In Deutschland werden keine 100 Mrd. Euro Schwarzgeld gewaschen

"In Deutschland wird schwarzes Geld im Umfang von etwa 100 Milliarden Euro gewaschen" hieß es Anfang Februar in allen Medien. Quelle der spektakulären Zahl war das Finanzministerium in Berlin, das sich auf eine selbst in Auftrag gegebene Studie berief. Folgerung: Eine gesetzliche Barzahlungsobergrenze ist nötig. Nun stellt sich heraus: nichts an den angeblichen 100 Mrd. Euro Geldwäsche stimmt.

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Im April nahm das Ministerium einen ausführlichen Bericht über die Studie in seinen Monatsbericht auf, was die spektakuläre Zahl von 100 Mrd. Geldwäsche erneut in die Medien brachte.

Wie in der Montagsausgabe des Handelsblatts (nur print) zu lesen, hat der Strafrechtler Kai Bussmann von der Uni Halle/Wittenberg in seiner bisher nur als Kurzfassung veröffentlichten Studie kein Geldwäschevolumen von 100 Mrd. Euro pro Jahr ermittelt. Er hat vielmehr nur 20 Mrd. ermittelt. Er hat auch kein Geldwäschevolumen ermittelt, sondern ein Volumen tatsächlicher und unterbliebener Verdachtsmeldungen geschätzt. Verdacht auf mögliche Geldwäsche ist aber nicht dasselbe wie Geldwäsche. Die 100 Mrd. Euro bringen Bussman und das Ministerium in Umlauf, indem Bussmann auf Basis seiner eigenen 20 Mrd.-Euro-Schätzung postuliert, diese seien wohl viel zu niedrig, und die gut 100 Mrd. Euro Geldwäsche aus einer sogenannten ECOLEF-Studie seien plausibel. In der ECOLEF-Studie für die EU-Kommission wird aber ebenfalls kein Geldwäschevolumen ermittelt, sondern international vorhandenes Schwarzgeld, das möglicherweise in Deutschland, aber ebensogut in Österreich, gewaschen werden könnte.

Sowohl der bekannte Schattenwirtschaftsexperte Friedrich Schneider, als auch der Experte für Manipulation mit Statistiken, Walter Krämer äußern sich im Handelsblatt kritisch zu der Studie.

Zur Kurzfassung der Studie: “Dark figure study on the prevalence of money laundering in Germany …” 

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