Wie eine gekaufte UN-Organisation mit Visa und Mastercard an der Abschaffung des Bargelds arbeitet: Teil 2: Finanzielle Inklusion als Vorwand

Eine Better-Than-Cash Alliance will mit dem von Bill Gates gekauften United Nations Capital Development Fund wie in Teil 1 beschrieben, innovative Bezahlsysteme voranbringen und Bargeld zurückdrängen, angeblich zum Wohle armer Menschen in Entwicklungsländern. Obwohl es in Wahrheit nur um Profite und Überwachung geht, machen Entwicklungshilfeministerien und Förderbanken mit.

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Die Stiftungen der Organisationen, die sich schon in den 90er Jahren zum Programm gemacht hatten, aus der Ausnutzung der finanziellen Notlage armer Menschen in Entwicklungsländern ein einträgliches Geschäft zu machen, sind weitgehend die gleichen, die jetzt die Anti-Bargeld-Allianz betreiben, um noch mehr an den Armen zu verdienen, Bill Gates (Microsoft), Omidyar (eBay), Ford Foundation, Citi, Mastercard, Dell gründeten 1995 bei der Weltbank die Consultative Group Assist the Poor (CGAP), um das damals noch recht unbedeutende Mikrofinanz-Modell des Fullbright-Studenten Muhammad Yunus zu propagieren und groß zu machen. Neben der Förderung des Geschäftsinteresses der beteiligten Unternehmen ging es Organisationen wie der Weltbank darum, andere Formen der Entwicklungspolitik und Entwicklungshilfe mit dieser am Individuum ansetzenden, anti-staatlichen pseudo-Entwicklungspolitik zu verdrängen – ganz im Sinne des damals etablierten, markfundamentalen „Washington-Consensus“. Die Mikrokredit-Offensive führte in vielen Ländern, nicht zuletzt in Yunus Heimatland Bangladesch zu Überschuldungsexzessen und Selbstmordepedemien. Ein sehr großer Teil der Kunden der Mikrokreditgeber nehmen heute die Kredite auf, um alte Kredite zu bedienen (siehe Die soziale Maske der Mikrokredit-Mafia rutscht).

Hätten die Initiatoren das Ziel der Armutsbekämpfung ernst gemeint, hätten sie sich vor allem auf Kreditvergabe zu günstigen Konditionen an junge, vielversprechende und wachsenden Unternehmen konzentrieren müssen, nicht auf Kleinstkredite zu immer mehr marktbasierten und damit sehr hohen Zinsen an Einzel-„Unternehmer“, die mit ihrer Aktivität nicht viel bewirken als konkurrierenden Einzel-„Unternehmer“ zu verdrängen.

Genauso verlogen ist die Begründung, mit der die gleichen Gruppen aus der Finanz- und Datenbranche heute das Bargeld aus den Entwicklungsländern verdrängen wollen, angeblich um den Zugang von deren ärmsten und ländlichsten Schichten zu wichtigen Finanzdienstleistungen zu verbessern – natürlich völlig uneigennützig. Auf den ersten Blick klingt es ja ganz überzeugend, was sie sagen. Es ist viel leichter, ein paar Vertreter auf die ländlichen Gebiete zu schicken damit sie dort Leuten, die keine Bankverbindung haben, mobile Banking verkaufen, als überall Bankfilialen zu errichten. Aber eben nur auf den allerersten, flüchtigsten Blick. Schon auf den zweiten Blick fängt man an zu zweifeln. Bargeld ist die mit großem Abstand einfachste Technologie um am Zahlungsverkehr teilzunehmen. Es braucht dafür fast keine Infrastruktur. Es ist wahr: damit es richtig gut funktioniert, auch wenn man etwas größere Umsätze macht, braucht es Infrastruktur, muss man überschüssiges Bargeld deponieren können und Wechselgeld besorgen können. Das lässt sich für die Anbieter digital leichter aufbauen bzw. ersetzen. Aber damit verbessert man nur den Zugang der etwas Etablierten in den nicht ganz abgehängten Regionen zu Zahlungsverkehrsdienstleistungen. Mit finanzieller Inklusion hat das wenig zu tun, wenn man gleichzeitig die Versorgung mit Bargeld oder die Möglichkeiten Bargeld zu nutzen beschränkt. Denn letzteres bewirkt, das jemand, der zwar ein kelines, informelles Geschäft oder Handwerk betreiben und davon halbwegs leben könnte, das nicht mehr tun kann, weil er sich die Infrastruktur für den bargeldlosen Zahlungsverkehr nicht leisten kann, und weil viele seiner Kunden nichts anderes haben als Bargeld.

Die Better Than Cash Alliance und ihre assoziierten Gruppen schreiben zwar nicht allzu viel darüber, dass es ihnen auch darum geht, Bargeld aktiv zurückzudrängen, aber man muss auf Ihren Webseiten nicht lange suchen, um entsprechende Politiken gelobt oder verfochten zu finden, sowie Lamenti darüber, dass die Armen und der Mittelstand so viel mit Bargeld operieren. Ein Beispiel von vielen ist etwa die wohlwollende Beschreibung der Strategie Nigerias, die neben Informationskampagnen ach „Begrenzungen der Bargeldnutzung und beträchtliche Gebühren zum Unattraktivmachen von Bargeldabhebungen und –einzahlungen“ beinhaltet.

