Griechenland und die EZB: Eine Verschwörung wird sichtbar

 Ein Notenbankchef in Athen sabotiert im Sinne der Europäischen Zentralbank die eigene Regierung und verschwört sich mit dem Staatspräsidenten und ehemaligen Regierungschefs. Nach erfolgreicher Unterwerfung der rebellischen Regierung, deren neuer Finanzminister ein enger Freund von ihm ist, reist er zusammen mit dem Staatspräsidenten zur EZB nach Frankfurt um sich seine Belobigung abzuholen. Das ist keine Erfindung, das ist jetzt dokumentiert.

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Die Bundesbank teilte per Pressemitteilung am 19. Januar mit:

 "Staatspräsident Griechenlands besucht die EZB

 Der Präsident der Hellenischen Republik, Prokopis Pavlopoulos, besuchte heute mit einer Delegation die Europäische Zentralbank (EZB). Begleitet wurde er vom Präsidenten der griechischen Notenbank, Giannis Stournaras. Im Rahmen seines Besuchs traf Staatspräsident Pavlopoulos mit Mario Draghi, Präsident der EZB, und mit Benoît Coeuré, Mitglied des EZB-Direktoriums, zusammen, um die Lage und Perspektiven der Wirtschaft im Euro-Währungsgebiet zu erörtern."

 Wir erinnern uns. Die Syriza-geführte Regierung stand in kontroversen Verhandlungen mit den europäischen Institutionen. Die EZB hatte um Druck auszuüben die griechischen Banken von der normalen Refinanzierung bei der EZB abgeklemmt und den Zugang zu Euro über Notkredite von der griechischen Zentralbank streng rationiert. Finanzminister Ylanis Varoufakis hatte deshalb Notfall-Pläne augearbeitet, um im Falle einer Schließung der griechischen Banken durch die EZB den Zahlungsverkehr aufrecht zu erhalten, indem Staatsschuldscheine in Umlauf gebracht werden.

Bekannt war bereits, dass ein enger Mitarbeiter von Notenbankchef Stournaras im Mai per E-Mail ein Memo an einen Finanzjournalisten schickte, in der die Verhandlungsführung der Regierung gegeißelt und die (von der EZB verschärften) Probleme der griechischen Banken hervorgehoben wurde.

Nun hat der Notenbankchef selbst vor kurzem in einer großen griechischen Zeitung auch noch damit geprahlt, wie er sich gegen Pläne der Regierung verschwor, durch Vorbereitungen für eine Organisation des Zahlungsverkehrs mit staatlichen Schuldscheinen der Drohung der EZB, die Banken zu schließen, die Spitze zu nehmen.  Er habe die Rechtsberater der Notenbank zusammengerufen, sowie Persönlichkeiten, die als frühere Premierminister amtiert hätten. Er habe mit dem Präsidenten der Republik geredet, und man habe eine Mauer errichtet zu Verteidigung gegen Entwicklungen dieser Art.

Schon im April 2015 könnte Alexis Tsipras mit der Ablösung von Giannis Varoufakis als Chefunterhändler durch Euklid Tsakolotos seine Kapitulation gegenüber der Bank von Griechenland und der EZB erklärt haben. Der nächtliche Verhandlungsmarathon im Juli, nach dem er seine Kapitulationsurkunde endgültig unterzeichnete, könnte nur noch Show gewesen sein, so wie die Kartenspielrunden bis in die frühen Morgenstunden, mit denen bei Tarifverhandlungen hartes Ringen um einen Kompromiss simuliert wird.

Weshalb ich das vermute? Am 15. Januar 2016 war unter einem Handelsblatt-Interview mit Tsakolotos in der Vita zu lesen: „Er ist Marxist - und mit dem konservativen Notenbankchef Ioannis Stournaras eng befreundet.“ Und der Wikipedia-Eintrag über seine Frau lautet:

Heather Denise Gibson (Greek: Χέδερ Ντενίζ Γκίμπσον; born in Glasgow) is a Scottish economist currently serving as Director-Advisor to the Bank of Greece (since 2011). She is the spouse of Euclid Tsakalotos, current Greek Minister of Finance.”

Tsakolotos Frau ist seit 2011 “Direktoriumsberaterin” der griechischen Notenbank. Stournaras war von 2009 bis 2012, als er in die Regierung ging, Generaldirektor eines volkswirtschaftlichen Forschungsinstituts der Notenbank.

Die Freundschaft der drei geht zurück bis zur gemeinsamen Studienzeit in England. Sie schrieben 1992 auch ein Buch zusammen, (Heather D. Gibson, Yannis Stournaras, Euclid Tsakalotos: The Real and Financial Sectors in Southern Europe: Catch-up, Convergence and Financial Institutions, University of Kent, Canterbury 1992.)

Zusammenfassung: Der ehemalige Chefunterhändler der griechischen Regierung mit den europäischen Institutionen und jetzige Finanzminister war und ist eng befreundet mit und seine Frau arbeitet unter einem Notenbankchef, der die Pläne der Regierung aktiv hintertrieb.

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