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Norbert Häring ist seit 1997 Wirtschaftsjournalist. Vorher arbeitete der promovierte Volkswirt einige Jahre für eine große deutsche Bank. Er engagiert sich in der World Economics Association für eine weniger einseitige und dogmatische Ökonomik. Er ist Träger des Publizistik-Preises der Keynes-Gesellschaft und des Deutschen Wirtschaftsbuchpreises von getAbstract (Ökonomie 2.0).

Lebenslauf

Stimmt es, dass die Finanzkompetenz der Bürger besser werden muss? (Teil 2), mit Leserreaktionen und Antwort

Meine erste Kolumne zur Finanzkompetenz hat einigen Widerspruch geerntet. Darin hatte ich den Verdacht geäußert, dass die vielfältigen Beschwörungen einer verbesserten Finanzkompetenz der Bürger nur dazu dienen sollen, Regulierungen zum Schutz der Kunden vor Abzocke abzuwehren. Zur Klarstellung: Mehr praktische Finanzbildung in der Schule ist sehr sinnvoll. Klar muss nur sein, dass man sie  nicht auf einen Stand bringen kann, der es den allermeisten Bürgern erlaubt, gegenüber Anbietern von

Finanzprodukten und Finanzberatern zu bestehen, die fast immer bei der Beratung Eigeninteresse verfolgen, insbesondere ihre Einnahmen maximieren wollen.

 Ich will nicht in einer Welt leben, in der die Dummen, Denkfaulen und Naiven Freiwild für die Klügeren und Skrupellosen sind. Deshalb verdienen auch diejenigen Schutz und Hilfe, denen es an den nötigen intellektuellen Fähigkeiten oder der Energie mangelt, schwierige Finanzfragen zu durchdringen.

 Man kann das auf freiheitliche Weise und mit überschaubarem Aufwand erreichen, indem man standardisierte Finanzprodukte für verschiedene Zwecke definiert. Diese müssen moderate Verwaltungskosten, eine einfache Struktur und ein angemessen geringes Verlustrisiko aufweisen. Die Lebensversicherung ist ein Beispiel für ein solches staatlich reguliertes Produkt. Nur leider ist es kein gutes, weil es in völlig intransparenter Weise Kundengelder mit dem Geld des Unternehmens vermischt. Die Riesterrente ist ein weiteres missratenes Beispiel aus dieser Kategorie. Es fehlt die Begrenzung der Verwaltungskosten. Aber das Grundprinzip stimmt. Wer ein solches Produkt anbieten will, muss sich den Regeln unterwerfen und wird kontrolliert. Wer das nicht will kann auch ein beliebiges anderes Produkt anbieten.

 Solche Produkte sollte es für die Altersvorsorge, für den Vermögensaufbau und eventuell für das Ansparen auf größere Anschaffungen geben. Menschen mit mäßiger bis schwacher Finanzbildung haben dann einfach erfassbare Alternativen, bei denen sie davon ausgehen können, dass sie nicht weit daneben liegen und nicht über den Tisch gezogen werden.

 Beratungsprotokolle sind demgegenüber ein reines Ablenkungsmanöver, das seriöse Beratung unnötig mühsam macht und unseriösen Beratern erleichtert, sich rechtlich abzusichern.

Zu den Leserreaktionen auf diese Handelsblatt-Kolumne und meiner Antwort.