Wieder jede Menge Nationalsozialismus und Rassismus bei Telepolis – Was ist los beim Politmagazin von Heise Online?

Nachdem er sich ein halbes Jahr lang zurückgezogen hatte, oder aus der Schusslinie genommen wurde, hat sich „Deutschlands übelster Schmierfink“, Thomasz Konicz, im Politmagazin Telepolis von Heise Online mit Wucht zurückgemeldet. Als er dort Ende 2016 Sahra Wagenknecht in dutzendfacher Wiederholung als Nazi beschimpfte, hatte er viele Leser und einige wichtige Autoren des linksgerichteten Magazins arg vergrätzt. Nun darf er die Dreckschleuder wieder schwingen.

2 x braun, 1 x faschistoid, 3 x Nazi, 6  x nationalsozialistisch, 1 x Hitler hatte ich in seinem Text „Nationalsozial in den Wahlkampf“  über Wagenknechts Haltung und Programmatik gezählt und in einem Blogbeitrag die Frage gestellt, ob Chefredakteur Florian Rötzer fahrlässig oder absichtsvoll handelt, wenn er derartige Verleumdungen verbreitet, wie sie Konicz in ähnlicher Form auch schon gegen Gegner von TTIP und Autobahnprivatisierer auf Telepolis abgesondert hatte. Hunderte Leser hatten im Leserforum von Telepolis ihren Unmut über die Nazi-Beschimpfung Wagenknechts geäußert, aber das störte offenbar nicht. Wenige Tage später war er wieder zu lesen. Doch als ich die Sache auf meinem Blog zum Thema machte, musste sich der Chefredakteur, mit der linken Patina äußerst kritischen Fragen von Telepolis-Autoren stellen. Danach tauchte Konicz bis Mitte-Juni nicht mehr auf Telepolis auf. Seit dem Ende seiner Abkühlungspause schreibt er als freier Mitarbeiter wieder mit zunehmender, inzwischen sehr hoher Frequenz, zunächst nur über globalgalaktische Themen und die AfD - bis zum jüngsten Showdown von Katja Kipping und Bernd Rixinger mit Sahra Wagenknecht. Da war für die Telepolis-Chefredaktion offenbar klar: darüber kann nur Thomasz Konicz fundiert berichten. Und das tat er, und zwar unter der in Anbetracht ihres Siegs im Machtkampf mit Rixinger und Kipping etwas eigenwiligen Überschrift: "Wagenknecht unter Druck". Das Ergebnis in Schlagworten:

  • 5 x rassistisch, Rassismus etc.
  • 6 x nationalsozial, Nazi, braun
  • 10 x Ressentiments
  • 10 x populistisch etc.
  • 34 x rechts, auch in Verbindungen wie rechte Hetzte, rechtsextrem, neurechts usw.

Um solche eindrucksvollen Zahlen zu erreichen musste Konicz einige Aussagen und geeignete Zitierungen wiederholen, zum Teil mehrfach. Man hat fast den Eindruck, er hatte eine Quote zu erfüllen. Ein Teil der Treffer geht darauf zurück, dass er die ganz harten Vorwürfe in der Verneinung anbringt, wie in „Wagenknecht ist kein Nazi“, was etwa so ehrlich und nett ist, wie wenn man auf einem Empfang jemand vorstellt mit dem Zusatz: „Er hat noch nie ein Kind missbraucht.“ Irgendwie ein bisschen Nazi ist schon drin, wenn man das so ausdrücklich sagen muss, soll der Leser daraus folgern und Konicz hilft nach, indem er Wagenknecht und Lafontaine erneut die antisemitische Naziterminologie vom raffenden (jüdischen) Kapital unterschiebt. Auch eine einfühlsame küchenpsychologische Erklärung für Wagenknechts vorgeblichen Rassismus hat er parat: wegen ihrer halb persischen Abstammung und ihrem fremdländischen Aussehen sei sie früher selbst diskriminiert worden; deshalb wolle sie heute unbedingt zur (diskriminierenden) Mehrheit gehören. 

