Rufmord als Methode (2): Offener Brief an Bascha Mika

Aus Anlass eines großen „Berichts“ in der Frankfurter Rundschau vom 2. November über Albrecht Müller und die Nachdenkseiten (in Abwandlung hier online) habe ich mein langjähriges Abo dieser Zeitung gekündigt und ihrer Chefredakteurin in einem offenen Brief begründet, warum.

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Liebe Frau Mika,

aus alter Verbundenheit mit einer früher einmal linksliberalen Zeitung bin ich immer noch Abonnent der Frankfurter Rundschau und habe dabei lange darüber hinweggesehen, dass man inzwischen in den meisten Artikeln schon in der Überschrift, spätestens aber im ersten Absatz, gesagt bekommt, in welche der beiden verfügbaren Schubladen „Gut“ oder „Böse“ man die Handelnden einzuordnen hat, bevor die eigentliche Nachricht beginnt. Der große Dreispalter auf der Aufschlagseite des Politikteils über Albrecht Müller und die Nachdenkseiten mit dem Titel: „Zweifel an der wahrsten Wahrheit“, den ich am Montag in der Rundschau fand, hat für mich das Fass zum Überlaufen gebracht. Es ist mir schwer verständlich, wie Sie, eine langjährige Chefredakteurin der taz, so ein rufmordendes Machwerk in Ihrem Baltt dulden können. Zwei Drittel des Beitrags referieren angebliche Verschwörungstheoretiker und –theorien von links bis rechts, die der Autor zu einer „Querfront“ vereint und auf unterschiedliche, zum Teil nur assoziative Weise mit Albrecht Müller und den Nachdenkseiten in Verbindung bringt. Das dient erkennbar nur dazu, den unbequemen und einflussreichen Links-Sozialdemokraten bei seiner (potentiellen) Leserschaft als verkappten Rechten, wenn nicht gar Völkisch-braunen darzustellen. Das ist nicht das erste Mal, dass ich so etwas in Ihrer Rundschau lesen muss. Sie haben auch so prominent und in so epischer Breite wie kein anderes mir bekanntes Blatt über die in gleicher Machart gestrickte Pseudo-Analyse zur angeblichen „Querfront“ aus der Otto-Brenner-Stiftung berichtet. Ihr Autor Steven Geyer hat das damals geschriebene in seinem Artikel von Montag offenkundig recycelt.

Da die Gefahr groß ist, sich zu beschmutzen, wenn man sich zu sehr mit Dreckschleudern befasst, werde ich Sie, Herrn Geyer und die Rundschau ab jetzt in Ruhe Ihre wertvolle Arbeit tun lassen, für wen auch immer.

Leben Sie wohl

Norbert Häring

P.S. Im Abschiedsbeitrag von Wolfgang Lieb auf den Nachdenkseiten verlinkt dieser auf viele Beiträge von Müller, die ihm aufgestoßen sind. Deutliche Worte stehen da, in der Tat, aber Müller ist eigentlich schon viele Jahre lang für deutliche Worte bekannt.

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