EZB-Schattenrat warnt vor Unterschätzung der Deflationsgefahr

Am Donnerstag den 27. März 2014 tagte der EZB-Schattenrat per Telefonkonferenz und debattierte darüber ob geldpolitische Maßnahmen zur Sicherung der mittelfristigen Einhaltung des Inflationsziels und zur Abwehr einer Deflation nötig sind. Es herrschte weitgehend Konsens, dass die anhaltende Unterschreitung des Inflationsziels von zwei Prozent problematischer sei als von der EZB eingeräumt, vor allem weil die damit verbundene schwache Entwicklung von Löhnen und Umsätzen zu

zusätzlichen Insolvenzen und Kreditausfällen führen dürfte. Fünf von 13 abstimmenden Mitgliedern hielten eine sofortige  Zinssenkung für notwendig. Viele Mitglieder hielten Wertpapierkäufe durch die EZB für sinnvoll, wobei allerdings einige dafür eintraten, damit noch zu warten.

Mein Kommentar: Zwar kann eine Zinssenkung wenig schaden und vielleicht ein bisschen nützen. Aber man braucht schon ziemliches Gottvertrauen um davon auszugehen, dass eine weitere Mini-Zinssenkung das Kernproblem nennenswert entschärft. Das Kernproblem liegt darin, dass durch die Kreditzurückhaltung der Banken und den Versuch der Haushalte und Unternehmen sich zu entschulden, der Geldumlauf immer weiter zurückgeht. Dieses Problem kann und muss die EZB direkt angehen. Da sie Geld drucken kann so viel sie will, setzt nur die Fantasie Grenzen dabei, sich Wege auszudenken, wie man zusätzliches Geld auf sinnvolle Weise in Umlauf bringen könnte – und der Wunsch der Notenbanker, das Publikum nicht wissen zu lassen, dass man Geld auch an den Geschäftsbanken vorbei schaffen kann und dass Geld viel weniger knapp sein müsste als es ist.

Zum Protokoll der Sitzung vom 27.3.2014 (englisch)

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