Der Demagoge Fleischhauer arbeitet mit System

Bei der Internet-Suche nach Jan Fleischhauer, um im Nachgang zu meinem Blog festzustellen, ob Spiegel-Online dessen Auswurf gegen die griechische Regierung doch noch von der Seite genommen oder anderweitig reagiert hat, bin ich auf einen Blogbeitrag von vor acht Monaten gestoßen. Dieser setzt sich kritisch damit auseinander, wie der krawallig-konservative Kolumnist von Spiegel und Spiegel-Online damals Putin und das russische Volk für geisteskrank erklärt hat, mit ganz ähnlichen

weiterlesen

Formulierungen, wie er sie jetzt gegenüber Alexis Tsipras und den ihn unterstützenden Griechen gebraucht hat. Offenbar hat sich Fleischhauer gesagt, für ihre Widerborstigkeit hätten die Griechen die gleiche Behandlung verdient wie die Russen, und hat dafür seinen perfiden Argumentationsstrang recycelt.

Damals schrieb er auf Putin und das russische Volk gemünzt:

"Man sieht auf dem Feld bei Hrabowe schwer bewaffnete Männer, die in der Hand eine Zigarette halten, während sie mit einem Stofftier posieren, und die die internationalen Helfer, die an die Absturzstelle geeilt sind, mit Schüssen aus ihren Gewehren herumkommandieren... Aber das ist nicht die Wirklichkeit, die Putin und mit ihm das russische Volk sehen. Man weiß aus der Psychopathologie, welche Folgen die Wirklichkeitsverzerrung für den Einzelnen hat. An die Stelle des herkömmlichen Erklärungssystems tritt ein alternatives Deutungsmodell, dessen innere Logik auch durch Gegenargumente nicht erschüttert werden kann. Was die anderen als Realität ausgeben, erscheint als ein raffiniertes Trugbild, das nur deshalb als wahr gilt, weil einflussreiche Mächte die Menschen daran hindern, die Wirklichkeit zu sehen. Jetzt müssen wir erkennen, dass Wahnsysteme nicht nur Personen, sondern ganze Gesellschaften erfassen können. Wie man aus dem Handbuch der Psychiatrie weiß, ist es für Außenstehende aussichtslos, einen Betroffenen mit logischen Argumenten von seinen wahnhaften Überzeugungen abzubringen. Gegenbeweise werden entweder ignoriert oder in den Wahn eingefügt."

Zu Tsipras und seinen Unterstützern - ausdrücklich nur denen von der Syriza, aber implizit auch dem griechischen Volk, das ihn stützt -schreibt Fleischhauer nun, ihr Verhalten lasse sich "nur psychopathologisch" erklären.

"Wer genau hinhört, findet alle Elemente, die Fachleute dem "psychotischen Erleben" zurechnen: Da ist die fixe Idee, die das Denken in Beschlag nimmt, die obsessive Beschäftigung mit imaginären Feinden, die immer zahlreicher werden (nach Deutschland nun auch Italien und Spanien), die Unfähigkeit, die Dinge so wie die Umgebung zu sehen. Für die psychotische Persönlichkeit ist Wirklichkeit grundsätzlich anders konstruiert, deshalb fällt die Verständigung ja auch so schwer. Für sie ist die Realität keine Entität, auf deren Zusammenhalt man vertrauen kann, sondern etwas Labiles, das schon morgen eine ganz andere Bedeutung haben kann als heute. Die Welt ist in wahrstem Sinne verrückt: Es kann das eine gelten, aber auch das Gegenteil... Leider deutet alles darauf hin, dass Tsipras und seine Leute ihren Wahn nicht mehr unter Kontrolle haben."

Der Nachrichtenspiegel schrieb in dem oben erwähnten Blog zur Anti-Russen-Entgleisung treffend:

"Was mache ich, wenn ich einem Menschen 'wahnhaften Wirklichkeitsverlust' bescheinige? Nun – ich nehme ihm einen Teil seiner Menschlichkeit, stelle ich als krank dar, als nicht ganz in Ordnung – als jemanden, mit dem man gar nicht reden braucht: nützt sowieso nichts. Ist ja der Vernunft nicht zugänglich."

Wie jetzt festzustellen ist, macht Jan Fleischhauer das nicht einmal als versehentliche Entgleisung, sondern mit System. Ein System, das er gegen diejenigen anwendet, die hartnäckig eine Gegenposition zur "richtigen" Brüsseler und Berliner Position einnehmen, und nicht ignoriert werden können. Fleischhauer sagt zwar in beiden Fällen nicht ausdrücklich, was getan werden sollte, wenn Reden (und Sanktionen) hoffnungslos ist, aber das ist auch nicht nötig. Es ist klar, was sich aufdrängt: Militärisches Einhegen im einen Falle, Rauswurf aus der Währungsunion im anderen Falle.

Bildzeitungsniveau hat das nicht mehr. Das geht schon eher in die Richtung von Publikationen aus einer Zeit an die wir nicht so gern erinnert werden. 

Auch zum Thema (es zeigt sich ein bedenkliches Muster, auch da ging es um Paranoia):

SPON sollte die Anti-Griechen-Hetze BILD überlassen - die können das besser

Aber auch:

Brief aus Athen: Spiegel-Reporter stellen sich griechischen Fragen zu den deutschen Medien

profilbild

________________