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Norbert Häring ist seit 1997 Wirtschaftsjournalist. Vorher arbeitete der promovierte Volkswirt einige Jahre für eine große deutsche Bank. Er engagiert sich in der World Economics Association für eine weniger einseitige und dogmatische Ökonomik. Er ist Träger des Publizistik-Preises der Keynes-Gesellschaft und des Deutschen Wirtschaftsbuchpreises von getAbstract (Ökonomie 2.0).

Lebenslauf

Aktualisiert: Köln als Fanal für Radikalisierung und Glaubwürdigkeitsverlust durch politische Über-Korrektheit

In der Silvesternacht wurden vor dem Hauptbahnhof in Köln und in anderen Städten Dutzende Frauen Opfer von massiver sexueller Belästigung und Diebstahl, durch Meuten von  – Berichten zufolge –ausländisch aussehenden Männern. Es dauerte Tage, bis die etablierten Medien ernsthaft berichteten. Dafür ist in den Internetmedien die Hölle los, bis hin zu Aufrufen zur Selbstbewaffnung. Und die Hetzer haben den Glaubwürdigkeitsgewinn.

Wir haben es ja schon lange gesagt, aber wir wurden ignoriert und verunglimpft, heißt es nun tausendfach in den sozialen Medien. Dieses Desaster für die Medien und die Politik scheint eine direkte Folge der derzeitigen politischen Überkorrektheit in allem zu sein, was mit den offenen Grenzen und der Massenzuwanderung zu tun hat. Weil es Islamhasser und Fremdenfeinde gibt, die die Zugewanderten pauschal als potentielle Terroristen, Sexualstraftäter und allgemein Kriminelle denunzieren, fürchten sich Politiker und Medien davor, sich mit dem was es an Einschleusungsgefahr und Kriminalität unzweifelhaft gibt, auseinanderzusetzen. Man will ja kein Wasser auf die Mühlen der Fremdenfeinde gießen. Das ist dann das Ergebnis. Wenn doch etwas Größeres passiert, was man nicht unter der Decke des Schweigens halten kann, ist die Glaubwürdigkeit ruiniert und die Glaubwürdigkeit der Fremdenhasser in den Augen der Zweifelnden erheblich gestiegen.

Für eine vernünftige Aufklärung und das Ziehen sinnvoller Schlussfolgerungen gibt es dann kaum noch eine Chance. Dabei gibt es viel aufzuklären. Wie etwa das netz-gegen-nazis.de in einem einseitigen aber bedenkenswerten Text darlegt, ist gar nicht klar, ob und in welchem Maße das Begrapschen der Frauen „nur“ Ablenkungsmanöver für Diebstahl durch organisierte Kriminelle war. Ob und in welchem Maße Flüchtlinge beteiligt waren ist natürlich auch völlig offen.

Aber wenn man dann erst am 4. Januar berichtet und versucht aufzuklären, dann nimmt einen kaum noch jemand richtig ernst und man kann der zunehmenden Radikalisierung nichts mehr entgegensetzen.

https://pbs.twimg.com/profile_images/598406901475495937/VEBwO3lT_bigger.pngZDF heuteplus ‏@heuteplus 14 Std.Vor 14 Stunden

Fakten zu #Köln (3): Viele behaupten, dass die Täter Flüchtlinge waren, obwohl es dafür keine Beweise gibt.

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Update: 5.1.2016, 19 Uhr:

Inzwischen haben die Kölner Polizei und das ZDF Kommunikationsfehler eingeräumt und der Deutsche Journalistenverband die "zurückhaltende Berichterstattung" verteidigt. Quelle: dwdl.de

In einer Pressemitteilung der Kölner Polizei vom 1.1.2016 um kurz vor 9 Uhr ist von friedlichen Silvesterfeierlichkeiten die Rede.

DWDL.de: Auf einer Pressekonferenz von Polizei und Oberbürgermeisterin Henriette Reker räumte Polizeipräsident Wolfgang Albers am Dienstag Fehler ein. "Die erste Auskunft war falsch", sagte Albers.

Der Stellvertretender ZDF-Chefredakteur Elmar Theveßen erklärte am Dienstag5.5 auf Facebook, warum das ZDF nicht wenigstens am Montag 4.5. in den Hauptnachrichten die Vorfälle erwähnt hat:

"Die Nachrichtenlage war klar genug. Es war ein Versäumnis, dass die 19-Uhr-heute-Sendung die Vorfälle nicht wenigstens gemeldet hat. Die heute-Redaktion entschied sich jedoch, den geplanten Beitrag auf den heutigen Tag des Krisentreffens zu verschieben, um Zeit für ergänzende Interviews zu gewinnen. Dies war jedoch eine klare Fehleinschätzung."

Der DJV, dessen immer weniger überzeugtes Mitglied ich bin, dazu, wieder nach dwdl.de:

"Journalisten müssen informieren, aber nicht spekulieren", sagte der DJV-Bundesvorsitzende Frank Überall am Dienstag. Nur spärlich seien Informationen über gewalttätige Ausschreitungen durchgesickert. Dass es sich bei den Tätern um Bewohner von Flüchtlingsheimen mit nordafrikanischer Herkunft handeln solle, sei bis jetzt nicht polizeilich bestätigt, betonte Überall mit Blick auf Vorwürfe einer angeblichen Parteilichkeit für Flüchtlinge. "Eine nicht durch solide Recherchen gedeckte Verdachtsberichterstattung ist nicht nur unvereinbar mit den Prinzipien des professionellen Journalismus, sondern auch innenpolitisch brandgefährlich."

Der Brandsatz ist nun hochgegangen, mit verheerenden Folgen für die Glaubwürdigkeit der Medien und der Polizei, wie man allein schon an den Kommentaren unter Herrn Theveßens Erklärung auf Facebook ablesen kann.