  Unabhängigkeit

Auf der Website von GADMO heißt es zur Unabhängigkeit des Projekts:

„Das EDMO-Netzwerk gewährleistet die Unabhängigkeit seiner Mitglieder gegenüber Regierungen, europäischen Institutionen sowie öffentlichen und privaten Geldgebern. Externe Geldgeber dürfen weder in den Entscheidungsgremien eines Konsortiums sitzen noch deren Entscheidungen beeinflussen. Die Europäische Kommission ist lediglich als Beobachterin involviert, um die korrekte Umsetzung der Finanzierungsvereinbarungen zu gewährleisten. Des Weiteren ist sie berechtigt, sich einzubringen und Feedback zu geben, um die Einhaltung der Vereinbarungen sicherzustellen. Ein Eingreifen in die Entscheidungen der EDMO-Hubs ist jedoch nicht zulässig.“

Im Oktober 2025 wurde das Projekt verlängert. Die Konsortialmitglieder bekamen wieder den Zuschlag für die neue Ausschreibung der EU-Kommission. Dass die Träger eines EU-Projekts von der EU-Kommission unabhängig agieren können, wenn für sie die Fortführung des Projekts davon abhängt, dass die EU-Kommission dieses verlängert und nochmals mit Geld ausstattet und ihnen den Zuschlag für die Fortführung gibt, darf man bezweifeln.

Auch die Unabhängigkeit gegenüber nationalen Regierungen ist mehr als zweifelhaft. Der Regierungs-Auslandssender Deutsche Welle ist Konsortialmitglied. Die Bundesregierung verkündete den Start von GADMO stolz in einer eigenen langen Mitteilung. Im Beirat, der angeblich „aus unabhängigen Expertinnen und Experten“  zusammengesetzt ist, die „Orientierungshilfen für strategische Entscheidungen geben und die Einhaltung wichtiger Richtlinien und Grundsätze durch die Projektleitung überwachen“, sitzt mit Meike Isenberg eine Vertreterin der Landesanstalt für Medien NRW. Diese ist gesetzlich mit der Beaufsichtigung von Internet- und Rundfunkangeboten betraut. Mit dabei mit Stefan Rauschenberger auch ein Vertreter der Regulierungsbehörde KommAustria. Es sind also Vertreter der Medienaufsichtsbehörden Deutschlands und Österreichs, die diesem „unabhängigen“, von der EU bezahlten Projekt Orientierung geben und die Projektleitung überwachen.

Mit Sarah J. Terp war bis Ende 2025 eine Ex-Mitarbeiterin des britischen Verteidigungsministeriums und Auftragnehmerin des militärisch-geheimdienstlichen Komplexes der USA Mitglied im Aufsichtsgremium von GADMO. Sie hat für das US-Militär das DISARM Framework entwickelt, das gemäß einer Vereinbarung von EU und USA als offizielles Koordinationsinstrument der Faktenchecker und Behörden jeweils untereinander und miteinander dient, sowohl innerhalb der EU und der USA als auch transatlantisch. Von ihr hieß es:

„SJ Terp hat das DISARM-Framework (ehemals AMITT) mit entwickelt, das Ansätze der Cybersicherheit im Kampf gegen Desinformation anwendet, und ist Chief Scientist der DISARM Foundation. Sie hat weltweit Reaktionssysteme für wahl- und gesundheitsbezogene Cognitive Security eingerichtet, Unternehmen beim Risikomanagement von Desinformation beraten und eine Reihe von Tools für den Betrieb von Operationszentren für Cognitive Security entwickelt. SJ lehrt Cybersicherheit und Cognitive Security an der University of Maryland sowie an der Columbia University und ist Senior Fellow beim Atlantic Council.“

Unabhängigkeit von NATO und nationalem Militär und damit von den nationalen  Regierungen war also zumindest bis Ende 2025 erkennbar nicht gegeben. Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass sich das geändert hat. DISARM wird von GADMO und EDMO weiterhin verwendet.