Schäuble: "Die Bundesregierung schließt (Grexit) kategorisch aus"

Ein Interview der Welt mit Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble aus dem Jahr 2011, auf das die US-Website zerohedge hinweist, lohnt aus aktuellem Anlass neu gelesen zu werden. "Die meisten Mitgliedstaaten sind noch nicht vollständig bereit, die notwendigen Einschränkungen nationaler Souveränität hinzunehmen. Aber glauben Sie mir, das Problem ist lösbar." Er ist schon ziemlich weit.

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Welt am Sonntag: Wir haben den Euro eingeführt, ohne diese (Finanzpolitik) zu vergemeinschaften, was sich inzwischen als Problem erweist ...

Wolfgang Schäuble: Schon damals war Deutschland für eine politische Union, fand dafür aber keine Mehrheit. Wir haben uns deshalb entschieden, über die Wirtschafts- und Währungsunion hin zur politischen Einheit zu kommen. ... 

Welt am Sonntag: Erzwingen die Märkte nun die politische Einigung?

Wolfgang Schäuble: Die meisten Mitgliedstaaten sind noch nicht vollständig bereit, die notwendigen Einschränkungen nationaler Souveränität hinzunehmen. Aber glauben Sie mir, das Problem ist lösbar.

Welt am Sonntag: Verliert Europa wegen dieser Krise die Zustimmung in der Bevölkerung? 

Wolfgang Schäuble: Das glaube ich nicht. Jetzt sind sogar Schritte denkbar, die vorher schwieriger waren. Sicher, große Reformen lassen sich leichter nach alles erschütternden Ereignissen wie Katastrophen oder Kriegen durchsetzen. Im Jahr 2011 sind wir davon erfreulicherweise weit entfernt. Dennoch: Krisen bringen die Chance mit sich, Dinge wieder schärfer ins Bewusstsein zu bringen, scheinbar Selbstverständliches zu hinterfragen und deshalb auch Entscheidungen zu beschleunigen.

Welt am Sonntag: Seit anderthalb Jahren wird diese Krise immer schlimmer. Bleiben Ihnen am Ende nur zwei Auswege: das Zerbrechen der Euro-Zone oder eine weitere politische Einigung samt Transferunion?

Wolfgang Schäuble: Das ist zu schwarz-weiß und simplifizierend gedacht. Richtig ist: Es gibt viele, die unsere Maßnahmen jetzt kritisieren und die denken, es wäre besser, wenn einige schwache Mitglieder die Euro-Zone verlassen würde. Die Bundesregierung schließt das kategorisch aus.

Welt am Sonntag: Was wäre so schlimm, wenn Griechenland die Euro-Zone verlassen würde?

Wolfgang Schäuble: Wir würden auf allen anderen Kontinenten und Märkten dramatisch an Vertrauen und Einfluss verlieren. Mit dementsprechenden Konsequenzen. Ich habe im Urlaub einen Menschen getroffen, der für eine deutsche Firma in China tätig ist. Und er hat gesagt: Für die Chinesen sei es völlig unvorstellbar, dass wir Europäer nicht in der Lage sind, Griechenland in der Euro-Zone zu halten.

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