Wenigstens Hitler muss nicht noch einmal als Maßstab herhalten um aufzuzeigen, wes Geistes Kind und wie gefährlich Wagenknecht ist. Diesmal müssen Alexander Gauland und Compact-Chefredakteur Jürgen Elsässer reichen.

Nach der ersten derartigen Entgleisung von Konicz auf Telepolis hatte ich gefolgert:

Es ist schwer zu sagen, ob der Chefredakteur von Telepolis einfach nur seine Arbeit nicht macht und jeden verleumderischen Dreck veröffentlicht, den ihm freie Mitarbeiter zuschicken, oder ob noch Bedenklicheres dahinter steht. Klar scheint jedoch, dass Telepolis neben Jungle World und Konkret die dritte und mit Abstand reichweitenstärkste Spielwiese der pseudolinken Heckenschützen geworden ist. Sie sehen ihre Aufgabe darin, linkes Gedankengut und linke Akteure, die wirkmächtig werden, mit einstudierten semantischen Tricks als antisemitisch, nationalsozialistisch oder mindestens neurechts zu diffamieren.

Nun scheint klar zu sein, dass Bedenklicheres dahinter steht.

Übrigens finden sich wie schon vor einem knappen Jahr wieder Hunderte, zum Teil sehr kritische Leserkommentare unter Konicz Artikel, mit Titeln wie: „Konicz im Wahn“, „neulinke, antideutsche Nato-Trolle bei der Arbeit“ und „Das tragische ist nicht das Elend der Linkspartei sondern der Autor des Artikels“. Es scheint die Chefredaktion nicht zu stören. Am nächsten Tag ist Konicz wieder mit einem sehr langen Artikel über Osterreich, Hitler und so weiter auf der Titelseite. [19.10.2017]

Nachtrag (20.10): Auf Anregung eines Lesers möchte ich hier noch auf meinen Beitrag Die unerhörte Selbstkrönung der Sahra W. – Anatomie einer Umdeutung von Oktober 2016 verlinken, indem ich die weithin grob falsche Berichterstattung über den vorletzten Angriff von Kipping auf Wagenknecht analysierte.

Nachtrag 2 (20.10): Heute legt Konicz' Geistesverwandter bei Telepolis, Peter Nowak, mit einem gewohnt wirren Bericht zum Streit in der Linken nach. Bemerkenswert ist vor allem der Titel: "Geht es um Rassismus oder um Regierungsfähigkeit?" Das Wort Rassismus kommt nämlich außer im Titel in dem Text nicht vor. Von wem der Titel stammt, weiß ich wohlgemerkt nicht. Oft ist er nicht vom Autor.

Korrekturhinweis (21.10): Auf Einspruch von Herrn Konicz hin habe ich die Passage korrigiert, in der ich geschreiben hatte, er hätte solche Verleumdungen in ähnlicher Form auch schon gegen Gegner von TTIP und Autobahnprivatisierungen vorgetragen. Tatsächlich hat er Autobahnprivatisierer, nicht deren Gegner, indirekt aber deutlich zu Nazis und Rassisten erklärt. Auch das finde ich - trotz meiner harten Kritik an Autobahnprivatisierungen - völlig unanagemessen und eine Verharmlosung von echtem Rassismus und Nationalsozialismus. Ich bitte den Fehler in der ersten Fassung zu entschuldigen. Bezugspukt ist der Beitrag "Autobahn und Ausländerhass", in dem es unter anderem hieß: "Diese tendenziell nationalsozialistische Logik konstruiert absurde, nicht gegebene ökonomische Konflikte zwischen der ‚Volksgemeinschaft‘ und all den Randgruppen und Bevölkerungssichten, die nicht in das rechtsextremistische Weltbild des rassereinen deutschen ‚Volkes‘ passen." Herr Konicz widerspricht dieser Kritik: er habe vielmehr "in dem Text beschrieben, wie Ressentiments (Rassismus, Ausländerfeindlichkeit, Hass auf "Sozialschmarotzer") in Kampagnen von Funktionseliten dazu genutzt werden, um neoliberale Politik durchzusetzen."

Nachtrag (22.10): Herr Koniz hat Widerspruch angemeldet und wir haben per E-Mail disktutiert, über die Grenzen von Kritik, offene Grenzen und offene Haustüren.

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