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Norbert Häring ist seit 1997 Wirtschaftsjournalist. Vorher arbeitete der promovierte Volkswirt einige Jahre für eine große deutsche Bank. Er engagiert sich in der World Economics Association für eine weniger einseitige und dogmatische Ökonomik. Er ist Träger des Publizistik-Preises der Keynes-Gesellschaft und des Deutschen Wirtschaftsbuchpreises von getAbstract (Ökonomie 2.0).

Lebenslauf

Stimmt es, dass Öko- Gebäudesanierung gefördert werden sollte? Eine Gegenrede

Uwe Brühl, der Leiter des Geschäftsfelds Fassade des Dämmstoffherstellers Sto SE nimmt Anstoß an der Behauptung in dieser Kolumne, energetische Fassadensanierung von Altbauten lohne sich oft nicht: "Der Wirtschaftskolumnist des Handelsblattes, Norbert Häring, hat in seiner Handelsblatt-Kolumne die Auffassung vertreten, dass sich Maßnahmen der energetischen Gebäudemodernisierung meist nicht rechnen. Doch pauschale Aussagen zur Amortisation von Maßnahmen der energetischen

Sanierung machen keinen Sinn, weil kein Wissenschaftler der Welt den größten Kostenfaktor dieser Rechnung, nämlich die Entwicklung der Energiepreise, seriös vorhersagen kann. Einig ist man sich in Wissenschaftskreisen aber darüber, dass Kosten für fossile Energieträger wie Öl und Gas künftig weiter steigen werden.
Konsens herrscht auch darüber, dass eine energetische Sanierungsmaßnahme immer dann auch finanziell lohnend ist, wenn sie im Zuge einer ohnehin fälligen Bauteilsanierung durchgeführt wird. Dies belegen zahlreiche aktuelle Studien wie zum Beispiel von der Förderbank KfW 2013 in Auftrag gegebene Studie der Prognos AG. Auch die Bundeszentrale Verbraucherschutz kommt in ihren Publikationen zu diesem Schluss und rät eindringlich zu Dämm-Maßnahmen, damit teuer erzeugte Heizenergie nicht verloren geht.
Des Weiteren vermutet Norbert Häring, dass die staatlichen Förderungen ineffizient eingesetzt werden, da in den Dämmplatten selbst „jede Menge Energie“ stecke. Zahlreiche Studien belegen, dass die für die Dämmstoffherstellung benötigte Energie sehr schnell von den Einsparungen übertroffen wird. Jüngst bestätigt hat dies Professor Thomas Lützkendorf vom Karlsruher Institut für Technologie. Seine Untersuchungen ergaben eine positive Bilanz für Mineralwolle nach 3 bis 8 Monaten und für Polystyrol nach 5 bis 14 Monaten. Der fördernde Eingriff des Staates ist also sehr wohl effizient und macht auch volkswirtschaftlich Sinn – mehr als 90 Milliarden Euro müssen derzeit pro Jahr in Deutschland für fossile Energieträger aufgewendet werden, oft aus krisengefährdeten Ländern.
Jedes Gebäude ist dabei energetisch individuell zu betrachten. Deshalb empfehlen wir Immobilienbesitzern vor der geplanten Sanierung immer erst ein Gespräch mit einem neutralen qualifizierten Energieberater."

Uwe Brühl ist Mitglied der Geschäftsleitung und Leiter des Geschäftsfelds Fassade der Sto SE & Co. KGaA.

Replik von Norbert Häring

Herr Brühl weicht in Sachen finanzielle Amortisation von Maßnahmen zur energetischen Sanierung einer klaren Stellungnahme zu meiner These aus, indem er feststellt, dass man es so ganz genau ja nicht berechnen könne, und es immer auf die Gegebenheiten des jeweiligen Gebäudes ankomme. Dadurch fühle ich mich eher bestätigt als widerlegt. Herr Brühls Erwiderung auf meine angebliche Behauptung „dass die staatlichen Förderungen ineffizient eingesetzt werden, da in den Dämmplatten selbst jede Menge Energie steckt“, ist trickreich. Das war nämlich gar nicht mein Argument. Mein Argument war, dass die Sanierung von Altbauten oft so aufwendig ist, dass man mit dem Geld das für eine umfassende Dämmung nötig ist, an anderer Stelle in Hinblick auf energiepolitische und umweltpolitische Ziele ausrichten könnte. Der Abzugsposten bei der Energiebilanz war nur ein Nebenargument. Ich räume gerne ein, dass der Abzugsposten vielleicht allein nicht richtig durchschlagend ist, möchte aber auch einwerfen, dass er unter Berücksichtigung von Transportenergie größer wird. Aber daran hängt das Haupt-Argument in keiner Weise.

Das soll allerdings nicht heißen, dass Maßnahmen zur Energieeinsparung in privaten Haushalten nicht sinnvoll wären und nicht auch gefördert werden sollten. Aber das sollte nicht ohne Überprüfung der Kosteneffizienz geschehen, und auf jeden Fall anders als es die Förderregeln bisher vorsehen. Für viele Förderungen ist eine umfassende Sanierung Bedingung. Es sind aber oft die kleineren Maßnahmen, die eine besonders hohe Kosteneffizienz aufweisen. Es lässt sich mehr bewirken, wenn viele Haushalte zu solchen Maßnahmen bewegt werden können, als wenn eher wenige zu umfassenden Sanierungen bewegt werden. Beispiele sind intelligente, energiesparende Steuerungen und Austausch alter Fenster. Da es oft pro Jahr oft um eher überschaubare Beträge der Einsparung geht, ist hier eine gewisse Trägheit zu überwinden. Es lohnt sich, darüber nachzudenken, wie das gelingen kann.