Sogar im reichen und fortschrittlichen Schweden sah sich die Notenbank vor kurzem genötigt in einer Stellungnahme zu einem Zahlungsverkehrsgesetz darauf hinzuweisen, dass bestimmten Bevölkerungsgruppen und Regionen schwerwiegende Nachteile drohen, weil ihnen der Bargeldhahn abgedreht wird, ohne dass es überall entsprechende unbare Zahlungsdienste gibt, die sie auch nutzen können (siehe: Schwedens Zentralbank bremst den Marsch in die bargeldlose Gesellschaft). Die Notenbank schrieb:

„„Die Reichsbank möchte betonen, dass sie nicht gegen die Transformation des Zahlungsverkehrsmarktes ist, sondern dessen Fortentwicklung und Innovationen begrüßt.  Aber verschiedene Gruppen werden den Strukturwandel als problematisch erfahren. Deshalb muss er in einem Tempo vor sich gehen, der es unwahrscheinlich macht, dass sie vom Zahlungsverkehr ausgeschlossen werden.  Aufgrund der zentralen Rolle des Zahlungsverkehrs in der Gesellschaft, müssen die Gruppen berücksichtigt werden, die mehr Zeit brauchen, sich an neue Zahlungsmethoden anzupassen.“

Das Bargeld zurückzudrängen führt also zu finanzieller Exklusion, nicht zu Inklusion, ist die Botschaft. Versteckt und verschämt geben das die Besser-Als-Bargeld-Allianz und die verwandten Kampfgruppen von Gates-Foundation, Ford-Foundation, Mastercard und Visa in ihrem Propagandamaterial sogar zu. So lobt die Consultative Group to Assist the Poor „frühe Erfolge“ folgendermaßen:

„In Bangladesch zum Beispiel nutzte Ende 2013 mehr als jeder Fünfte mobile Finanzdienste. In Tansania nutzt mehr als die Hälfte der Mobiltelefonnutzer mobiles Banking.“

Wenn das die Haupterfolge einer Kampagne zur finanziellen Inklusion der Ärmsten sein sollen, dann ist das mehr als ärmlich. Immerhin heißt das, dass vier Fünftel der Bangladeschi keine mobilen Finanzdienste nutzten oder nutzen konnten und dass die Hälfte aller Mobiltelefonnutzer in Tansania kein mobiles Banking betrieben oder betreiben konnten, von denen, die keine Mobiltelefon haben, ganz zu schweigen. Und so schreibt die Gruppe denn auch:

„Trotz des Potentials der digitalen Finanzdienste, die nicht mit Bankdienstleistungen Versorgten zu erreichen, bleiben Herausforderungen. Viele Anbieter haben Probleme, nützliche Produkte zu entwickeln, die die Kunden auch aktiv nutzen. (…) Selbst in Kenia, wo die Mehrheit der Erwachsenen mobiles Geld nutzen, sind weniger als ein Prozent der Transaktionen der Haushalte mit niedrigem Einkommen digital.“

Weniger schonend ausgedrückt heißen die Erfolgsmeldungen und die Probleme zusammen, dass das Ganze eine Strategie der Kreditkarten- und Internetfirmen ist, den Mittelstand der Entwicklungsländer mit ihren Produkten zu erreiche und von diesen abhängig zu machen.

Und zur Problematik des gläsernen Menschen heißt es unter den „Herausforderungen“ in einem kurzen Satz lakonisch:

„Auf der Datenseite muss die Privatsphäre der Kunden abgewogen werden mit dem Potential der Daten, bei der Entwicklung neuer Finanzdienste zu helfen.“

Zum Glück können wir sehr zuversichtlich sein, das die beteiligten US-Unternehmen aus der Finanz- und Datenkrakenbranche, unterstützt von patriotischen Organisationen wie der Ford Foundation und US-AID, und gemeinsam mit den autokratischen Regierungen, mit denen sie zusammenarbeiten, diese Abwägung nach bestem Wissen und Gewissen im Sinne der betroffenen Bürger vornehmen werden.

Fazit: Worum es letztlich geht, wird in einem Zitat  aus einer Untersuchung von US-AID zum großen und attraktiven Markt für (US-)Finanzdienstleister, Indien, deutlich.

„Weniger klar ist, wie wir das tägliche Verhalten von Konsumenten und Händlern in einer bargeldbasierten Wirtschaft wie Indien ändern können.“

Mehr zum Thema

Wie eine gekaufte UN-Organisation mit Visa und Mastercard an der Abschaffung des Bargelds arbeitet (1)

Dossier zum Kampf um das Bargeld

Buch: Die Abschaffung des Bargelds und die Folgen

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