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Norbert Häring ist seit 1997 Wirtschaftsjournalist. Vorher arbeitete der promovierte Volkswirt einige Jahre für eine große deutsche Bank. Er engagiert sich in der World Economics Association für eine weniger einseitige und dogmatische Ökonomik. Er ist Träger des Publizistik-Preises der Keynes-Gesellschaft und des Deutschen Wirtschaftsbuchpreises von getAbstract (Ökonomie 2.0).

Lebenslauf

Re: Migrationsdebatte

 Lieber Herr Häring,  leider haben Sie mit Ihrem Beitrag mal wieder sehr recht!  Man muss diese Debatte aus der  "links-gegen rechts"-Schublade herausholen, sonst kommt man den zugrundeliegenden Ursachen nicht bei. Und das wird alles nicht lustig!  Die europäische Rohstoff-, Militär- und Agrarpolitik muss in den  Mittelpunkt gestellt werden, so, wie Sie es auch andeuten. Woher rührt denn die Existenznot der afrikanischen

Bauern? Wer macht ihnen das  Leben  schwer?  Niemand dort geht doch gerne nach Europa, das wäre eine völlig falsche Vorstellung!
 Eine Passage habe ich nicht ganz verstanden, vielleicht fehlt dort etwas?
 "Eine Strategie die es weiter möglich machen soll, dass jedes fünfte  Kind  in Armut und oft in einer dysfunktionalen Familie aufwächst, weil ein  großer Anteil der Bevölkerung Löhne verdient, von denen man keine  Familie ordentlich ernähren und Kinder anständig großziehen kann, und weil  Eltern  umso weniger finanziell  benachteiligt werden, je weniger sie verdienen."
 Dass Eltern umso weniger finanziell beanachteiligt werden, je weniger  sie verdienen? Wie ist das gemeint?
 Mit besten Grüßen. Ihr  Reinhard Blomert

 Lieber Herr Blomert, Je mehr man verdient, desto mehr wird man steuerlichund bei der Rente  benachteiligt, wenn man Kinder hat. Wegen der Progression macht sich dann das Fehlen eines Famliliensplittings stärker bemerkbar. Auch der Einkommensverlust bei KInderbetreung ist  höher, je mehr man verdient. Deshalb werden die Geringverdiener weniger vom Kinder haben abgehalten als die Gutverdiener, was den Anteil der Kinder in ärmeren Familien erhöht. Ähnlich ist es bei der Rente.
Viele Grüße, Norbert  Häring

Lieber Herr Haering, dann war mein Verdacht doch berechtigt, denn so ganz leuchtet mir das
nicht ein: Bekommen die Armen mehr Kinder, weil sie steuerlich weniger benachteiligt werden? So denken Ökonomen. Wir Soziologen glauben eher, - das wäre auch die klassische Begründung - weil sie mehr Kinder benötigen für die eigene Altersvorsorge: Je mehr Kinder, desto größer ist die Chance, dass aus einem etwas wird, das die Eltern im Alter entlasten kann....
Die klassische Ansicht ist doch auch, dass die bessere Ausstattung von Haushalten, also höhere Einkommen, eher zu einer geringeren Kinderzahl führen, die dann jedoch besser erzogen und intensiver betreut werden.
De Besteuerung zum Hauptkriterium beim Kinderkriegen zu erklären scheint mir also etwas gewagt!
Die Lösung für die Geburtenschwäche liegt m. E. allein in einem Wandel der Mentalität: Aufwertung der Reproduktionssphäre ist notwendig,  mit welchen Mitteln auch immer - steuerliche sind eine Möglichkeit, aber auch im Rollenverständnis, etc.,
beste Grüße, Ihr Reinhard Blomert