Lässt Google nun alles verschwinden, was nicht Mainstream ist?

Eine große linke Website aus den USA hat festgestellt, das bei ihr die Google-Verweise eingebrochen und bei anderen linken und progressiven Webseiten die Besucherzahlen gesunken sind, seit Google eine Umstellung seines Suchalgorithmus angekündigt hat, der den Zugang zu „Fake News“ erschweren soll. Es würde mich sehr wundern, wenn es rechten und anderen Webseiten, die nicht der Meinungsmitte huldigen, besser erginge.

Ich habe nicht die nötigen Tools und die Fähigkeiten, alles nachzuprüfen, was World Socialist Website (WSWS) recherchiert hat. Aber es scheint mir ebenso absehbar wie plausibel, nach allem was die Akteure in Politik, Medien und Silicon Valley in Sachen „Fake News“ so von sich gegeben haben. Man erinnere sich an die unsägliche Schwarze Liste der noch unsäglicheren anonymen Gruppe ProporNot, die die Washington Post (in Besitz des Amazon-Gründers Jeff Bezos) im November 2016 mit einem großen Bericht auf der ersten Seite promotete. Ich hatte darüber geschrieben:

Wie es in dem Artikel der Washington Post so richtig heißt, haben Facebook und Google versprochen, etwas gegen die Verbreitung von Fake News zu tun, nachdem sie scharf kritisiert wurden, weil sie im Zuge des Präsidentschaftswahlkampfes nicht genug dagegen getan hätten. Diese Kampagne, die die Post hier betreibt, soll alles das als Fake News definieren, was die Mitglieder dieser schwarzen Liste – angeblich im Dienste Moskaus – publizieren. Es sollen also nicht etwa die massenhaft von offiziösen Kreisen gestreuten, bisher völlig unsubstantierten Theorien über russische Einflussnahme auf die US-Wahlen als Fake News bekämpft werden. Etwa der Bericht der Post, wonach Hilary Clinton vielleicht auf Putins Befehl vergiftet wurde. Nein, es sollen unabhängige und kritische Informationsquellen, die den etablierten Medien die Deutungs- und Informationshoheit immer mehr streitig machen, daran gehindert werden, ihr Publikum zu erreichen und von diesem ernst genommen zu werden. Es gibt wenig Zweifel daran, dass Amazon, Facebook und Google in der Lage sind, dies zu bewerkstelligen. Es brechen schwere Zeiten für die Meinungsfreiheit und für kritische Geister an. Der Glaubwürdigkeit der etablierten Medien werden solche Kampagnen zur Unterdrückung von Konkurrenz aber absehbar nicht guttun.

Die Liste enthielt so ziemlich alles was in den USA Rang und Namen hat, links wie rechs, und Webseiten betreibt, auf denen sich Leute informieren, die sich nicht oder nicht nur bei den Mainstream-Medien informieren wollen.

Am 7. April meldete Bloomberg News WSWS zufolge, Google arbeite direkt mit Jeff Bezos Washington Post und der New York Times zusammen, um die Fakten in Artikeln zu prüfen und „Fake News“ zu eliminieren. Darauf folgte dann Googles neue Suchmethodik.

In den drei folgenden Monaten sei die von Google kommende Besucherzahl von WSWS drastisch gesunken. Nach eigenen Angaben hatte WSWS im Frühjahr rund 900.000 individuelle Aufrufe pro Monat. Laut eines Google-Tools für Webmaster sei die Anzahl der Anzeigen von WSWS als Suchergebnis von 467.000 pro Tag auf 138.000 gesunken. Die durchschnittliche Anzeigeposition habe sich gleichzeitig von Rang16 auf Rang 37 drastisch verschlechtert.

Laut WSWS haben sich auch Besucherzahlen für andere linke und alternative Seiten seit der Algorithmusänderung von Google deutlich verschlechtert, darunter WikiLeaks, Alternet, Counterpunch, Global Research, Consortium News und Truthout. Selbst bekannte Bürgerrechtsorganisationen wie die American Civil Liberties Union und Amnesty International seien offenbar betroffen.

Ein Check beim Analysedienst Alexa zeigt kein klares Bild. Zum Teil, wie bei Consortium News gibt es den Einbruch erst im Juli, zum Teil, wie bei Counterpunch, hat er schon etwas vor April eingesetzt, und im Juli ging es wieder etwas hoch. Ich kenne mich auch nicht hinreichend aus im Ökosystem linker US-Webseiten, um checken zu können, ob es vielleicht genauso viele Gegenbeispiele gibt. Aber selbst wenn, könnte das immer noch heißen, dass die „Bewerter“ von Google einfach noch nicht alle Fake News Seiten als solche indexiert haben. Fake-News-Seite ist dabei unter anderem alles, was die Google Nutzer der Gefahr aussetzt, von „Verschwörungstheorien“ verstört zu werden.

Ich nehme an, bei deutschsprachigen Angeboten sind die Google-Bewerter auch noch nicht angelangt. Das wird wohl noch etwas dauern, aber sehr lange vermutlich nicht.

Wie gesagt, das ist erst eine Quelle und kein Beweis. Es reicht aber, um den Administratoren von allen irgendwie kritischen Webseiten zu empfehlen, in nächster Zeit sehr genau zu kontrollieren, was googleseitig passiert und dies auch öffentlich zu machen, damit bekannt wird, falls systematisch vom Mainstream abweichende Meinungen und Informationen unterdrückt werden sollten.

Auf meiner eigenen Seite nutze ich keine Google Analytics oder ähnliche Tools, um die Privatsphäre der Leserinnen und Leser nicht unnötig weiter zu beschneiden.

Dossier zu bedrohten Meinungsfreiheit

30.7.2017

profilbild

________________