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Norbert Häring ist seit 1997 Wirtschaftsjournalist. Vorher arbeitete der promovierte Volkswirt einige Jahre für eine große deutsche Bank. Er engagiert sich in der World Economics Association für eine weniger einseitige und dogmatische Ökonomik. Er ist Träger des Publizistik-Preises der Keynes-Gesellschaft und des Deutschen Wirtschaftsbuchpreises von getAbstract (Ökonomie 2.0).

Lebenslauf

Der Ökonomenkongress tanzt –ich tanze mit

Meist sind Kongresse öd und die der Ökonomen eher noch mehr als andere. Aber auf die Jahrestagung des Vereins für Socialpolitik in Münster, die am Sonntag beginnt und über die ich für das Handelsblatt berichten werde, bin ich gespannt. Eine ebenfalls viertägige „Ergänzungsveranstaltung“ kritischer Ökonomen könnte für produktive Spannung sorgen Das geht schon Sonntag-Abend los - mit einem Psychoanalytiker.

Der altehrwürdige Verein für Socialpolitik ist mit 3800 Mitgliedern unangefochten DER deutschsprachige Ökonomenverband. 700-800 Mitglieder werden in Münster zur Jahrestagung erwartet. Der Verein hält am Sonntag einige Workshops und ein Gettogether am Abend ab. Die vom Netzwerk Plurale Ökonomik veranstaltete pluralistische Ergänzungsveranstaltung beginnt um 17:30 Uhr im Fürstenberghaus am Domplatz recht originell mit einem Psychoanalytiker, Jürgen Hardt. Er wird laut Ankündigung die inzwischen vom Mainstream viel beachteten neuen Ansätze Behavioral Finance, Emotional Finance und Behavioral Economics auf ihre psychologischen Hintergrundtheorien hin untersuchen und kritisch hinterfragen, wie gut die Adaption durch die VWL bisher gelungen ist.

Am Montag Abend konkurriert ärgerlicher Weise der Empfang der Bundesbank, die immer den Vereinsschatzmeister stellt und sich nicht lumpen lässt, mit einem „Heterodoxen Podium zur Ökonomischen Großwetterlage“ mit Max Otte, Adelheid Biesecker und Hansjörg Herr.

Am Dienstag darf ich früh am Morgen (relativ) Dennis Snower interviewen. Der Chef des Kieler Instituts für Wirtschaftsforschung ist so etwas wie der diesjährige offizielle Pluralismusbeauftragte des Vereinsvorstands. Er hat eine „Invited Pluralist Session“ organisiert, auf der er und andere am Nachmittag verhaltensökonomische Forschungsergebnisse vorstellen. Nach dieser konkurriert eine Paneldiskussion zur Entwicklungsökonmik, dem Leitthema der Vereinstagung, mit einer hochkarätigen Podiumsdiskussion auf der Ergänzungsveranstaltung. Carl Christian von Weizsäcker vom Max-Planck-Institut für Gemeinschaftsgüter, Gustav Horn, Leiter des gewerkschaftsnahen IMK Instituts, Ralf Ptak (Attac, Memorandum Gruppe, Uni Köln) und Rüdiger Bachman darüber, wie plural die Jahrestagung des Vereins künftig sein sollte. Bachmann ist Nachwuchsbeauftragter des VfS, diskutiert aber als Privatmann mit.

Auf dem Entwicklungsökonomischen Plenum der Haupttagung diskutieren unterdessen die Entwicklungsökonomen Robin Burgess und Oriana Bandiera von der London School of Economics, sowie Dirk Guenther von der Welthungerhilfe und Norbert Kloppenburg vom Vorstand der KfW über Herausforderungen der Entwicklungspolitik. Ich habe ein bisschen die Hoffnung dass der Verein es wenigstens dabei hinkriegt, das mit der Flüchtlingswelle wohl zufällig so aktuell gewordene Generalthema Entwicklung auch für dieses Thema fruchtbar zu machen. Sehr zuversichtlich bin ich aber nicht. Die kurzfristiger planenden Organisatoren der Ergänzungsveranstaltung haben unterdessen für den Abend des Dienstag einen Vortrag mit Diskussion zum Thema Flüchtlinge und Entwicklung eingeplant. Es trägt vor, Volker Maria Hügel von der Gemeinnützigen Gesellschaft zur Unterstützung Asylsuchender.

Am Mittwoch gibt es noch zwei spannende Events auf der Haupttagung. Einmal eine Diskussion um die Rolle von Rankings in der Wirtschaftswissenschaft um Mittag und gleich danach debattieren die Chefs der großen Forschungsinstitute über Ungleichheit.