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Norbert Häring ist seit 1997 Wirtschaftsjournalist. Vorher arbeitete der promovierte Volkswirt einige Jahre für eine große deutsche Bank. Er engagiert sich in der World Economics Association für eine weniger einseitige und dogmatische Ökonomik. Er ist Träger des Publizistik-Preises der Keynes-Gesellschaft und des Deutschen Wirtschaftsbuchpreises von getAbstract (Ökonomie 2.0).

Lebenslauf

Re: Handelsblatt 12.5. Wo der Krieg gegen das Bargeld tobt

Sehr geehrter Herr Häring,

Ihren obengenannten Beitrag habe ich mit großer Aufmerksamkeit gelesen. Als langjähriger Verfechter der Abschaffung des Bargeldes, nehme ich sehr zufrieden zur Kenntnis, dass derzeit die Regierungen in einigen Ländern Europas, zwar mit kleinen Schritten, um das „Volk“ nicht auf einmal zu sehr zu erschrecken, aber doch zunehmend diesen richtigen Weg eingeschlagen haben.

Schon bald, möglicherweise vor Ablauf des kommenden Jahrzehnts, davon bin ich persönlich überzeugt, wird es in Europa kein Bargeld mehr geben. Nur so kann die Staaten der Schwarzgeldwirtschaft, dem Steuerbetrug, der Korruption und der Kriminalität endlich wirksam Einhalt gebieten. Dieser für das langfristige Funktionieren unserer freiheitlichen Gesellschaft sehr sinnvollen Maßnahme wir jeder zustimmen können, der dem der Gerechtigkeitsaspekt eine Bedeutung beimisst, dem gesunden Menschenverstand folgt und selbst ein reines Gewissen hat.

Im Anhang erlaube ich mir, Ihnen meinen in der „Zeitschrift für Steuern & Recht“(ZSteu) Nr. 15/16/2010 veröffentlichten Beitrag mit der Überschrift „Die Abschaffung des Bargeldes: Ein Meilenstein zur Bekämpfung von Steuerbetrug und Kriminalität“ zur Kenntnis und zum Nachdenken zu übergeben. Die „Schwarzgeld-Wirtschaft“ hat allein in Deutschland nach wissenschaftlich erhobenen Erkenntnissen bereits ein Volumen von weit über 400 Milliarden Euro erreicht, mit steigender Tendenz. Daraus ergibt sich für unseren Staat ein Steuer- und Sozialabgabenausfall von jährlich ca. 40 bis 50 Mrd. Euro, wenn nicht sogar wesentlich mehr! Der größte Teil der „Schwarzgeld-Wirtschaft“ wird getragen von Bargeld-Geschäften. Auch weite Bereiche der Kriminalität funktionieren ausschließlich durch die Existenz des Bargeldes. Mit der Abschaffung des Bargeldes könnte vielem Übel in unserer Gesellschaft die Grundlage entzogen werden. Zudem würde es in den Bundes- und Landesfinanzministerien geradezu Steuern regnen, die Bundes- und Länderhaushalte wären in wenigen Jahren von Grund auf saniert und wirkliche Steuersenkungen, die auch diesen Namen verdienen würden, könnten für die wenigen verbliebenen „treudoofen“ Steuerzahler in unserem Land, die noch brav ihren steuerlichen Pflichten nachkommen, endlich wirksam angegangen werden. Wenn man sich eine solche Maßnahme und ihre Auswirkungen europaweit vorstellen könnte, wären auch die Staatshaushalte europaweit sehr schnell saniert und der Euro nachhaltig in seinem Bestand gesichert. Nach meinen Erfahrungen und Diskussionen mit namhaften Politikern, wie z. B. mit dem Bundesfinanzminister a. D.  Eichel, dem finanzpolitischen Sprecher der "Grünen" im Bundestag, Dr. Schick u.a., zeigt die Politik aber kein besonderes Interesse an der Durchsetzung einer solchen Maßnahme, da große Wählerkreise nachteilig betroffen wären. Und auch für die Politik selbst wäre es dann sehr schwierig, ihre steuerfreien „Bargeld-Schlupflöcher“ weiterhin offen zu halten.

Wir haben es geschafft, mit dem Euro eine neue Währung europaweit einzuführen. Dagegen ist nach meiner Überzeugung die Abschaffung des Bargeldes ein Kinderspiel. Technisch wäre dies ohne große Schwierigkeit auch in D kurzfristig möglich.
Schöne Grüße vom Bodensee, Ihr Georg Wengert.