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Norbert Häring ist seit 1997 Wirtschaftsjournalist. Vorher arbeitete der promovierte Volkswirt einige Jahre für eine große deutsche Bank. Er engagiert sich in der World Economics Association für eine weniger einseitige und dogmatische Ökonomik. Er ist Träger des Publizistik-Preises der Keynes-Gesellschaft und des Deutschen Wirtschaftsbuchpreises von getAbstract (Ökonomie 2.0).

Lebenslauf

Fragen und Antworten zur Frankenfreigabe durch die Schweizerische Nationalbank

Ich werde viel zu der Entscheidung der Schweizerischen Nationalbank gefragt, den Schweizer Franken aufwerten zu lassen. Ich habe dazu bisher noch nichts geschrieben, möchte aber doch die folgenden Fragen eines Physikstudenten nutzen, kurz die Gründe für meine Verwunderung deutlich zu machen. Man darf wohl keine Ökonomie-Lehrbücher gelesen haben, damit man wenigstens die richtigen Fragen stellen kann. Chapeau! 

Sehr geehrter Dr. Häring,
ich bin ein begeisterter Leser der Artikel und Kommentare Ihrer Homepage. Obwohl ich Physik studiere, bin ich auch am Wirtschaftsgeschehen  interessiert. Und ich muss sagen, schon durch Ihre Serie "Stimmt es, dass...?" im Handelsblatt sind mir einige Dinge klar geworden, die man durch Medien, Wirtschaftsunterricht, usw. nicht mitbekommt. Genauso finde ich Ihr Engagement toll, mit dem Sie Ihre Homepage betreiben. Ich hätte zum Beispiel nie gedacht, dass sich der Sachverständigenrat in seinen Gutachten derartige Schnitzer erlaubt, wie Sie ausführlich analysiert haben. So etwas kann man ja sonst praktisch nicht herausfinden, außer man analysiert das Gutachten selber(wofür mir zum Beispiel die Zeit fehlt). Wenn Sie erlauben, hätte ich aber eine Frage bezüglich des Schweizer Franken. Mit freundlichen Grüßen, Florian Buschek


Letzte Woche hat ja die SNB die feste Bindung des Franken an den Euro aufgegeben. Aber warum?
Antwort NH: Irgend eine Kabale, die ich noch nicht durchschaue.

Ich kann die Entscheidung absolut nicht nachvollziehen, zumal es eigentlich nur Verlierer gibt.
Antwort: Ich auch nicht.

Dass etliche Hedgefonds mit Devisengeschäften Verluste einstecken mussten (genau so wie deutsche Kommunen mit in Franken notierenden Krediten) kann der SNB natürlich egal sein. Aber praktisch alle exportstarken Schweizer Unternehmen leiden unter er plötzlichen Aufwertung und viele andere operieren größtenteils mit Euro, müssen aber in Franken bilanzieren, wodurch Gewinne ebenso geschmälert werden.
Sie sagen es.

Außerdem hat ja die SNB die Kursgrenze durch "Interventionen" verteidigt. Dabei hat sie Franken "gedruckt" und damit vor allem auf dem Devisenmarkt Euro aufgekauft. Das konnte praktisch unabhängig von der Schweizer Inflationsrate geschehen und hat der SNB zusätzlich Rekordgewinne beschert (2014: 38Mrd. Franken). Wieso liest man eigentlich überall, dass der SNB die Kursgrenze zu teuer wurde?
Journalisten und sonstige Kommentatoren, die mit irreführenden Lehrbüchern aufgewachsen sind und die Bilanz einer Notenbank nicht lesen und verstehen können, versuchen sich das Unerklärliche mit solchen Floskeln zu erklären. Nach dem Motto: wenn es nicht teuer oder gefährlich wäre, hätte die SNB die Aufwertung des Franken doch weiter verhindert.

Wo liegt hier ein Problem? Die SNB kann Geld drucken, wie sie will, sollte die Inflation doch anziehen kann sie schnell gegenhalten durch z.b höhere Mindestreserven der Banken und ein dickes Devisenpolster kann ja auch nicht schaden.
Sie haben völlig recht. Die Franken, die die Notenbank in Umlauf bringt, kursieren erst einmal nur in der Finanzsphäre. Keiner der Empfänger will etwas damit kaufen. Wenn sie drohen, in Massen die Realwirtschaft zu fluten, kann die SNB sie durch eine höhere, notfalls drastisch höhere Mindestreserve stilllegen.

Die Angst, dass der Euro noch schwächer wird (etwa durch Anleihekäufe der EZB) und den Franken mitzieht ist meiner Meinung nach übertrieben zumal die Schweiz stets als "sicherer Hafen" fungierte. Und selbst wenn der Euro weiter fällt, hätte doch eine schlichte Anpassung der Kursgrenze gereicht, so hat nur das Vertrauen in die SNB stark gelitten.
Die Angst war wohl nicht unbegründet. Eine Anpassung der Kursgrenze hätte wohl dazu geführt, dass die Marktteilnehmer die SNB noch mehr getestet hätten. Aber sie hätte zum Beispiel umschwenken können darauf, statt nur den Euro bei mindestens 1,20 Franken zu halten, einen Währungskorb zu stabilisieren, der z.B. zu 50 Prozent aus dem Euro und zu 50 Prozent aus dem Dollar besteht. Das hätte die extreme Aufwertung verhindert.